Rheinfelden

Drei Geissen im städtischen Gehege gestorben – sind sie verhungert?

Sind drei Ziegen im städtischen Gehege in Rheinfelden gestorben?

Sind drei Ziegen im städtischen Gehege in Rheinfelden gestorben?

Im städtischen Gehege sollen drei Geissen verhungert sein. Nun schaltet sich der Kanton ein und untersucht die Vorfälle. Eine langjährige Tierpflegerin fordert die Absetzung des «Geissenvaters» Daniel Jost.

Vor kurzem tummelten sich im Geissengehege der Stadt Rheinfelden noch 13 Tiere. Inzwischen sind es nur noch 10. «In diesem Winter sind drei Geissen verhungert», klagt Tierpflegerin Esther Senn. Schuld daran sei «Geissenvater» Daniel Jost wie er in Rheinfelden genannt wird.

Der Mitarbeiter des städtischen Werkhofs ist laut Senn für den Futterplan verantwortlich. Dieser sehe im Winter bloss zwei Ballen Heu pro Woche für insgesamt 13 Zwerggeissen vor. Viel zu wenig, finden Esther Senn und ihr Partner Ruedi Müller.

Als am vergangenen Freitag eine Geiss starb, brachten sie die Zwergziege zu einem Tierarzt, der eine Autopsie vornahm. Der Befund: «13 Kilo schwere Ziege, weiblich, behörnt, 10- bis 13-jährig, verendet in einem sehr mageren Nährzustand». Festgestellt wurde zudem ein Wurmbefall.

Sind in Rheinfelden drei Zwergziegen im städtischen Gehege verhungert?

Sind in Rheinfelden drei Zwergziegen im städtischen Gehege verhungert?

Nach einem Bericht von «Tele M1» am Montagabend kam es Dienstag zu einem Grossaufmarsch im Geissengehege an der Rheinfelder Stadtmauer. Stadtammann Franco Mazzi, Stadtbaumeister Urs Affolter, Werkhofleiter Andreas Frömcke und die zwei Amtstierärzte Urs Frei und Werner Widmer fanden sich auf der ehemaligen Eselwiese ein.

Aufgeschreckt durch den Fernsehbeitrag, wandte sich Stadtammann Franco Mazzi an das kantonale Veterinäramt Aargau. «Die Amtstierärzte sehen sich die Tiere an und beurteilen, ob die Haltung in Ordnung ist, wie wir das bisher angenommen haben», sagt der Rheinfelder Stadtammann.

Überdies entnahmen die beiden Tierärzte von vier Tieren Kotproben, die Aufschluss über den Wurmbefall liefern sollen. Die Ergebnisse werden nach Angaben von Frei in drei Tagen vorliegen. Eine Unterernährung habe er nicht festgestellt, sagt er. Der Geissenvater hat die Zwergziegen bisher einmal jährlich entwurmt. Bei dieser Haltung empfehle er häufigere Entwurmungen, sagte Tierarzt Frei.

Zwei Tiere eingeschläfert

Die Geiss, die am vergangenen Freitag starb, war laut Werkhofleiter Andreas Frömcke knapp 14 Jahr alt. Im letzten halben Jahr habe man zwei weitere Geissen «altersbedingt einschläfern» müssen: Im August ein 11 Jahre altes Tier, im Dezember eine 13-jährige Zwergziege. In beiden Fällen sei das kantonale Veterinäramt beigezogen worden, erläutert Stadtammann Mazzi.

«Im Durchschnitt werden Zwergziegen 16 Jahre alt», sagt Ruedi Müller. «Es gibt Tiere, die sogar 23 Jahre erreichen.» Alle Fälle müssten jetzt untersucht werden, fordert Müller. «Ich will bei jedem Tier genau wissen, was vorgefallen ist. Und vor allem muss der Geissenvater abgesetzt werden», findet er.

Neu sind die Klagen offenbar nicht. «Schon 2007 und 2011 hat es in Rheinfelden um die Haltung der Geissen Diskussionen gegeben, und 2011 haben wir dann einen runden Tisch einberufen», erklärt der Stadtammann. Eines der Ergebnisse sei der aktuelle Futterplan gewesen, und man habe geglaubt, damit eine gute Lösung gefunden zu haben.

Kontroverse um die Haltung

Nach Auskunft der privaten Forschungsstation für Ziegen und Zwergziegen im bündnerischen Castiel reichen zwei Ballen Heu pro Woche für 13 Zwerggeissen. Wichtig sei die Qualität des Heus. Die Forschungsstation stellt dem Rheinfelder Gehege ein gutes Zeugnis aus: Die Tiere würden nach ihren Informationen gut gehalten.

Ganz anders sieht dies Tierpflegerin Esther Senn: Schon seit Jahren werde zu wenig gefüttert und entwurmt, und auch die Klauen würden nicht geschnitten, kritisiert sie. Senn betreut die beliebten Stadtgeissen seit zehn Jahren. Davor hatte sich ihre Mutter während 18 Jahren um die Geissen gekümmert. Der Rheinfelder «Geissenvater» hat seine Aufgabe vor rund zehn Jahren übernommen. Jeden Donnerstag kommt er morgens zum Geissengehege. Einmal jährlich werden die Zwergziegen von einem Tierarzt untersucht.

Wenn die Tierpflegerin Futter für die Zwergziegen mitgebracht habe, sei sie vom Geissenvater zusammengestaucht worden, sagt ihr Partner Ruedi Müller, der selbst Zwergziegen hält. Für ihn ist klar: «Die Tiere wurden vernachlässigt.» Er deutet auf eine Geiss und schimpft: «Schauen Sie sich diesen Hungerbauch an! Das ist das nächste Tier, das stirbt.»

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