Sie sind zurück vom Zurücksein: Köbi Brem und Pia Koch, die seit Juni auf der Jacht «Lupina» leben und mit ihr die Welt umsegeln (die AZ berichtete), waren im November für zehn Tage zurück in der Schweiz. Das Gefühl , wieder im Fricktal zu sein, sei «irgendwie komisch» gewesen, blick Köbi Brem zurück. «Wir fühlten, dass es sehr schön ist in der Schweiz», sagt der 58-jährige alt Gemeindeammann von Wölflinswil.

Die zehn Tage in der Schweiz waren gefüllt mit Besuchen von Familie und Freunden, Papierkram erledigen, Heimat auskosten «und natürlich intensiv das Grosskind geniessen», so Brem. Die Zeit verging wie im Fluge. Und doch: Der Aufenthalt in der Schweiz hat den beiden auch gezeigt: «Unser Zuhause ist nun die Lupina.» Sie hätten sich perfekt eingelebt, sagen die beiden, «wir finden unsere Sachen, auch wenn es dunkel ist.»

Heimkehr auf die «Lupina»

Die Rückkehr auf die Lupina vor wenigen Tagen empfanden Koch und Brem denn auch als «eine Heimkehr». Froh sind sie aber um die digitalen Kommunikationsmittel, die es heute gibt. Dank ihnen «können wir mit den Menschen in der Schweiz gut in Kontakt bleiben, sodass sie uns trotz der Distanz nahe bleiben».

Eine so grosse lange und langdauernde Distanz zur «Lupina» hatten Brem und Koch noch nie, seit sie im Frühsommer der Schweiz den Rücken gekehrt haben und auf der Segeljacht eingezogen sind. Es seien gemischte Gefühle gewesen, als sie in die Schweiz flogen, so Brem. «Einerseits haben wir uns auf die Schweiz gefreut, andererseits war es für uns das erste Mal, das Schiff so lange alleine zu lassen.»

Köbi Brem bei der Arbeit im Ankerkasten.

Köbi Brem bei der Arbeit im Ankerkasten.

Kaum in der Schweiz angekommen, hörten sie von Riesenwellen und Sturmschäden in Teneriffa, wo die «Lupina» derzeit vor Anker liegt. «Da wurden wir schon etwas nachdenklich.» Umso erleichtert waren Koch und Brem, als sie zurück waren: «Es war alles in bester Ordnung.» Die «Lupina» stand noch genau so da, wie sie sie verlassen hatten. «Das Unwetter kam von Norden, und der Hafen im Süden war sehr gut geschützt.»

Menüs vorkochen

Derzeit sind die beiden mit den Vorbereitungen für die Atlantiküberquerung beschäftigt. Pia Koch schreibt Einkaufslisten und überlegt sich verschiedene Menüs, die sie bereits jetzt vorkochen und tieffrieren kann. Zudem näht sie Mückenschutznetze, die sie dann in den Tropen über die geöffneten Seitenfenster legen können.

«Am Schiff nehmen wir den Wassermacher in Betrieb, da wir nun in Gebiete kommen, wo Trinkwasser nicht so leicht zu beschaffen ist», sagt Brem. Er macht derweil eine Taucherausbildung. «Dieses Wissen wird helfen, einen festklemmenden Anker frei zu tauchen oder ein um den Propeller gewickelten Plastiksack loszuschneiden.»

Bis es soweit ist, bis es auf die grosse Atlantiküberquerung geht, dauert es noch etwas. «Den ersten Teil von den Kanaren nach den Kapverden nehmen wir vor Weihnachten unter den Kiel», sagt Brem. Gegen Ende Januar 2019 machen die beiden dann den grossen Hupf in die Karibik. «Wir freuen uns riesig auf dieses Abenteuer.»

Einen Weihnachtsbaum gibt es nicht

War da nicht noch etwas dazwischen? Ach ja, Advent und Weihnachten. «Was, es ist schon soweit?», scherzt Brem. «Advent ist für uns mit Winter, als Kälte und Schnee, verbunden.» Da dies hier gänzlich fehle, sei Advent für sie weit weg. Gleiches gilt für Weihnachten. «Es tönt vielleicht komisch, aber was nicht um uns herum ist, das vermissen wir nicht», so Brem. Sicher werde dann aber schon etwas Wehmut aufkommen, wenn es soweit sei.

Einen Weihnachtsbaum – nein, das wird es auf der «Lupina» nicht geben. Einen mit echten Kerzen ohnehin nicht. Offenes Kerzenfeuer sei auf einem Schiff viel zu gefährlich, so Brem. Ob sie einem anderen Schweizer Weihnachtsbrauch nachleben, lässt Brem noch offen. «Je nachdem, wo wir gerade sind, backt Pia vielleicht ein paar Weihnachtsguezli – dies geht natürlich auf offenem Meer nicht so gut.»

Das Ende des Insel-Hoppings

Die Atlantiküberquerung wird auch das «Insel-Hopping», wie es Brem nennt, beenden. Denn war die Reise bis zu den Kanaren ein konstantes Vorwärtsfahren, ist das Reisen in den Kanaren anders geworden. «Mit kurzen Tagestörns können wir von Insel zu Insel hüpfen», erzählt Brem. «Immer wieder ganz andere Natur, von üppiger Vegetation zu Steinwüste gefolgt von Touristenzentrum.» Das sei sehr abwechslungsreich und interessant – aber nun ist es Zeit für das nächste grosse Abenteuer.

Ein kleines Abenteuer sind auch immer die Defekte und Probleme, die am Schiff auftreten. So hat sich die «Genua», ein 12 jähriges Vorsegel, bei heftigen Winden zwischen den Inseln definitiv verabschiedet. «Die Herausforderung für uns Laien ist: Wo kriegen wir ein hochwertiges neues Segel her, wo finden wir einen Spezialisten, können wir dem Verkäufer vertrauen?», umschreibt Brem die Fragestellungen.

Die beiden haben in einer Langfahrten-Gruppe auf Facebook nach Tipps gefragt und auf Teneriffa eine Adresse erhalten. «Dort haben wir eine sehr gute Beratung erhalten und nun ein neues Segel bestellt.» Geliefert wird es Anfang Dezember – und dann heisst es für Brem und Koch: Anker lichten. Das nächste Abenteuer ruft.