Pro Natura Aargau möchte ein altes Haus in Wegenstetten restaurieren und damit eine Fledermausart in der Schweiz vor dem Aussterben retten. «Flederhaus» heisst das Projekt, das im Frühjahr angestossen wurde.

«Die Grosse Hufeisennase – schon seit Jahren auf der Roten Liste der bedrohten Tierarten – hat in einem alten Bauernhaus eine Wochenstube», sagt Pro-Natura-Geschäftsführer Johannes Jenny. Jedes Jahr ziehen hier Muttertiere ihre Jungen auf. «Es ist eine von nur drei Wochenstuben dieser Art in der Schweiz.»

Ferien im Flederhaus

Pro Natura Aargau möchte das Bauernhaus mit Baujahr 1803, bekannt auch als «Trottehuus», deshalb für die Tiere erhalten. Mehr noch: Das Haus soll sanft renoviert, die Umgebung fledermausfreundlich aufgewertet sowie im Wohnteil des Hauses eine Ferienwohnung eingerichtet werden. Die Stiftung «Ferien im Baudenkmal» wird die Wohnung bewirtschaften. Die Stiftung wurde 2005 vom Schweizer Heimatschutz gegründet und vermietet historisch wertvolle Bauzeugen als Ferienwohnungen.

So weit der Plan. Seit einigen Monaten nun sind die Projektverantwortlichen an der Umsetzung. Die ersten Hürden hat das «Flederhaus» genommen. So hat die christkatholische Kirchgemeinde, die Besitzerin des Hauses, dem Verkauf zugestimmt. Auch die Finanzierung des Kaufs steht. Mit «Ferien im Baudenkmal» wurde ausserdem ein Baurechtsvertrag ausgearbeitet. Er soll demnächst unterzeichnet werden. Ebenfalls schon bald erwarten die Verantwortlichen eine Projektstudie des renommierten Architekten Ruedi Dietiker. Er war beispielsweise an der Renovation des Klosters Muri beteiligt und wird nun auch für das «Flederhaus» seine Vorschläge einbringen.

Finanzierung gibt zu tun

«Neben all dem stehen dem Projekt aber auch noch einige Hürden bevor», sagt Jenny. Eine wichtige Hürde gilt es im Dezember zu nehmen: Dann entscheidet sich, ob sich der Aargauer Lotteriefonds am Projekt beteiligt. Denn obwohl der Kauf des Hauses finanziell gesichert ist – die Restauration ist es noch nicht. Die Gesamtkosten für das Projekt belaufen sich auf rund 1,4 Millionen Franken.

«Wir wussten, dass die Finanzierung Knochenarbeit sein würde», sagt Jenny. Neben vielen Zusagen von Stiftungen, Organisationen und Privatpersonen treffen auch Absagen ein. «Doch wir haben mehr als einmal bewiesen, dass wir einen langen Atem haben und uns nicht so schnell entmutigen lassen», so Jenny.

Zu schön ist die Vorstellung, wenn der Plan in die Tat umgesetzt werden kann. «Ohne das Flederhaus stirbt diese Art im Aargau aus und der wichtige genetische Kontakt zwischen den Populationen im Alpenraum und denen im Elsass würde unterbunden», sagt Jenny. «Das Flederhaus rettet eines unserer seltensten Säugetiere und verbindet dies mit der Erhaltung eines geschichtsträchtigen, identitätstiftenden Hauses.»

Bis es aber so weit ist, vergehen wohl noch einige Jahre. «Wir hoffen, dass es für einen Baustart gegen Ende 2017 reicht und wir vor dem Einflug der Grossen Hufeisennasen im Frühjahr 2018 möglichst viel umsetzen können», sagt Jenny. Sobald die Fledermäuse da sind und ihre Jungen zur Welt bringen, müssen die Arbeiten an Dach und Scheune ruhen. Im Wohnbereich hingegen kann weitergearbeitet werden. «Schliesslich pflanzten sich die Tiere über Jahrzehnte über einem belebten Kleinbauernbetrieb problemlos fort», sagt Jenny.

2020 die Eröffnung?

Der Zeitplan sieht vor, dass das Haus 2019 oder 2020 eröffnet werden kann. Geht es nach Jenny, so geschieht dies mit einem grossen Fest für das ganze Tal. Vielleicht mit dem Kinderzirkus «Pipistrello» (italienisch, zu Deutsch: Fledermaus) oder einem Konzert mit Strauss-Arien aus der «Fledermaus»? Ideen gibt es jedenfalls genug. «Jetzt gilt es aber erst, unseren Plan umzusetzen», sagt Jenny.