Die Tempodiskussion hat auch in Oeschgen Fahrt aufgenommen. Nachdem an der letzten Gemeindeversammlung ein Überweisungsantrag für die Einführung von Tempo 30 im Dorf mit grosser Mehrheit angenommen wurde, legt der Gemeinderat heute Freitag an der Gemeindeversammlung das Geschäft vor – allerdings anders als damals angedacht. Statt Tempo 30 im ganzen Dorf will die Exekutive den sensiblen und zum Teil unübersichtlichen Bereich der Dorfstrasse, das ist jener zwischen Pfarrhaus und Sisselbachbrücke sowie Einmündung Hohlenweg, zur Begegnungszone machen. Zusätzlich soll im gesamten Hohlenweg ab Ortseingang bis zur Sisselbachbrücke Tempo 30 eingeführt werden.

Wird der Vorschlag angenommen, gilt in der neu geschaffenen Begegnungszone künftig Tempo 20. Gleichzeitig haben in diesem Bereich dann die Fussgänger Vortritt – unabhängig davon, an welcher Stelle sie die Strasse queren wollen. Da im Rayon der künftigen Begegnungszone die beiden meistfrequentierten Strassenquerungen für Primarschüler und Kindergärtler sowie die meisten öffentlichen Gebäude liegen, die bei Anlässen stark frequentiert werden, macht für den Gemeinderat diese Variante mehr Sinn als eine flächendeckende Einführung von Tempo 30.

Sichtproblematik im Dorfkern

Gerade für die beiden Fussgängerquerungen bei der Kirche und der Einmündung der Binzgasse ortet der Gemeinderat «Slow down»-Bedarf, hat er doch festgestellt: «Bei einer Fahrgeschwindigkeit von 50 km/h ist die Sichtweite auf die Standplätze dieser beiden Strassenquerungen ungenügend.» Die Sichtproblematik auf der Dorfstrasse führt der Gemeinderat auf die engen, unübersichtlichen Kurven zurück, die über Jahrzehnte respektive Jahrhunderte gewachsen seien und so «zu ungenügenden Sichtweiten führen, sodass ein Abbremsen nicht rechtzeitig eingeleitet werden kann», wie der Gemeinderat in seiner Botschaft an die Stimmberechtigten festhält.

Dass der Verkehr auch in Oeschgen zugenommen hat, ist auch dem Gemeinderat nicht entgangen. Er lobt zwar die «sicheren Strassenverhältnisse», die er einerseits auf den geringen Anteil an Durchgangsverkehr und andererseits auf die «rücksichtsvolle Fahrweise der meisten Automobilisten im Dorf» zurückführt, hat aber gleichzeitig festgestellt: «Durch die stetig zunehmenden Verkehrsaufkommen in den Nachbargemeinden Frick und Eiken wurde auch in Oeschgen eine Zunahme des Schleichverkehrs festgestellt.»

Im Umkehrschluss spricht für den Gemeinderat im Vergleich der beiden Temporeduktionsmassnahmen gegen Tempo 30, dass damit im sensiblen Bereich nach wie vor der motorisierte Verkehr Vortritt hat und dass damit «die Schwach- und Gefahrenstellen für die querenden Fussgänger in der Kernzone weiterhin bestehen bleiben».

Für die Umsetzung der Begegnungszone und die Einführung von Tempo 30 am Hohlenweg beantragt der Gemeinderat heute Abend einen Kredit über 53 500 Franken. Für die flächendeckende Einführung von Tempo 30 wäre mit Kosten von 75 000 Franken zu rechnen.