Frick

Der Kammerchor fühlt sich in der katholischen Kirche Frick unerwünscht

Eigentlich wollte der Fricktaler Kammerchor in der katholischen Kirche auftreten. Bis der Pfarrer wissen wollte, ob der Dirigent noch Kirchenmitglied sei.

«Immer wieder machen wir die Erfahrung, dass Leute aus der Kirche austreten und unsere Infrastrukturen dann später doch wieder benützen möchten», schrieb der römisch-katholische Pfarrer von Frick, Thomas Sidler, an Urs Stäuble, Dirigent des Fricktaler Kammerchors.

«Im Blick auf das geplante Konzert (...) bitte ich Sie deshalb um eine Bestätigung Ihrer Kirchenzugehörigkeit so schnell wie möglich, damit wir die Reservierung fürs Konzert ordnungsgemäss vornehmen können.»

«Feind des freien Geistes»

Bei Stäuble fand Sidler mit seinem Schreiben, das der az vorliegt, kein Musikgehör. Im Gegenteil. Wenn er nicht schon früher aus der römisch-katholischen Kirche ausgetreten wäre, würde er das jetzt tun, schrieb der Dirigent zurück.

Die Auseinandersetzung mit den elementaren Dingen des Lebens sei auch ihm ein Bedürfnis, doch er sehe keinen Sinn darin, «mit Ihnen als einem offensichtlichen Feind des freien Geistes darüber zu sprechen.» Und er bat den Pfarrer, die Reservation zu streichen.

«Für mich ist es unsäglich, ein Konzert eines 45-köpfigen Chores mit einer Taufe oder einer Beerdigung gleichzusetzen», präzisiert Urs Stäuble auf Anfrage der az. Dass der Auftritt an seiner Person festgemacht werde, stosse ihm sauer auf.

«Nur weil ich aus der Kirche ausgetreten bin, heisst das nicht, dass ich ein areligiöser Mensch bin.» Unter den 45 Mitgliedern befinde sich überdies auch ein katholischer Pfarrer.

Benützung der Kirche ist gratis

Pfarrer Sidler war am Montag für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Markus Schmid, Präsident der römisch-katholischen Kirchenpflege Frick, sieht den Zwist etwas anders. Zwar sei allein der Pfarrer für den Kirchenraum zuständig, er habe aber in groben Zügen von Sidlers Brief gewusst.

Schmid wirbt um Verständnis: «Die Austretenden machen sich zu wenig Gedanken und möchten später doch wieder von kirchlichen Infrastrukturen profitieren.» Das gelte auch für ein Konzert in der Kirche. «Findet ein Kammerchor-Konzert in unserer Kirche statt, sind die Ränge voll besetzt. In einer Turnhalle wäre das wohl schwieriger.»

Dass jetzt ein schlechtes Licht auf die Kirche in Frick fällt, befürchtet Schmid nicht. «Die Öffentlichkeit muss wahrscheinlich einmal auf diese Problematik hingewiesen werden. Die Austretenden profitieren derzeit davon, eine Minderheit zu sein. Ohne Kirchenmitglieder könnten wir die Infrastruktur nicht erhalten.»

Schliesslich sei die Benützung des Kirchenraumes gratis, einzig die anderen Räumlichkeiten der Pfarrei und der Aufwand des Abwartes würden verrechnet.

«Aus meiner Sicht war das Schreiben unseres Pfarrers auch keine Verweigerung, sondern eine Anfrage», schliesst Schmid. Urs Stäuble sieht das anders: «Da ich den Nachweis nicht erbringen kann, ist es de facto eine Absage.»

Ob die Fricker im nächsten Jahr doch noch in den Genuss des Kammerchors kommen, ist offen. «Das Konzert war in Zusammenarbeit mit Kultur Frick geplant. Ein Auftritt in der reformierten Kirche wäre möglich, aber sie ist etwas klein.» Sicher werden die Werke von Bach und Mendelssohn in Wohlen und Tiengen DE aufgeführt.

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