Der Titel der Vorstellung stellte besondere Einsichten in Aussicht: «Der A-Quotient – ein erhellender und unterhaltender Lehrgang über Theorie und Praxis des Umgangs mit Arschlöchern». Gemessen am vollen Haus am Freitagabend in der Kultschüür Laufenburg war offenbar Bedarf vorhanden. Das neue Theaterstück von Charles Lewinsky hatte es denn auch in sich, trat es doch einem bestimmten Personenkreis, über den man sich schon mal aufregen kann, recht nahe.

Namen fielen selten, und falls doch, konnten sich die Akteure einer Übereinstimmung mit dem Publikum weitgehend sicher sein, zum Beispiel bei der Frage: «Warum hat Donald Trump Präsident werden können?» Politik spielte in der Aufführung jedoch eine eher untergeordnete Rolle. Viel lieber untersuchte Charles Lewinsky mit seinen beiden Assistenten Judith Stadlin und Michael van Orsouw die Ereignisse, die den menschlichen Alltag begleiten.

«Denken ist anstrengend»

Wenn einem ein freier Parkplatz plötzlich von jemand anderem weggeschnappt wird zum Beispiel. Dann kommt selten Gelassenheit auf, im Gegenteil. Schnell ist dann dieses eine Wort ausgesprochen, das die Schauspieler als «zwar nicht schön, aber uralt» bezeichneten und das sich in der Mitte unseres Körpers lokalisieren lässt. Das, so die Überzeugung Lewinskys, zum Denken genutzt wird.

Konkret: «Der Mensch kann nicht nur mit dem Kopf, sondern auch mit dem Hintern denken.» Rein anatomisch sei das zwar schwierig zu erklären, sagte Lewinsky. Fest stehe hingegen, warum das so ist: «Weil Denken anstrengend ist. Wer diese Arbeit ans Füdli delegiert, hat es angenehmer.» Das Publikum als Studierende wurde ein bisschen mit einbezogen, nur nicht zu arg, zumal sich keine Person darunter befand, auf die der mindestens 100 Mal gefallene «unschöne, aber uralte» Begriff zutraf.

Eine Alternative zum IQ-Test

Festzustellen war auch, dass die Studierenden ihren IQ (Intelligenz-Quotient) bewiesen, indem sie sich für diese Veranstaltung entschieden hatten. Apropos: Es existiere ausserdem ein AQ, ein A-Quotient, erklärte das Trio. Dabei handle es sich um ein Masssystem, das den Grad der sogenannten «Arschlochizität» bestimmt. Der sei exakter als ein IQ-Test, hiess es.

Charles Lewinsky, Judith Stadlin und Michael van Orsouw kamen mit wenigen Requisiten aus. In Ärztekitteln gekleidet, verpassten sie der Vorstellung den Hauch eines hochwissenschaftlichen Intensivkurses. Und dann diese Deutlichkeit: Diejenigen, auf die das unschöne Wort fällt, sind immer die anderen und die sind in der Mehrheit.

Wer die Vorstellung in der Kultschüür verpasst hat, dem kann geholfen werden. Denn der bald 73-jährige Schriftsteller Charles Lewinsky hat ein Buch geschrieben mit dem Titel «Der A-Quotient. Theorie und Praxis des Lebens mit A . . .». Mit eben diesen. Erhältlich ist das Werk im Buchhandel.