Frick
Die Fricker Hauptstrasse im schnellen Wandel der Zeit

Die Hauptstrasse ist die Geschäftsmeile im Dorf. Sie verändert sich laufend und in schnellem Tempo, was viel über die Gesellschaft aussagt.

Thomas Wehrli
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Hauptstrasse im Wandel: Wo früher die Drogerie A. Benz-Suter war (ganz rechts), befindet sich heute die Kleiderboutique Lui e Lei; in den Räumen der KonfektionR. Schmid-Keller verkauft die Schmid AG Uhren, Schmuck und Brillen.

Hauptstrasse im Wandel: Wo früher die Drogerie A. Benz-Suter war (ganz rechts), befindet sich heute die Kleiderboutique Lui e Lei; in den Räumen der KonfektionR. Schmid-Keller verkauft die Schmid AG Uhren, Schmuck und Brillen.

Zur Verfügung gestellt

An der Hauptstrasse in Frick hätte Heraklit sicher seine Freude gehabt. Nicht am dröhnend-lärmend-stinkenden Verkehr, nein, dieser hätte den griechischen Philosophen aus vorsokratischer Zeit (er lebte um 500 v. Chr.) vielmehr stark irritiert.

Freude hätte er gehabt, weil die Hauptstrasse ein weiterer Beweis für die Kurzformel ist, die ihm zugeschrieben wird. «Panta rhei», befand der Denker aus Ephesos, alles fliesst. Gemeint ist, dass die Welt (im Grossen wie im Kleinen) ein stetes Werden und Wandeln ist.

Die Wandlungsfähigkeit der Fricker Hauptstrasse erweist sich dabei als beachtlich, sie erlebt seit einigen Jahren ein stetes Kommen und Gehen der Geschäfte. Ein Augenschein im März 2015.

Das Restaurant Rebstock – geschlossen; Zukunft ungewiss (ein Projekt hat sich im Nichts aufgelöst). Der Geschenkladen der verstorbenen Rose-Marie Piccolo – Ausverkauf; Zukunft offen. Das Geschäftshaus der ehemaligen Papeterie Suter – verkauft; neu entsteht hier eine McOptik-Filiale sowie im Obergeschoss ein Coiffeursalon.

Markt ist schnelllebiger

Wo früher eine (zu) grosse Kontinuität war, ist heute eine Fluktuationsrate, die nicht alle freut, die aber vor allem zweierlei zeigt: Der Markt ist, erstens, schnelllebiger geworden.

Die Konsumgewohnheiten haben sich, zweitens, stark verändert. Anton Mösch, langjähriger Gemeindeammann und Ur-Fricker, formuliert es so: «Die Veränderung widerspiegelt den Zeitgeist.» Ein Blick in diesen asphaltierten Spiegel der Gesellschaft zeigt sechserlei:

Den Trend zum Grossverteiler. Frick hatte früher 3 Bäckereien, 3 Metzgereien und mehrere kleinere Lebensmittelgeschäfte. Mit dem Einzug von Coop, Migros und etwas später Denner ins Dorf setzte ein erster Konzentrationsprozess ein, der sich mit den Discountern Aldi und Lidl (auf Oeschger Boden) noch akzentuierte.

Heute ist noch 1 Bäckerei und 1 Metzgerei übrig geblieben. Sie haben Erfolg, weil sie sich durch Qualität und Innovation von den Grossverteilern abgrenzen können.

«Die grossen Einkaufszentren decken viel ab, was früher in kleineren Einheiten stattfand», sagt Mösch und Kurt Schmid, pensionierter Bezirksschullehrer und ebenfalls Fricker der (fast) ersten Stunde, ergänzt: «Früher nahm man sich Zeit für das Einkaufen, ging von Geschäft zu Geschäft. Heute muss alles schnell gehen – und da gehen viele eben in den Grossverteiler, denn der führt alles.»

Imbiss statt Restaurant

Der Blick zeigt, zweitens, dass traditionelles Handwerk durchaus Bestand haben kann – so es sich bewegt. Mit Läden wie der Metzgerei Blaser (vormals Studer), der Bäckerei Kunz (vormals Herzog), Elektro Venhoda, der Papeterie Fricker oder den Uhren- und Schmuckgeschäften existieren viele Betriebe seit Jahrzehnten. Sie haben sich bewährt, weil sie das Panta rhei verinnerlicht haben.

Drittens zeigt der Blick, wie stark sich die Konsumationsgewohnheiten verändert haben. Traditionsbeizen wie der «Rebstock» oder der «Engel» sind in den letzten Jahren verschwunden, schon früher machten das «Rössli» und der «Löwen» dicht.

Stattdessen bedienen immer mehr Take-away-Betriebe das Bedürfnis der Leute nach schneller Verpflegung, frei nach Cäsar: Sie kommen, sehen und mampfen. 13 Imbissbetriebe zählt Frick aktuell.

Nicht alle rentieren gut, das sagen Betreiber unter der Hand, und der jüngste im Bund, «Kahn’s Hot and Tasty», ein Imbisswagen mit mexikanischen und indischen Gerichten, musste wieder schliessen, weil er keine Baubewilligung für seinen Wagen hatte.

Viertens fällt beim Spiegelblick der Trend zu Dienstleistern auf. Früher war die Hauptstrasse ein Konglomerat von Detaillisten, die vom Brot über den Sonntagsanzug bis zur Bratpfanne alles feilboten, was man zum Leben brauchte.

Heute besetzen immer mehr Dienstleister die einstigen Verkaufslokale. Das «Rössli» ist eine Bank; der alte Coop beherbergt ein Reisebüro; das Kleidergeschäft wich einem Immobilienmakler.

Platz für Nischenprodukte

Fünftens zeigt der Blick: Die Region Frick das wirtschaftliche Potenzial, damit auch Nischen- und Premiumprodukte überleben, nein: leben können. Im ehemaligen Chrämerhuus hat Charlotte Senn ihren Traum vom «Schöner Leben» wahr gemacht; im ehemaligen Greberhaus führt Pasqualina Cassanese «hochwertige italienische und spanische Designerkollektionen».

Sechstens fällt auf, dass sich zwei Pole mit Sogwirkung gebildet haben. Einer um die beiden Einkaufszentren im Unterdorf; ein zweiter um die Bäckerei Kunz, deren Kunden zum Teil von weit her anreisen. «Von diesem Magnet können andere profitieren – wenn sie das richtige Angebot haben», so Mösch.

Anton Mösch, der Ur-Fricker, der Ehrenbürger, der das Dorf 24 Jahre lang als Gemeindeammann mitgeprägte, freut vor allem eines: «Mit allen Veränderungen entsteht stets etwas Neues, und das ist gut für das Dorf.»

Frick ist nach wie vor das Strassendorf, das es immer war. Gut, die Miststöcke sind von der Hauptstrasse verschwunden; gut, die Strassen sind geteert; gut, etliche Häuser fielen Neubauten zum Opfer. «Aber vom Charakter her ist es das Dorf geblieben, das es immer war», sagt Mösch. «Die Möblierung hat sich einfach geändert.» Panta rhei.

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