1. August

Ein Jahr nach primitivem Streich: 2014 brennt Sulzer Höhenfeuer zur rechten Zeit

Mit berechtigtem Stolz posieren die Mitarbeitenden vor dem fertigen Kunstwerk, das zuoberst mit der Sulzer Fahne und einer Aufrichtetanne geschmückt wurde.1

Mit berechtigtem Stolz posieren die Mitarbeitenden vor dem fertigen Kunstwerk, das zuoberst mit der Sulzer Fahne und einer Aufrichtetanne geschmückt wurde.1

2013 brannte oberhalb des Sulzer Steinliachers nach mehreren Jahren wieder ein Höhenfeuer, allerdings wegen Streichs einen Tag zu früh. Das Augustfeuer, wie es im Tal heisst, hat eine langjährige Tradition.

Als während dreier Jahre mangels Interesse kein Feuer mehr zustande kam, ergriff im letzten Jahr auf Wunsch verschiedener Eltern die KulturWerk-Stadt Sulz die Initiative zur Wiederbelegung dieses Brauchs. 2013 brannte dann oberhalb des Sulzer Steinliachers erstmals wieder ein Höhenfeuer, allerdings wegen eines primitiven Streichs einen Tag zu früh. Er selber sei in erster Linie für das Organisatorische verantwortlich, erzählt Reto Weiss, Präsident der KulturWerk-Stadt Sulz. An der Arbeit beteiligt seien vor allem ältere Schüler und Lehrlinge unter tatkräftiger Mithilfe einiger Väter, Mütter und Jugendlichen.

Fleissige Hände

Die grosse Arbeit fängt mit dem Sammeln des benötigten Holzes an. Dies sind insbesondere Holzstangen, welche für die Aussenhülle benötigt werden und Reisig für das Füllmaterial. Die zahlreichen Helferinnen und Helfer tragen das Holz und Geäst zusammen, welches dann vom Forst zum Feuerplatz gefahren wird.

Für den Aufbau des rund zehn Meter hohen Holzhaufens, dessen raffinierte Konstruktion man wohl eher als «Feuerhaus» bezeichnen müsste, bedarf es eines sauberen Fundaments. Die untersten Holzstangen müssen deshalb so ins abschüssige Gelände eingepasst werden, dass der Aufbau im Lot ist. Danach folgt auf einer quadratischen Fläche von etwa fünf Mal fünf Metern Stange auf Stange. Fachmännisch werden die Holzstangen an den beiden Enden so eingekerbt, dass die nächste Stange fest verankert darauf zu liegen kommt und sich das so entstehende «Feuerhaus» nach oben verengt.

In dieses wird Reisigmaterial eingefüllt. Kommt schon beim Aufbau des Feuers die Geselligkeit nicht zu kurz, so folgt dann der eigentliche Höhepunkt am 1. August, wo man sich um sechs Uhr abends beim Feuer trifft. Auch hier sind es Jugendliche, die eine kleine Festwirtschaft führen. Nach dem Eindunkeln besammeln sich die Kinder und marschieren mit einem Fackelumzug hinauf zum Feuer. Dort werden die Fackeln in das «Feuerhaus» gesteckt und bald züngeln meterhohe Flammen zum Himmel. Das Feuer entwickelt eine so grosse Hitze, dass man nicht mehr in dessen Nähe treten kann. Um die Würste zu braten, muss deshalb ein separates Feuer entzündet werden. Dieses kleine Feuer nannte man übrigens einst «Narrenfeuer».

Brennende Kreuze

Früher gab es im Sulztal bis zu vier Augustfeuer. Ein Feuer brannte jeweils in Rheinsulz. Zwischen den drei Dorfteilen Bütz, Mittelsulz und Obersulz habe es einen richtigen Wettstreit gegeben, erzählt der Sulzer Edgar Obrist: «Jeder Dorfteil wollte das schönste Feuer haben.» Daraus ist vermutlich auch die Idee entstanden, anstelle eines Feuers ein brennendes Holzkreuz zu konstruieren. An ein grosses hölzernes Kreuz habe man zahlreiche Büchsen genagelt, diese mit in Petrol getränktem Sägemehl gefüllt und dann bei Einbruch der Dunkelheit angezündet.

«Das Geld für das Petrol mussten wir selber bezahlen», weiss Edgar Obrist zu berichten. Die Augustfeuer habe man damals viel einfacher gebaut, indem lange Holzstangen aufgestellt und mit brennbaren Materialien hinterfüllt wurden. Zu seiner Jugendzeit sei diese Arbeit vollumfänglich von Schülern erbracht worden. Dies sei halt auch einfacher gewesen, da in seiner Jugendzeit niemand in die Ferien gefahren sei.

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