Zeihen
Die Mehrheit der Stimmbürger findet: Einen Bancomaten zu finanzieren, ist nicht Sache der Gemeinde

Zeihens Gemeinderat wollte, dass es im Dorf wieder einen Bancomaten gibt und war bereit, dafür auch Steuergeld auszugeben. Doch der Souverän machte einen Strich durch die Rechnung. Und lehnte den entsprechenden Verpflichtungskredit über 20'000 Franken ab – mit 36 Nein- zu 19 Ja-Stimmen.

Karin Pfister
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Die Raiffeisenbank hat die Beratungsbank in Zeihen geschlossen und den Bancomaten Mitte Dezember 2020 zurückbauen lassen.

Die Raiffeisenbank hat die Beratungsbank in Zeihen geschlossen und den Bancomaten Mitte Dezember 2020 zurückbauen lassen.

Claudia Meier (2. Januar 2021)

Abmontiert wurde der Bancomat im Gebäude der ehemaligen Raiffeisenbank mitten im Dorf schon im Dezember. Der Entscheid der Bank, den Bancomaten zu schliessen, weil er zu wenig rentabel sei, stiess bei der Bevölkerung auf grosse Kritik und führte zu intensiven Diskussionen an der letzten Gmeind. Auch das Medieninteresse im Vorfeld zum Thema Bancomat war gross. Gemeindeammann Christian Probst teilte den Stimmbürgern bei der Gemeindeversammlung am Freitag mit:

«Ich habe viele Telefonate erhalten, unter anderem auch von zwei grossen Schweizer Tageszeitungen, die einen Bericht darüber schreiben wollten.»

Nach Gesprächen zwischen Bankleitung und Gemeinderat wurde den Stimmbürgern ein Vorschlag präsentiert. Als neuer Standort wurde die kaum genutzte Aussentoilette des Gemeindehauses vorgeschlagen. Die Gemeinde wollte sich mit 20'000 Franken an den Investitionskosten sowie mit 1000 bis 1500 Franken an den jährlichen Energiekosten beteiligen.

Drei verschiedene Standorte in der Diskussion

Ursprünglich waren drei verschiedene Standorte zur Diskussion gestanden, wie Probst erläuterte – die Trafostation im Dorf, der Carport neben dem Volg-Gebäude und die Aussentoilette des Gemeindehauses. Die Trafostation wurde aus Sicherheitsgründen verworfen. Probst dazu:

«Wenn ein Bancomat gesprengt wird, wie es immer mal wieder vorkommt, könnten immense Schäden an der Trafostation entstehen und das Dorf wäre über längere Zeit ohne Strom.»

Die Carport-Idee habe ebenfalls nicht weiterverfolgt werden können, da das Gebäude einem privaten Eigentümer gehöre und die Raiffeisenbank keine Bancomaten mehr in Privatliegenschaften einbaue. Ausserdem sei auch hier eine mögliche Sprengung ein Sicherheitsrisiko für die Tankstelle. Für Lacher sorgte ein Votant mit der Wortmeldung:

«Wenn der Bancomat beim Gemeindehaus gesprengt wird, wäre das Thema Neubau Gemeindehaus auch gleich erledigt.»

Mehrere Votanten äusserten sich kritisch zum Vorschlag des Gemeinderates und fanden, dass die Finanzierung eines Bancomaten nicht Aufgabe einer Gemeinde sei. «Warum sollte die Gemeinde für eine gut rentierende Bank quasi Sozialhilfe leisten?», sagte ein Stimmbürger.

Auch mit über 70 noch in der Lage, eine App zu bedienen

Die meisten Zeiherinnen und Zeiher scheinen sich bereits an den verschwundenen Bancomaten gewöhnt zu haben. Die Vorlage wurde mit 19 Ja- zu 36 Nein-Stimmen abgelehnt. Anwesend waren 73 von total 784 Stimmberechtigten. Einige Anwesende fanden den Entscheid enttäuschend. Ein Bürger: «Ich finde es speziell, dass ein Dorf wie Zeihen so einen Antrag ablehnt.» Es gehe doch auch um die älteren Mitbürger. Eine über 70-jährige Frau meinte darauf, dass man sie nicht unterschätzen solle. Sie könne sehr wohl Apps bedienen, um damit Bargeld zu bestellen.

Grossrätin Colette Basler: Weiterer Abbau des Service public

SP-Grossrätin Colette Basler sagte: «Es ist schade, dass Zeihen keinen Bancomaten mehr hat. Es ist ein weiterer Abbau des Service public.» Basler betonte, dass sie den Entscheid der Gmeind gut verstehe und ihre Worte keinesfalls als Vorwurf an Gemeinderat und Bevölkerung zu sehen seien. Der Fehler sei vorher passiert. Sie habe Mühe damit, dass eine Bank, die mit Kundennähe werbe, einfach einen gut frequentierten Bancomaten schliesse.