Laufenburg
Der Tenor und die Philharmonie

Ein aussergewöhnliches Konzert in besonderen Zeiten: Mit dem Staatlichen Philharmonischen Kammerorchester Nowosibirsk startet der Grenzüberschreitende Kulturausschuss beider Laufenburg am 30. Januar sein Jahresprogramm 2015.

MARKUS VONBERG (Südkurier)
Drucken
Das Kammerorchester Nowosibirsk ist ein europäisches Spitzenensemble, das Ende Januar in Laufenburg konzertiert.

Das Kammerorchester Nowosibirsk ist ein europäisches Spitzenensemble, das Ende Januar in Laufenburg konzertiert.

pd

Nicht zuletzt die politischen Spannungen um den Ukraine-Konflikt machen es für alle Mitwirkenden zu einer grossen Herausforderung. Vier Konzerte werden das Kammerorchester aus der drittgrössten russischen Stadt und der in Laufenburg wohnhafte Tenor Tino Brütsch gemeinsam geben: Zwei in Russland und zwei in der Schweiz, in Zürich und in Laufenburg. «Es ist ein absolutes Top-Orchester mit einem dichten, typisch russischen Streicherklang», schwärmt Brütsch über das Ensemble.

«Musikalische Wünsche werden verwirklicht»

Tenor Tino Brütsch (46) lebt in Laufenburg. Von 2005 bis 2013 war er Mitglied und zeitweise Vorsitzender des Grenzüberschreitenden Kulturausschusses.

Was reizt Sie als Künstler an der Zusammenarbeit mit dem Kammerorchester Nowosibirsk?
Das Orchester ist eine absolute Spitzenformation – es gibt im Leben eines Sängers wenige Gelegenheiten, absolute Lieblingswerke mit einem Ensemble aufführen zu dürfen, das alle musikalischen Wünsche verwirklichen kann.

Das Orchester ist in Sibirien beheimatet. Wann besteht Gelegenheit gemeinsam zu proben?
Ich reise am 17. Januar nach Nowosibirsk. Wir haben eine Woche Zeit für intensive Proben in Sibirien, geben dann gemeinsam zwei Konzerte in Nowosibirsk und proben wieder eine halbe Woche in der Schweiz vor den Schweizer Konzerten. Ich hatte noch selten so viel Probezeit mit einem Orchester zur Verfügung.

Welches Stück aus dem Programm ist Ihr Favorit und weshalb?
«Les Illuminations in Sibirien» und besonders die «Serenade» in der Schweiz – beides mehrsätzige, gut 25 Minuten lange Liederzyklen von Benjamin Britten. Brittens Tonsprache finde ich ganz einfach genial. Es ist farbige Musik, erzählend, mit Zärtlichkeit und Detailreichtum gesegnet, sie ist (Britten schrieb die Werke für seinen Freund, den Tenor Peter Pears) technisch sehr anspruchsvoll, aber physiologisch intelligent komponiert und am wichtigsten – sie ist emotional ungeheuer reich und geht einem zu Herzen. Beides sind ohne jeden Zweifel Werke «für die Insel».

Interview: Markus Vonberg (SÜDKURIER)

Die musikalische Leitung hat Rainer Held inne, seit 2008 ständiger Gastdirigent des Kammerorchesters Nowosibirsk. Brütsch hat ihn und das Orchester vor zwei Jahren kennen gelernt und nun die beiden Konzerte in der Schweiz organisiert.

Finanzielle Unterstützung gesucht

Doch die wegen des Ukraine-Konflikts auf den Gefrierpunkt gefallenen politischen Beziehungen zwischen Europa und Russland erschweren das Projekt. Die Unterstützung durch Stiftungen ist auffallend zurückhaltend erfolgt und zuletzt wurden dem Ensemble in seiner Heimat die Reisezuschüsse gestrichen. Brütsch: «Sie müssen ihre Flugtickets jetzt selbst bezahlen – und das zu einer Zeit, in der der Rubel stark an Wert verloren hat.» Brütsch sucht deshalb nach Kunstfreunden, welche die Auftritte des Orchesters über Crowdfunding finanziell unterstützen: «Gerade in Krisenzeiten ist ein Kulturaustausch besonders wichtig.»

Mit viel Fantasie wird nun die Reisekasse der russischen Musiker gefüllt. So bietet Brütsch für 100 Euro exklusiv Gesangstunden an, für 115 Euro weist Maestro Held in die Kunst des Dirigierens ein. Es gibt Postkarten, signierte Programmhefte und Gönnertickets.

Das Konzertprogramm verspricht einiges. Mit Cyrill Schürchs «Streaks» und Wolfgang Rihms «Stilles Stück II» bietet das Konzert in Laufenburg gleich zwei Schweizer Erstaufführungen. Dazu stehen Hermann Hallers «Ballade für Horn und Streichorchester» und Peter Tschaikowskis «Serenade» für Streichorchester auf dem Programm. Titelgebend für den Abend ist Benjamin Brittens «Serenade Opus 31 für Tenor, Horn und Streichorchester».

«Diese Musik ist dermassen reich und farbig, dass sie auch einem mit Musik des 20. Jahrhunderts sonst nicht vertrauten Publikum ohne Umweg zu Herzen gehen wird», verspricht Tino Brütsch. Neben dem Tenor wird Olivier Darbellay am Horn – ein absoluter Weltklasse-Solist – zu hören sein.

Aktuelle Nachrichten