Gipf-Oberfrick
Die höchste Aargauer Schulpflegerin will Zusammenhänge verständlich machen

18 454 Stimmen haben Verena Buol Lüscher zur Vize-Aargauerin des Jahres 2010 gewählt. Für die Gipf-Oberfrickerin ein Zeichen der Wertschätzung für die Schulpflegearbeit.

Susanne Hörth
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Verena Buo Lüscher lebt mit Ehemann und Kindern in Gipf-Oberfrick.

Verena Buo Lüscher lebt mit Ehemann und Kindern in Gipf-Oberfrick.

AZ

Vor einer Woche haben die Leserinnen und Leser der az Aargauer Zeitung Nicolas G. Hayek zum Aargauer des Jahres 2010 gekürt. Hinter dem verstorbenen Uhrenunternehmer wurde Verena Buol Lüscher mit 18 454 Stimmen sehr gute Zweite.

Die Gipf-Oberfrickerin präsidiert seit 2010 die Vereinigung der Aargauer Schulpflegepräsidentinnen und Schulpflegepräsidenten (Vasp). Neu ist für die Fricktalerin die Arbeit im Vorstand nicht, gehört sie diesem doch bereits seit fünf Jahren an. Sie hat in dieser Zeit auch vieles aktiv mitbegleitet, mitgeprägt. Die gute Platzierung, die vielen Stimmen aus dem ganzen Kanton haben sie überrascht, aber auch mit grosser Freude erfüllt.

Durch ihre schon länger dauernde Tätigkeit im Verbandsvorstand sieht sie die gute Platzierung beim Voting nicht wie in einem Bericht geschrieben als ‹Vorschusslorbeeren› an. Vielmehr ist es für sie eine Bestätigung für das schon Geleistete. Gleichzeitig spürt sie mit den vielen Stimmen auch das Interesse an den Schulpflegen, an deren Schaffen jetzt wie in Zukunft. Eine Zukunft, die viele an der Schule interessierte Personen verunsichern. Das Schulsystem ist im Umbruch. Immer wieder ist auch vom Auslaufmodell Schulpflege zu hören und zu lesen. Ein Teil der vom Volk bachab geschickten Gemeindereform (Gerag) betraf auch die Schulbehörden.

Schulbehörde: Quo vadis?

Der Auftrag, sich über deren Zukunft Überlegungen zu machen, blieb. Dieser Aufgabe nahm sich in der Folge die Kommission «Zukunft der Schulbehörden» an. Zu diesem Team gehört auch Verena Buol Lüscher. Mit der Schaffung von Schulleitungen hat sich eine neue Schnittstelle für die Schulpflegen aufgetan. Hier gilt es, auf übergeordneter Ebene Richtlinien zu erarbeiten, bereits erstellte Leitbilder den gemachten Erfahrungen anzupassen. Wie ist der Stand? «Nach einer Online-Befragung mit sehr grossem Rücklauf und sehr differenzierten Antworten haben wir eine Auswertung gemacht, sie dem Regierungsrat überreicht», antwortet die Vasp-Präsidentin. Mehr kann sie dazu noch nicht sagen, der Entscheid zum weiteren Vorgehen liegt nun beim Regierungsrat.

Verena Buol Lüscher arbeitet als Vasp-Mitglied in verschiedenen weiteren Kommissionen mit. Beispiele hierfür sind die erziehungsrätlichen Begleitkommissionen oder der Bildungsraum Nordwestschweiz. Letzterem gehören Personen aus verschiedenen Bildungsbereichen aus den vier Kantonen Aargau, Baselland, Basel-Stadt und Solothurn an. Zweimal im Jahr treffen sich alle Bildungsspitzen des Kantons (Regierungsräte, Vasp, Schulleitungs-, Berufsschul- und Lehrerverbände usw.) zu einer Konferenz. Erarbeitete Vorschläge, Ideen, Erkenntnisse und so weiter werden dem Grossen Rat unterbreitet.

Leistungschecks für Schule

Themen der jüngeren Zeit sind beispielsweise der Lehrermangel, damit verbunden die Lehrerausbildung beziehungsweise die Ausbildung für Quereinsteiger, welche die Fachhochschule neu anbietet. An der jüngsten Versammlung haben sich die Teilnehmer unter anderem mit dem Leistungscheck auseinandergesetzt. Er ermöglicht den Schulen eine unabhängige Standortbestimmung der Leistungen ihrer Schüler.

Nicht nur die Schulen selbst, sondern auch die Betriebe sollen von solchen Checks profitieren können. Heute ist es mittlerweile so, dass jeder Betrieb die Schüler vor einem möglichen Lehrantritt einem Basic-Check unterzieht. «Dieser Ball soll wieder aus der Schule kommen, nicht der Wirtschaft obliegen,» so Buol. Das wiederum bedeutet, dass die angehenden Berufsleute dank der an den Schulen durchgeführten Tests den Lehrbetrieben das Gewünschte vorweisen können. Entsprechend muss dieser Check auch die geforderten Kriterien erfüllen. Eine Aufgabe, der sich die Bildungsspitzen an ihren Konferenzen annehmen.

Ein anderes Thema, mit dem sich die Vasp-Präsidentin und ihre Kollegen befassen, ist die externe Schulevaluation. Durchgeführt werden die Evaluationen von qualifizierten Personen der Fachhochschule nach bestimmten Richtlinien, mit neu geschaffenen Instrumenten, bei deren Entwicklung und laufenden Evaluation die Vasp-Meinung einfliesst. «Bei diesem Thema ist das Spannungsfeld Schulbehörde-Schulleitung besonders stark spürbar.

Hier kristallisiert sich die Änderung in der Schulkultur besonders heraus», weiss Buol aus Erfahrung. Es geht um Qualitätssicherung. Nicht darum, den Rotstift anzusetzen. «Die Frage nach dem Positiven sollte immer an erster Stelle stehen». Die externe Schulevaluation zeige Schulleitungen, Schulbehörden, aber auch Lehrpersonen, Schülern und Eltern auf, wo «ihre» Schulen stehen. «Die Evaluation soll als Chance, nicht als Diktatur wahrgenommen werden», betont die Schulpflegerin.

Schon seit acht Jahren engagiert sie sich für die Schulpflege Gipf-Oberfrick. Trotz dieser langen Zeit, der sehr intensiven Arbeit für die Ortsschulpflege und im Vasp-Vorstand ist bei der Fricktalerin keine Ermüdung festzustellen. Im Gegenteil. «Für mich ist es ein Riesenantrieb, Verbindungen schaffen zu können. Verständlich zu machen, um was es bei einer Sache geht. Die Leute sollen aufgeklärt werden. Damit können wir Kräfte, Energien bündeln.»

Für die Schulpflegerin spielt bei all der Vernetzungsarbeit die Professionalität eine grosse Rolle, Diskussionen sollen auf sachlicher Ebene geführt werden. In ihrem stets sehr umfassenden Schaffen mit Einbezug aller Faktoren räumt sie auch der Selbstkritik viel Platz ein. So fragt sich die Gipf-Oberfricker Schulpflegepräsident bei einem sehr aktuellen Thema im Dorf, ob sie eventuell vergessen hat, eine bestimmte Gruppierung und deren Voten ins Boot zu holen. In Gipf-Oberfrick ist gegen den an der Gemeindeversammlung gefassten Beschluss für die Einführung von Tagesstrukturen das Referendum zustande gekommen.

Das Wirken für die Schule im Dorf ist eine wichtige Basis für die Arbeit beim Vasp. «Es ist aber auch ein Spagat», weiss die Fricktalerin. Während sich im Dorf alles viel mehr auf einzelne Personen oder ein lokales Problem fokussiert, spielen beim Kanton die übergeordneten Zusammenhänge eine grosse Rolle. «Die ganze Bildung ist extrem träge, weil sie über die Politik gesteuert wird. Deshalb brauchen Schulkulturen auch Zeit zum Wachsen, bis sie greifen», mit diesen Worten verdeutlicht die höchste Aargauer Schulpflegerin, dass auch Geduld gefordert ist.

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