«Kommt der Samichlaus und der Schmutzli auch zu dir?» Der vierjährige Bub bejaht diese Frage mit einem verschmitzten Grinsen, macht dann eine etwas torkelnde Bewegung und verdreht die Augen. Die Mutter erklärt: «Letztes Jahr kamen der bestellte Samichlaus und sein Schmutzli mit ziemlich grosser Verspätung zu uns. Schon beim Hereinkommen merkten wir, dass die beiden schon einige Schnäpse intus hatten und nicht mehr ganz nüchtern waren. Die draussen extra hingestellten Chlaussäckli wie auch später den Namen unseres Buben haben sie vergessen.»

Für dieses Jahr hat haben die Eltern, die mit ihren beiden Kindern im oberen Fricktal wohnhaft sind, gemeinsam mit einer anderen Familie einen Samichlaus aus der Familie organisiert.

Nicht mehr so schlimm wie früher

Ist es wirklich so, dass die Samichlaus-Teams auf ihren Touren von Haus zu Haus jeweils auch mit Schnäpsen begrüsst oder verabschiedet werden? Viktor Ehrhard, er bringt gleich eine mehrere Jahrzehnte alte Erfahrung als rot gewandeter, weissbärtiger Nikolaus mit sich, sagt darauf: «Es ist tatsächlich so, dass auch heute noch Alkohol ausgeschenkt wird, der Konsum aber im Vergleich zu früher – vor etwa 30 Jahren – stark zurückgegangen ist.»

Der Laufenburger weiss, dass es für Kinder und ihre Eltern ein Horror ist, wenn der Samichlaus und die Schmutzli angetrunken zu Besuch kommen. Erhard führt weiter aus, dass die oft aus sehr jungen Leuten bestehenden Teams sich des Problems gar nicht so bewusst seien.

In vielen Gemeinden wird der Samichlausbesuch von den hiesigen Vereinen organisiert. In Laufenburg und Kaisten ist es beispielsweise die gemeinsame Blauring-Jungwacht (Jubla). Diese erklären auf Anfrage, dass das Alkoholproblem heute nicht mehr wirklich bestehe. Zum einen auch, weil immer weniger Familien den Auftrag für ein Samichlausbesuch erteilen.

Ausserdem sei das Ausschenken von Alkohol in den letzten Jahren fast ganz verschwunden. Beschwerden hätten sie bisher keine erhalten, was auch heisst, dass die Chläuse und Schmutzli vorgängig nicht speziell auf das Thema sensibilisiert werden.

Dass es diese Sensibilisierung durchaus brauche, betont Viktor Erhard: «In meiner Aktivzeit habe ich Samichlauskurse besucht, bei denen diese leidige Angelegenheit immer wieder zur Sprache kam. Die gewonnenen Erkenntnisse habe ich dann jeweils den jungen Laufenburger Menschen anlässlich eines Ausspracheabends noch vor dem 6. Dezember mitgeteilt und auf die Problematik des Alkoholkonsums hingewiesen.»

Natürlich sei die Versuchung für die noch zum Teil unerfahrenen Jugendlichen gross, nicht auf Alkohol zu verzichten, wenn die Gastgeberfamilie vor der Verabschiedung noch die Bemerkung mache: «De Samichlaus und de Schmutzli händ sicher no Gluscht uf es Schnäpsli.»

Appell an die Eltern

Hier appelliert Erhard an das «Gspüri» der Eltern. Es gilt auch hier: «Alles zu seiner Zeit und mit dem richtigen Mass». Es ist dem langjährigen Laufenburger Samichlaus ein grosses Anliegen zu betonen, dass nicht alle Chlaus-Teams in einen Topf geworfen werden dürfen. «Es gibt durchaus viele Gruppen, die ihre Sache sehr gut machen.»