Kaiseraugst

Die «drei Masken-Engel» können sich vor Aufträgen nicht retten – und suchen Verstärkung

Im Näheinsatz: Rebecca Zimmermann.

Im Näheinsatz: Rebecca Zimmermann.

Nach einem Bericht in der Aargauer Zeitung werden die Maskenschneiderinnen mit Anfragen überhäuft. Aus diesem Grund haben die Schneiderinnen Kontingente eingeführt. In der Not kann man den Mundschutz aber auch selber nähen.

Auch Engel kennen Stress: Seit mehreren Wochen nähen die «drei Masken-Engel» aus dem Fricktal Mundmasken – und verschenken diese. Obwohl die beiden Frauen im Team, die die doppellagigen Baumwollmasken nähen, mitunter bis zu 15 Stunden an ihren Maschinen sitzen, kommen sie mit den Bestellungen kaum nach. Erst recht nicht seit dem Artikel in der AZ.

«Wir haben aktuell über 1000 Masken in Bestellung», sagt Rebecca Zimmermann. «Wir tun alles dafür, um die Masken möglichst schnell ausliefern zu können.» Doch Kunden müssten mit einer Wartezeit von drei bis vier Wochen rechnen.

Temporär mussten die Masken-Engel deshalb einen Bestellstopp verhängen. Zumal just in dem Moment, als die Bestellungen fast im Minutentakt per Facebook und per E-Mail eingingen, dann auch noch eine Nähmaschine ausstieg. «Das war hart», sagt Zimmermann.

Doch nur wenige Stunden nach dem Facebook-Eintrag «Wir haben Maschinenprobleme und über 600 Masken in Bestellung» kam bereits ein Hilfsengel angeflogen: das Obrist Bernina Nähcenter in Brugg und Frick. Es schenkte den Masken-Engeln kurzerhand eine revidierte Maschine, damit sie weiter nähen können. «Mir kamen die Tränen», sagt Zimmermann. Ein Mitarbeiter des Nähcenters brachte die Maschine gleichentags in Kaiseraugst vorbei. «Einfach unglaublich.»

Um den Bestellrückstand aufzuholen, sind die Masken-Engel nun auf der Suche nach Verstärkung. «Es wäre schön, wenn noch zwei oder drei weitere Frauen aus der Region mitnähen würden», sagt Zimmermann. Auch, um das Team etwas zu entlasten, denn vier Wochen Dauernähen «haben schon zugesetzt», so Zimmermann, die zusammen mit Antonella Straumann die Masken näht.

Ein Video zeigt, wie das Masken-Nähen geht

Zimmermann appelliert aber auch an alle, die nähen können: «Fangt selber an, Masken zu nähen.» Ein Video, das zeigt, wie es geht, haben die Masken-Engel am Dienstag auf ihrer Facebook-Seite veröffentlicht. «Wer Fragen hat, kann uns zudem unter die3maskenengel@gmx.ch kontaktieren.»
Es sei nicht so, dass sie nicht liefern möchten. «Aber mehr geht derzeit einfach nicht. Wir können schliesslich nicht 24 Stunden durchnähen.» Wie viel maximal geht, haben Zimmermann und Straumann am Samstag in einer Challenge getestet. Die Frage war: Wie viele Masken schaffen wir von 15 bis 23 Uhr? Es waren 62.

Damit sie möglichst viele Menschen mit Masken versorgen können, liefern die Masken-Engel pro Person in der Regel nicht mehr als zwei bis drei Masken. «Die Masken kann man mehrfach verwenden, denn sie sind bei 60 Grad waschbar», sagt Zimmermann.

Kontingentiert haben sie die Zahl der Masken auch deshalb, weil es schon Fälle gab, in denen jemand Masken bestellen wollte, um sie dann selber zu verkaufen. «Das glaubt man nicht», ärgert sich Zimmermann. Sie und ihre Mit-Engel selber verzichten bewusst darauf, für die Masken Geld zu verlangen. Denn sie wollen etwas zur Krisenbewältigung beitragen. «Das Einzige, was die Kunden übernehmen müssen, ist das Porto», sagt Zimmermann.

Wer mehr geben will, kann eine Spende machen. Das Geld kommt dann – abzüglich der Ausgaben für Material – der Kinderkrebshilfe, einer Tierschutzorganisation sowie «einer guten Seele» zugute. Wer dies ist, will Zimmermann noch nicht sagen. «Das ist eine Überraschung.»

Bei der Arbeit tragen die Masken-Engel selber Masken; die genähten Masken werden dann vom Piercing- und Tattoo-Studio «Dome Basel» einzeln und steril verpackt.

Zimmermann weiss, dass die Baumwollmasken nicht den gleichen Schutz bieten wie chirurgische Masken. Sie ärgert sich aber über Leute, die behaupten, Baumwollmasken würden gar nichts nützen. «Das stimmt nicht.» Dies bestätigen auch Untersuchungen; danach bieten Baumwollmasken insbesondere für das Umfeld einen gewissen Schutz, weil sie den Tröpfchenflug in der Ausatemluft des Maskenträgers verringern.

Autor

Thomas Wehrli

Thomas Wehrli

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