Rheinfelden
Ein Gentleman stösst zur Weltspitze: «Ich will mit Snooker mein Geld verdienen»

Die Welt von Alexander Ursenbacher ist die Welt des Snookers. Eine Welt der Gentlemen, in der die Spieler mit Gilet, Fliege, Hemd und gewienerten Schuhen auf Punktejagd gehen. Der 20-jährige Snooker-Spieler aus Rheinfelden will an der WM in Sheffield den grossen Durchbruch schaffen.

Dennis Kalt
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Alexander Ursenbacher ist am Snooker-Tisch hoch konzentriert und blendet alles um sich herum aus. Dennis Kalt

Alexander Ursenbacher ist am Snooker-Tisch hoch konzentriert und blendet alles um sich herum aus. Dennis Kalt

Fehler werden eiskalt bestraft. Präzision ist der Schlüssel zum Erfolg, Nervenstärke unabdingbar. Contenance ist Pflicht. Emotionen sind am Tisch rar. Die Welt von Alexander Ursenbacher, 20, ist die Welt des Snookers. Eine Welt der Gentlemen, in der die Spieler mit Gilet, Fliege, Hemd und gewienerten Schuhen auf Punktejagd gehen.

Um in die Phalanx der Weltspitze einzudringen, in der sich Briten und Asiaten tummeln, trainiert der Rheinfelder Ursenbacher jeden Tag rund acht Stunden in Münchenstein beim Snooker Club Basel. «Klar, nach ein paar Stunden kann einem das Training schon verleiden», gibt Ursenbacher zu und schiebt nach: «Wenn ich merke, dass ich unkonzentriert werde, denke ich daran, wie sich der Moment anfühlt, in dem ich aus einem wichtigen Turnier ausscheide.»

Dass sich sein kontinuierliches Training ausgezahlt hat, wurde kürzlich an der U21-Europameisterschaft auf Zypern deutlich, an der er den Titel errang und damit eine Wild-Card für die Qualifikation der Snooker-WM in Sheffield, die am 5. April startet, ergatterte.

Drei Runden muss er dort überstehen, um es in die WM-Hauptrunde der 32 besten Spieler zu schaffen. Sein Selbstvertrauen ist gross, denn er weiss um seine Stärke: «Wenn ich das abrufe, was ich im Training spiele, dann kann ich die Hauptrunde erreichen», sagt er.

Zum Erfolg verdammt

Doch in die Hauptrunde will er nicht nur, um es sich selbst zu beweisen: «Ich hoffe, dass ich durch ein erfolgreiches Abschneiden den Snooker-Sport in der Schweiz populärer machen kann.» Nach seinem Schulabschluss setzte Ursenbacher alles auf eine Karte und stellte eine Lehre seinem Snooker-Talent hinten an: «Ich will mit Snooker mein Geld verdienen. Deswegen habe ich an der WM und den kommenden Turnieren auf der Main-Tour auch finanziell einen gewaltigen Druck, erfolgreich zu sein», sagt er. Übersteht Ursenbacher das WM-Qualifikationsturnier, sind ihm umgerechnet rund 20'000 Franken sicher.

Snooker: Die Regeln

Ein Spieler muss abwechselnd eine der 15 roten Kugeln und eine der sechs bunten Kugeln versenken. Die versenkten bunten Kugeln werden solange wieder auf dem Tisch platziert, bis alle roten Kugeln versenkt worden sind. Danach müssen die bunten Kugeln in einer festen Reihenfolge eingelocht werden. Für eine gelochte rote Kugel gibt es einen, für die bunten Kugeln zwei bis sieben Punkte. Ein Spieler gewinnt einen «Frame», wenn er in diesem mehr Punkte als sein Gegner erzielt. In der ersten Runde des WM-Hauptturniers benötigt ein Spieler zehn «Frames», um die Partie zu gewinnen. (dka)

Wenn sich Ursenbacher mit den Weltbesten misst, wird sein Erfolg auch davon abhängig sein, wie er es schafft, mit dem Druck, der bei wichtigen Stössen auf seinen jungen Schultern lastet, umzugehen. Ursenbacher weiss, dass diese entscheidenden Stösse kommen werden und dass dann Fehler auf diesem Top-Niveau eiskalt bestraft werden. «Das Unterbewusstsein spielt dir bei solchen entscheidenden Stössen immer einen Streich. Die Kunst dabei ist, dass man sich schon im Vorfeld darüber bewusst wird und lernt, diesen Druck zu akzeptieren», sagt er.

Gerade wenn es nicht läuft und Ursenbachers Gegner eine Kugel nach der anderen versenkt, können die Minuten, die er zuschauend am Tisch verbringen muss, quälend lang sein. Doch die Erfahrung hat ihn gelehrt, seine Emotionen ständig zu kontrollieren: «Es bringt nichts, wütend zu sein und innerlich zu kochen. Sobald du in diesem Zustand wieder an den Tisch kommst, beeinflusst die Emotionalität dein Spiel. Das ist kontraproduktiv», sagt Ursenbacher.

Der Traum von der Insel

Ursenbacher weiss, dass er sich nur in der Weltspitze etablieren kann, wenn er sich dauerhaft in Grossbritannien niederlässt, um dort mit den Besten der Welt zu trainieren: «Nur wenn ich mit Top-Spielern am Tisch stehe, kann ich meinem Spiel den Feinschliff verleihen», sagt er. Seinen Traum konnte er bisher noch nicht verwirklichen, weil es an Sponsoren hapert. Deswegen muss er auch in Münchenstein an einem Tisch trainieren, der sich von den Spieleigenschaften her von den Turnier-Tischen auf der Snooker Main-Tour unterscheidet. Im Wissen um seine Fähigkeiten trotzt Ursenbacher aber diesem Umstand und sagt: «Ich kann mich schnell an die Turnier-Tische anpassen.»

Doch bis er an den Turnier-Tischen der WM in Sheffield steht, muss er noch ein paar Mal zum Bügeleisen greifen, um das Filztuch des Trainingstisches in Münchenstein zu glätten. «Das ist nötig, damit die Kugeln schneller laufen», erklärt er und schiebt mit spitzbübischen Grinsen nach: «Nein, zu Hause bügle ich nicht.»