Frick
Die Geschichte eines Gaunerkönigs

Peter Voellmy erzählte im evangelischen Gemeindesaal die Geschichte von Bernhart Matter – dem letzten Aargauer, der geköpft wurde.

Ingrid Arndt
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Peter Voellmy (r.) und Ernst Käser erzählten die Geschichte von Bernhart Matter. ari

Peter Voellmy (r.) und Ernst Käser erzählten die Geschichte von Bernhart Matter. ari

Ingrid Arndt

Zack und Kopf ab mit 33 Jahren – das war das traurige Ende von Gaunerkönig Bernhart Matter am 24. Mai 1854 vor den Toren der Stadt Lenzburg. «Von den Menschen hast du absolut nichts mehr zu erwarten» waren die letzten Worte, die der Henker von ihm hörte, bevor er Matters Oberkörper aufrichtete, doppelhändig das Richtschwert schwang und kurz danach das abgetrennte Haupt am ausgestreckten Arm präsentierte.

Matter über Matter

Über das turbulente Leben von Bernhart Matter als permanenten Gesetzesbrecher, trickreichen Dieb, ideenreichen Ausbrecher, charmanten Frauenheld, der Polizei und Landjäger ständig lächerlich machte, erzählte Bänkelsänger, Regisseur und Buchautor Peter Voellmy im evangelischen Gemeindesaal Frick. Begleitet wurde er von Musiker Ernst Käser an Tuba und Trompete.

Sogar der grosse Liedermacher Mani Matter beschäftigte sich mit diesem Gaunerkönig, waren sie doch Namensvettern, aber nicht verwandt. So lag es nahe, dass Voellmy den Abend singend und Gitarre spielend mit Mani Matters Chanson «Ahnenforschung» eröffnete. Schulbesuche standen bei dem kleinen Bernhart nicht eben an erster Stelle, als Hüterbub fühlte er sich wohler. Bald fiel er auf, als er mein und dein nicht mehr auseinanderhalten konnte, wanderte mit 15 Jahren erstmals für vier Wochen ins Gefängnis.

Schnell begriff er, dass mit ehrlicher Arbeit in einer Fabrik kein gutes Leben möglich, sondern Armut vorprogrammiert war, so wie bei den meisten im Kanton Aargau damals. Damit begann seine Gaunerkarriere und ein ständiger Wechsel zwischen Diebstählen, stets höheren Gefängnisstrafen, erfolgreichen Ausbrüchen, selbst unter strengster Sicherheitsverwahrung.

Der Aargauer Robin Hood

Kurzzeitig war er verheiratet, herzzerreissend dazu das «Hochzeitslied». Aber natürlich war ihm sein ungebundenes, schillerndes Gaunerleben als Schmuggler, Betrüger und feiner Herr mit Sehnsucht nach Amerika lieber, bekannt und berüchtigt im gesamten Kanton. Herrlich ironisch dazu das Lied «Schadenfreude».

Künstler Voellmy zeigte, wie Bernhart Matter langsam zu einer Legende wurde bis zu dessen endgültigen Festnahme in Teufenthal im Januar 1854 und der öffentlichen Hinrichtung mit mehr als 2000 Zuschauern fünf Monate später. Er war der letzte im Kanton Aargau, dessen Kopf rollen musste.

Wie aber kommt es, dass Bernhart Matter so lebendig bleibt in der Erinnerung der Menschen? Wohl so: Er war nicht nur gewitzter Gaunerkönig, er machte auch Polizei und Regierung lächerlich, über seine Eskapaden wird zeitlos gelacht und um seine Person ranken sich viele Mythen, auch was Gerechtigkeit und Vorverurteilung angeht.

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