Region Fricktal
Einkaufstourismus erneut eingebrochen – erste Lebensmittelhändler müssen Kurzarbeit anmelden

Schon die ungewohnt leeren Parkplätze zeigen: Die Schweizer Kunden fehlen dem Lebensmitteleinzelhandel auf deutscher Seite am Hochrhein.

Markus Vonberg
Drucken
Teilen
Der Parkplatz des Laufenburger Einkaufszentrums Laufenpark bleibt dieser Tage öfter beinahe leer.

Der Parkplatz des Laufenburger Einkaufszentrums Laufenpark bleibt dieser Tage öfter beinahe leer.

Markus Vonberg

Weil wegen der Coronaschutzmassnahmen die Einkaufstouristen ausbleiben, hat die Offenburger Edeka Handelsgesellschaft Südwest etwa für das E-Center Laufenburg bereits Kurzarbeit eingeführt. Die Schmidts Märkte GmbH mit Sitz in Rickenbach will noch bis zum Ende dieses Monats die Entwicklung abwarten, bevor sie darüber entscheidet, ob sie ebenfalls Kurzarbeit beantragen soll.

«Die derzeitigen Regelungen bezüglich der Einreise aus der Schweiz sowie aus Frankreich wirken sich auch auf die Kundenfrequenz in unseren grenznahen Märkten aus. Aus diesem Grund haben wir entsprechende Anpassungen beim Personaleinsatz vorgenommen und in einigen Fällen auch auf Kurzarbeit zurückgegriffen, so zum Beispiel im E-Center Laufenburg», sagte Florian Heitzmann als Sprecher von Edeka Südwest. Konkrete Zahlen und Grössen wollte das Unternehmen nicht nennen. Kunden des Unternehmens mussten sich aber bereits vor geraumer Zeit auf geänderte Öffnungszeiten einstellen. So schliessen die Märkte in Laufenburg und Tiengen bereits um 19.30 statt erst um 22 Uhr.

Kundenzahlen sinken auf Niveau beim Lockdown

Gesunkene Kundenzahlen müssen auch die Schmidts Märkte vor allem in ihren beiden Bad Säckinger Märkten verzeichnen. Die Einbrüche dort lägen in einem ähnlichen Bereich wie bei der ersten Coronawelle im vergangenen Frühjahr, erklärte Geschäftsführer Michael Schmidt. «Am meisten ist der Markt in der Innenstadt betroffen, da dort vieles zusammenkommt.» Die fehlenden Schweizer Kunden seien dort nur ein Aspekt. Auch weil viele Beschäftigte im Homeoffice statt im Büro arbeiten und weil andere Einzelhandelsgeschäfte ebenso geschlossen seien wie die Gastronomie, seien die Märkte leerer.

Auch die Schmidts Märkte haben deshalb im XL-Markt auf dem ehemaligen Brennet-Areal und im Markt Lohgerbe in der Innenstadt die Öffnungszeiten angepasst. Allein schon die nach 20 Uhr abends geltende Ausgangsbeschränkung sei ein Grund dafür, so Schmidt. Ob die Umsatzentwicklung Kurzarbeit nötig mache, könne zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht entschieden werden. «Wie stark unsere Mitarbeiter davon betroffen sein werden, können wir erst Ende des Monats entscheiden beziehungsweise dann an die Gegebenheiten anpassen.» Das Mass der ausgefallenen Stunden differiere von Mitarbeiter zu Mitarbeiter sehr.

EC-Karten-Umsätze zeigen Entwicklung auf

Zu normalen Zeiten zeigen schon die auf den Parkplätzen vor dem E-Center Laufenburg und dem Schmidts XL-Markt Bad Säckingen abgestellten Fahrzeuge, wie wichtig die Kunden aus der Schweiz für deren Geschäft sind. Zulassungskennzeichen vor allem aus dem ­Aargau, aber auch aus anderen Kantonen dominieren.

Für die grossen Lebensmitteleinzelhändler entlang der Grenze war 2020 wie für alle auf Schweizer Kundschaft eingestellten Einzelhändler und Dienstleister ein schwieriges Jahr. Schon im Frühjahr war der Einkaufstourismus während der Schliessung der Grenzen ab Mitte März für zwei Monate fast auf null zurückgegangen. Ab Mai pendelten sich die Umsätze wieder auf das normale Mass ein.

Im Oktober brachen sie dann wieder ein, als in der Schweiz die Schutzmassnahmen verschärft wurden. Einen Eindruck, wie stark der Rückgang ist, zeigen Untersuchungen von Matthias Fengler, Professor für Ökonometrie an der Universität St.Gallen. Er hat die EC-Karten-Umsätze Schweizer Kunden in Deutschland analysiert und kam zum Ergebnis, dass die Schweizer Ausgaben in deutschen Supermärkten ab diesem Zeitpunkt um 13 Prozent, im übrigen Einzelhandel um 34 Prozent gesunken seien (die AZ berichtete).

Seit dem 23. Dezember gelten in Deutschland nun noch schärfere Einreisebestimmungen samt Quarantäne. Das bremste den Einkaufstourismus noch mehr.