Laufenburg

«Die verborgenen Ufer» - Christian Haller stellte im Rehmann Museum sein neues Buch vor

Applaus und Kuchen von Regula Laux für das Geburtstagskind Christian Haller.

Applaus und Kuchen von Regula Laux für das Geburtstagskind Christian Haller.

Die Kunst spielte gestern im Rehmann Museum ausnahmsweise eine Nebenrolle. Die Hauptrolle besetzte der Schriftsteller Christian Haller: An seinem 73. Geburtstag stellte er sein neues Buch «Die verborgenen Ufer» vor.

«Der 28. Februar ist ein Datum, an dem endgültig klar wird, dass der Frühling kommt»: Christian Haller vermochte seinem Geburtstag einen klimatisch positiven Aspekt abzugewinnen. Um das Wetter drehte sich die Matinee, eine Mischung aus Lesung und Gesprächen, in den folgenden eineinhalb Stunden jedoch kaum noch, ausser im ersten Auszug aus dem neuen Roman, wo Haller vom Absturz «seiner» Terrasse aus sieben Meter Höhe in den Rhein berichtet.

Der Vorfall geschah im Juni 2013 kurz nach einer anhaltenden Hochwasserperiode. Für den Laufenburger Autor wurde der Terrassenabbruch zum Anlass, seinen eigenen Lebensweg erzählerisch zu betrachten – jedoch nicht in Form einer reinen Autobiografie, wenngleich dieser Begriff ständig mit «Die verborgenen Ufer» in Verbindung gebracht wird.

Haller stellte klar: «Es ist ein Roman mit einem Icherzähler, aber kein Rapport. Er enthält auch fiktive Elemente.» Das unterstrich er in den spontanen Erläuterungen, wenn er den Erzähler vom «ich» zum «er» machte. Haller, geboren am 28. Februar 1943 in Brugg, letztes Jahr mit dem «Kunstpreis des Kantons Aargau» ausgezeichnet, führte die rund 80 Besucher mit einem halben Dutzend Textpassagen in sein neues Werk ein.

Offenheit in allen Bereichen

Was nicht in dem Buch steht: Wie Haller arbeitet, ob er Tagebücher verfasst hat, und, nun ja, ob er sich schon mal mit einer Sexualtheorie beschäftigt hat. Hat er, sagte er, er habe tatsächlich eine Sexualtheorie entwickelt, die sei zwar «völlig verrückt, aber gut». Seine Arbeitsweise beschrieb er so: «Ich gehöre zu denen, die täglich schreiben. Wenn ich ein Buch beginne, nehme ich jeden Tag Kontakt mit dem Text auf.» Unterbrüche, die ihn zu lange vom «Stoff» abhalten, kann er nicht dulden.

Haller weiter: «Ich bin ein Frühaufsteher, das hat den Vorteil, dass ich arbeiten kann, wenn die Welt noch nicht auf Hochtouren läuft.» Und: «Ich arbeite so lange, wie ich die höchste Konzentration habe. Sobald sie wegbricht, höre ich auf, denn dann wird es nur ein Murks.» Diese Offenheit zog sich wie ein roter Faden durch die Matinee – sei es in den Passagen, in denen Haller den Blick auf seine Familie, seine schriftstellerischen Anfänge, seine Herzensangelegenheiten freigab, oder im Gespräch mit Regula Laux vom Museumsteam.

Der Weg zur Schriftstellerei sei nicht vorgezeichnet gewesen, erklärte er, «es war keine Absicht, sondern hat sich ereignet». Schreiben habe für ihn etwas mit Ernsthaftigkeit zu tun, mit dem Analysieren von Ereignissen, aber: «Es ist kein einfacher Weg, es hat mit vielen Enttäuschungen und Problemen zu tun, das gehört zu dem Beruf.» Enttäuschungen gab es gestern keine – im Gegenteil: Christian Haller erhielt einen Geburtstagskuchen geschenkt. Auf dem, was sonst, ein aufgeschlagenes Buch aus Marzipan lag. Auch seine Leser durften sich freuen: Haller liess wissen, dass «Die verborgenen Ufer» der erste Band mit autobiografischem Charakter sei, «es folgen noch zwei weitere, sofern ich es denn kann».

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