Die Werbevelos fahren ohne Löwen weiter

Das Fricktaler Startup weckt das Interesse der «Höhle der Löwen»-Investoren – einen Deal gibt es aber nicht.

Mona Martin
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Ein wenig angespannt, aber durchaus selbstbewusst wirken die drei Gründer des Rheinfelder Startups «Working Bicycle», als sie den fünf potenziellen Investorinnen und Investoren Antoine Konrad (DJ Antoine), Anja Graf, Roland Brack, Bettina Hein und Tobias Reichmuth das Konzept ihrer Firma vorstellen. Ihre Forderung: 250000 Franken Investition. Dafür sind die drei Fricktaler bereit, fünf Prozent ihrer Anteile am Startup abzugeben. Das löst bei «Löwe Reichmuth» in der ersten Sendung der zweiten Staffel von «Die Höhle der Löwen Schweiz» von TV24, die gestern Abend lief, bereits ein kleines Schmunzeln aus.

Und trotzdem bleiben die drei Fricktaler Jungunternehmer bei ihrer Forderung: «‹Working Bicycle› ist das einzige Unternehmen, welches Aussenwerbung auf Fahrrädern anbietet», stellt Mitgründer Patrick Tschudi unbeirrt klar. Dabei sei der Ablauf «kinderleicht». Velofahrer und Velofahrerinnen montieren sich Werbeboxen auf den Gepäckträger und fahren damit ihre Alltagsrouten. Für sie springen dabei bis zu 90 Franken im Monat heraus (die AZ berichtete).

Die Velos sollen nach und nach ganz Europa erobern

Über eine Buchungsplattform können die Kunden Boxen für ihre Kampagnen mieten und somit «ein neuartiges Werbemedium» nutzen, beschreibt Patrick Tschudi die Vorteile auf der Auftraggeberseite. Die Ziele des Startups sind so klar, wie ihr Konzept: Expansion.

Zuerst sollen zu den 18 Schweizer Städten, in welchen die roten Boxen schon durch die Strassen rollen, noch sieben hinzukommen. Danach soll Europa erobert werden: «Wir möchten ‹Working Bicycle› als Aussenwerbemedium als grösstes mobiles Werbenetz für Unternehmen europaweit in allen velorelevanten Städten anbieten können», so die drei Fricktaler.

DJ Antoine steigt sogleich auf, zumindest aufs mitgebrachte Beispielvelo samt Werbebox, und kurvt eine Runde durchs Studio. Ob die Fahrt ihn begeistert, lässt er nicht durchblicken, doch will Antoine genau wissen, wie ein Angebot für eine Werbekampagne aussähe und schluckt beim Preis. Luca Tschudi bleibt gelassen und vergleicht mit den Kosten für konventionelle Plakatwerbung. Fazit: Die mobile Velowerbung ist um einiges günstiger.

Vier Löwen bieten mit – aber keiner erhält den Zuschlag

Soweit so gut. Die Kritik lässt jedoch nicht auf sich warten. Reichmuth sieht bei der Expansion Probleme, es gehe ihm zu wenig schnell. Bis das Aargauer Startup das Schweizer Standbein ausgebaut und gefestigt habe, hätten schon etliche die Idee kopiert. Wieso warten? Er macht deswegen kein Angebot. Bettina Hein hinterfragt den Schritt, so kurz vor dem «Breakeven» externes Geld aufzunehmen, denn die Umsatzsteigerung der letzten zwei Jahre ist beträchtlich beim Jungunternehmen.

Dennoch bietet sie die geforderten 250000, will aber im Gegenzug nicht die offerierten fünf, sondern gleich 40 Prozent Firmenanteile. Auch die Angebote der anderen «Löwen» liegen weit weg von den Vorstellungen der drei Fricktaler. Mindestens 20 bis hinauf zu 45 Prozent Anteile wollen sie.

Die Brüder Luca und Patrick Tschudi und Jérôme Huber lehnen alle Gebote ab und verzichten damit auf die Viertelmillion, die sie unter anderem in den Ausbau der Website investieren wollten. Glaubt man Bettina Heins Votum, ist das für das Startup aber sowieso das Beste.