Die Erleichterung ist Simone Schmid anzumerken. «Zwingli», die mit einem Sechs-Millionen-Franken-Budget für Schweizer Verhältnisse teure Kinoproduktion, hat Erfolg: Anfang Februar knackte der Film die 100 000-Besucher-Grenze. Mittlerweile haben ihn über 160 000 Personen im Kino gesehen. Und Ende Februar startet «Zwingli» auch in der Romandie. «Es ist grossartig», sagt Schmid, die Drehbuchautorin mit Wurzeln im Fricktal. «Ich habe wahnsinnig Freude daran, dass es so gut läuft.»

Für selbstverständlich hält sie den Erfolg nicht – alleine schon aufgrund des eher «schwierigen Stoffs», wie sie sagt. «Zwingli» spielt im Jahr 1519 in Zürich, in der Zeit der Reformation. Erzählt wird die Geschichte aus Sicht der jungen Witwe Anna Reinhart – jener Frau also, die der junge Priester Huldrych Zwingli im Grossmünster öffentlich heiratete.

Damals ein ungeheurer Akt in einer Kirche, in der Priester keine Ehe eingehen durften. «Dass es gelungen ist, mit dieser Geschichte so viele Besucher ins Kino zu locken, freut mich besonders», sagt Schmid. «Natürlich haben wir darauf gehofft, dass das funktioniert. Aber gewusst haben wir es nicht.»

Emotionen geweckt

Gut einen Monat nach dem offiziellen Kinostart ihres bisher grössten Werks hat Simone Schmid viele Rückmeldungen erhalten. Sie habe versucht, Zwingli im Film nicht als jenen strengen und lustfeindlichen Mann zu zeigen, wie ihn sich ein Grossteil der Menschen heute vorstellt, denn: «Ich glaube, es gibt eine grosse Diskrepanz zwischen seinem Werk und Wesen und der heutigen Wahrnehmung.»

Sie sei daher besonders gespannt auf die Reaktionen der Besucher gewesen – und ist jetzt mehr als zufrieden. «Ich habe oft gehört, dass der Film die Besucher berührt habe, dass sie gestaunt und etwas gelernt hätten. Das Feedback fiel grösstenteils sehr positiv aus», sagt Schmid, lacht und fügt dann scherzhaft an: «Vielleicht getrauen sich diejenigen, denen der Film nicht gefallen hat, einfach nicht, etwas zu sagen.»

Simone Schmid stammt aus dem Fricktal und hat das Drehbuch geschrieben.

Simone Schmid stammt aus dem Fricktal und hat das Drehbuch geschrieben.

Natürlich habe es vereinzelt Stimmen gegeben, die nichts mit dem Film hätten anfangen können. Gerade von katholischer Seite sei teilweise Kritik aufgekommen. «Protestantenpropaganda» sei ihr vorgeworfen worden, erzählt sie und fügt an: «Das war absolut nicht meine Absicht.» Sie finde diese Reaktionen allerdings äusserst spannend. «Die Religion spielt bei vielen Menschen im Alltag eigentlich kaum mehr eine Rolle, trotzdem hat der Film Emotionen geweckt», so Schmid.

Es ist dies einer der Lerneffekte, die sie aus dem Projekt mitnehmen möchte. Direkt zu sehen, wie die Menschen reagieren. Welche Emotionen ein Dialog und vor allem, was dazwischen passiert, auslösen kann. «Beim Drehbuchschreiben ist es oft so, dass man erst beim fertigen Film sieht, ob etwas funktioniert oder nicht», sagt Schmid. Aber sie kann Erfahrungswerte von «Zwingli» mitnehmen. Und: einen grossen Eintrag im Lebenslauf. «Eine so grosse Produktion kann nicht schaden», sagt Schmid mit einem Lachen.

«Zwingli» – der Trailer zum Film

Neues Projekt

Sie hat sich inzwischen bereits wieder von Anna Reinhart, Huldrych Zwingli und den anderen Charakteren verabschiedet. Aktuell arbeitet sie gemeinsam mit Regisseur Werner Schweizer an einem Drehbuch für einen weiteren Kinofilm. Der Hintergrund ist diesmal ein ganz anderer: Es geht um die Affäre Flükiger – eine wahre Geschichte um Offiziersaspirant Rudolf Flükiger, der im Herbst 1977 im Jura unter ungeklärten Umständen ums Leben kam. Hatten jurassische Separatisten die Hände im Spiel? Oder deutsche Terroristen? Oder war es Selbstmord?

Beim Abschied von Charakteren und Figuren helfe ein neues Projekt. Das Loslassen sei so kaum ein Problem. «Mit der Abgabe eines Drehbuchs kann ich auch durchschnaufen», sagt Simone Schmid. Die Herausforderung liegt eher darin, danach den Zugang zum neuen Projekt zu finden. Schmid möchte vollends in eine neue Geschichte mit neuen Figuren eintauchen. «Das ist ein Effort», gibt sie zu. Ein Effort aber, der sich lohnt. Der Erfolg von «Zwingli» ist da nur ein Beweis dafür.