Ittenthal
Der Dorfladen kämpft um das Überleben: Kreative Ideen als Retter in Not

Der Dorfladen von Ittenthal braucht mehr Kunden und mehr Umsatz, um zu überleben. Genossenschaftspräsident Peter Kalt gibt sich kämpferisch.

Thomas Wehrli
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«Wir schaffen das»: Peter Kalt im Dorfladen in Ittenthal.

«Wir schaffen das»: Peter Kalt im Dorfladen in Ittenthal.

AZ

Peter Kalt gibt sich kämpferisch. «Ich glaube fest daran, dass der Dorfladen eine Überlebenschance hat», sagt er am Telefon. Der Präsident der Ladengenossenschaft Ittenthal stockt kurz, fügt dann mit einem Schuss schwarzem Humor an: «Als Präsident müsste ich den Laden endgültig zusperren. Das will ich nicht.»

Beim Gedanken an das Ende des Ladens läuft es ihm kalt den Rücken hinunter. «Der Vorstand wird sich mit all seinen Kräften gegen ein Aus wehren», sagt Kalt. Er weiss aber auch: «Dafür braucht es die Solidarität der Ittenthaler. Nur wenn sie bereit sind, mehr im Laden einzukaufen, geht es langfristig weiter.»

Die klaren Worte haben ihren handfesten Grund: Im letzten Jahr konnte der Laden erstmals seit langem seine Kosten nicht vollständig decken. «Nur dank Spenden gab es kein Defizit», sagt Kalt. Auch deshalb lud der Vorstand letzte Woche vor der Genossenschaftsveranstaltung zum Ideenaustausch ein.

Viele Ideen kreiert

37 Ittenthaler, die meisten bereits Genossenschaftsmitglieder, kamen – und die Ideen sprudelten wie ein Henniez. Neue Events wie «Einkaufen bei Neumond» kreieren, ist eine der Ideen. Ein Bonus-System, etwa mit Gewinnlosen, einführen, eine andere. Spezielle Rabatte an Geburtstagen, warf ein Teilnehmer ein. Eine Sortimentserweiterung, ein anderer. Eine Idee ist schon sehr konkret: «Wir wollen mit einer speziellen Aktion auf die Neuzuzüger zugehen, wie wir das vor einigen Jahren schon mal gemacht haben», sagt Kalt.

Das genaue Konzept werde man in den nächsten Wochen im Vorstand ausarbeiten. Ziel sei, die Hemmschwelle abzubauen und den Zuzügern zu zeigen, «wie wichtig uns Alteingesessenen der Laden ist». Denn dieser hat mitunter ein demografisches Problem. Viele der älteren Leute, die fast alle ihre Einkäufe noch im Laden getätigt haben, ziehen aus ihren Häusern in Wohnungen in den umliegenden Gemeinden oder ins Altersheim.

Von Jüngeren hört man derweil oft das Argument: Ich bin berufstätig und der Laden ist nicht offen, wenn ich einkaufen will. Das stimme nur bedingt, entgegnet Kalt. So habe der Laden am Samstagmorgen offen. Zudem habe man vor einiger Zeit den Versuch gemacht, den Laden am Abend zu öffnen. Das Experiment musste nach wenigen Monaten abgebrochen werden – «der Umsatz deckte die Kosten bei weitem nicht.»

Verändertes Konsumverhalten

Im veränderten Konsumverhalten sieht Kalt auch einen der Gründe, weshalb es heute kleine Dorfläden – nicht nur in Ittenthal – schwer haben. «Man plant den Einkauf nicht mehr wie früher, sondern kauft spontan das ein, auf was man gerade Lust hat.» Man könnte es auch «Laden-Hüpfen» nennen; die Tankstellenshops reiten ebenso auf dieser Welle mit wie die Grossverteiler, die ihre Öffnungszeiten laufend ausweiten.

Auf der Strecke bleibt hier jedoch der soziale Gedanken. «Der Dorfladen ist auch ein Treffpunkt», sagt Kalt. «Man schaut zueinander. Und das ist unbezahlbar.»

Für Kalt ist klar: «Wenn wir überleben wollen, müssen wir mehr Einwohner in den Laden bringen.» Die Zahl der Kunden ist in den letzten Jahren sukzessive geschwunden, von einst 800 auf noch 540 pro Monat. Die Gleichung ist derweil einfach: «Mehr Kunden + höhere Einkäufe = gesicherter Laden». Kalt rechnet vor, dass es dafür gar nicht so viel braucht: «Wenn jeder der 90 Haushalte nur 100 Franken mehr pro Jahr in den Laden bringt, so ist der Laden über den Berg.» Mit einem Umsatzplus von 10 000 Franken – aktuell beläuft sich der Umsatz auf rund 200 000 Franken – «sind wir schon zufrieden».

Bei Investitionen wird es eng

Natürlich nehme man auch mehr, scherzt Kalt. Zumal über dem Laden das Investitions-Damoklesschwert schwebt: «Wenn ein Kühlgerät aussteigt, wird es finanziell eng.»

Mit anderen Worten: Dann braucht es frisches Kapital. Dass die Genossenschafter aushelfen würden, ist mehr als wahrscheinlich. Denn sie stehen voll hinter ihrem Laden.

Das zeigte auch die Generalversammlung, an der Kalt offen aufzeigte: Heute könnten wir das Genossenschaftskapital je hälftig als Bargeld und als Waren zurückzahlen; ob dies auch in einem Jahr noch so ist, steht in den Sternen. Oder besser: in den Portemonnaies der Ittenthaler.

Die Antwort der Genossenschafter an der GV war eindeutig: Wir wollen das Geld nicht zurück – wir wollen, dass der Laden lebt. «Das macht mir Mut», sagt Kalt. Nun geht es an den schwierigeren Part: Die Noch-nicht-Kunden gewinnen. «Wir schaffen das», sagt Kalt und fügt an: «Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.»