Mikroplastik

Die unsichtbare Gefahr: Fricktaler Fischer sorgen sich wegen Plastikmüll

Umweltsünder entsorgen ihren Müll häufig am Ufer des Rheins. Dabei gelangt immer mehr Plastik auch in den Fluss. zvg

Umweltsünder entsorgen ihren Müll häufig am Ufer des Rheins. Dabei gelangt immer mehr Plastik auch in den Fluss. zvg

Plastikmüll am Rheinufer und im Fluss bereitet den Fischern in der Region zunehmend Sorgen.

Zwei 110-Liter-Säcke voll Müll haben Mitglieder der Fischerzunft Laufenburg im vergangenen Jahr gesammelt – an einem einzigen Ort: beim Inseli am Rhein bei Etzgen, einem vor allem im Sommer beliebten Ausflugsziel. PET-Flaschen, Aludosen und eine ganze Packung Plastikteller. «Es gibt einzelne Plätze am Rhein, die sind wirklich schlimm», sagt Zunftmeister Fredi Künzli. Schlimm, was den liegengelassenen Müll angeht.

Auch beim Fischerverein Kaisten kennt man das Problem mit dem Müll am Rhein. Der Verein stellt Besuchern am Rheinufer einen grossen Abfallsack zur Verfügung. «Dieser wird auch rege genutzt», sagt Andreas Kurzbein, Mitglied im Verein und bis vor einiger Zeit dessen Vizepräsident. «Allerdings gibt es immer noch Orte, wo der Abfall einfach am Ufer liegen gelassen wird.» Nahe der Hütte des Fischervereins etwa, bei einer ebenfalls beliebten Bade- und Feuerstelle. Da hilft es auch wenig, dass die Hütte seit einiger Zeit mit einer Videokamera überwacht wird. «Das hat die Situation zwar verbessert, aber das Problem nicht komplett gelöst», sagt Kurzbein. Zwei- bis dreimal im Jahr unternehmen die Vereinsmitglieder deshalb eine Putztour entlang des Rheinufers und sammeln den Abfall ein.

Ein ganzer Tag zum Putzen

Die Fischerzunft Laufenburg wird in diesem Frühjahr ebenfalls einen Aufräumtag organisieren. «Dabei geht es einerseits darum, den Rheinabschnitt zu putzen und den Abfall einzusammeln, andererseits aber auch darum, uns einen Überblick zu verschaffen, wie schlimm die Situation ist», sagt Fredi Künzli. Denn Sorgen bereitet ihm diese schon heute: Gerade nach Hochwassern sei es besonders «happig», was da alles an Abfall im Geschwemmsel mittreibe, sagt Künzli. «Da wird dann alles mitgeschwemmt, was irgendwo am Ufer herumlag.»

Das sieht nicht nur unschön aus, sondern birgt auch Gefahren. Gelangt der herumliegende Plastikmüll nämlich ins Wasser, bedeutet das eine zusätzliche Belastung. «Kunststoffe, wie Plastiksäcke oder PET-Flaschen, werden im Wasser durch das Treibgut zerrieben oder auf dem steinigen Flussuntergrund in immer kleinere Teile zermahlen», erklärt Andreas Kurzbein. Diese Teilchen sind von blossem Auge kaum erkennbar. Der sogenannte Mikroplastik verschwindet aber nicht einfach.

Unaufhaltsam in Richtung Meer

Eine Studie der Universität Basel wies bereits 2015 grosse Mengen von Mikroplastik im Rhein nach. Zwischen Basel und Rotterdam wurden an elf Standorten insgesamt 31 Proben an der Flussoberfläche entnommen. Gefunden wurde dabei Mikroplastik in einer durchschnittlichen Konzentration von fast 900 000 Partikeln pro Quadratkilometer. «Das sollte nicht nur Fischern Sorge bereiten, sondern allen Menschen», sagt Kurzbein. Denn der Mikroplastik wird von den im Wasser lebenden Organismen aufgenommen. Es sei eine Frage der Zeit, bis etwa Fische im Rhein unter dem Mikroplastik leiden würden, ist Künzli überzeugt. «Womöglich ist es heute schon so und es ist wissenschaftlich einfach noch nicht erwiesen.»

Der Zunftmeister appelliert daher an die Vernunft der Konsumenten – und an die Kraftwerksbetreiber. «Sie haben die Möglichkeit, den Plastikabfall aus dem Wasser zu entfernen, bevor er zermahlen wird.» Laut Alexander Lennemann, Sprecher der Energiedienst-Gruppe, die unter anderem die Rheinkraftwerke Laufenburg und Rheinfelden betreibt, passiert dies bereits heute: «Unsere Rechenreinigungsmaschinen holen das sogenannte Geschwemmsel aus dem Rhein. Das Material wird von einer Fachfirma nach Treibholz und Müll sortiert.» Anschliessend würden der Müll und mit ihm das Plastik fachgerecht entsorgt. Auch beim Rheinkraftwerk Bad Säckingen und beim Kraftwerk in Dogern geht man nach dieser Methode vor. In Dogern etwa sammeln sich Tag für Tag Unmengen an Unrat an, wie Schluchseewerk-Sprecher Peter Steinbeck erklärt: «An Zivilisationsmüll entsorgen wir pro Jahr rund 25 Kubikmeter.» Das entspricht rund 167 Badewannen – gefüllt mit Plastik, aber auch mit anderen Abfällen aus Metall oder Gummi, so Steinbeck.

Die technischen Methoden der Kraftwerksbetreiber sind allerdings eingeschränkt. «Die Rechenreinigungsmaschinen können nur grössere Plastikteile aus dem Rhein holen, bei Mikroplastik stossen sie an ihre Grenzen», sagt Alexander Lennemann. Das schwimmt somit beinahe unaufhaltsam weiter in Richtung der Meere, wo es sich dann über den ganzen Globus verteilt.

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