Fricktal

Dem Kanton fehlt das Wasser: «An einen so trockenen April kann ich mich nicht erinnern»

Landwirt Andy Steinacher bewässert derzeit die Obstplantagen auf seinem Hof.

Landwirt Andy Steinacher bewässert derzeit die Obstplantagen auf seinem Hof.

Der Schupfarter Landwirt Andy Steinacher kämpft gegen die Trockenheit.

Andy Steinacher ist ein Optimist. Der Landwirt und Präsident des Verbands Aargauer Obstproduzenten kämpft derzeit wie viele Landwirte in der Region gegen die Trockenheit. «An einen so trockenen April kann ich mich nicht erinnern», sagt Steinacher. «Ich habe noch nie so viel Wasser gebraucht wie bisher in diesem Jahr.» Bewässert werden bei ihm vor allem die Obstanlagen. Unter anderem Kirschen, Zwetschgen und Aprikosen wachsen auf Steinachers Hof in Schupfart im Fricktal. Bis Ende März nutzte er hier die Bewässerungsanlage noch für den Frostschutz. Seit rund zwei Wochen nun muss Steinacher gegen die Trockenheit wässern.

Gut 500 Kubikmeter – also rund 500'000 Liter – Wasser hat er so bisher insgesamt verbraucht. Bei einem lokalen Wasserpreis von 1.30 Franken bedeutet das Ausgaben in der Höhe von einigen hundert Franken. «Kein Problem», sagt Optimist Steinacher. «Unter Landwirten gibt es ein Sprichwort, wonach Wasser der beste Dünger sei. Deshalb bezahle ich dafür gern.»

Steinacher sieht mehrere Gründe für die aktuelle Trockenheit. In den Wintermonaten habe es noch genügend Niederschlag gegeben. «Wir starteten eigentlich mit guten Voraussetzungen in das Frühjahr», sagt er. Nur: Ab Mitte März regnete es kaum mehr. An vielen Orten in der Nordwestschweiz wurde im April kein einziger Tropfen Regen gemessen (siehe Text oben). «Hinzu kommt eine für diese Jahreszeit ungewöhnlich starke Bise, die den Boden schneller abtrocknen lässt», sagt Steinacher. Der Boden sei derzeit bis in eine Tiefe von 10 bis 15 Zentimetern komplett ausgetrocknet.

Natürlich macht sich Andy Steinacher deshalb Gedanken, wie es weitergeht, sollte nicht bald ausreichend Niederschlag fallen. Neben dem Obstbau sind die Mutterkuhhaltung und der Ackerbau wichtige Betriebszweige für ihn. Auf diesen Anbauflächen verfügt der Landwirt allerdings über keine Bewässerungsanlage. So leiden die Weiden für die Tiere und die Ackerbauflächen. Weizen und vor allem Raps könnten dank tiefer Wurzeln in der Regel bis zur Erntereife von der sogenannten Winterfeuchtigkeit leben – ob das in diesem Jahr auch reicht, weiss Steinacher nicht.

Der Weizen, so der Landwirt, könnte ausserdem «längst etwas Dünger» gebrauchen. «Diesen auf das trockene Feld auszubringen, bringt allerdings nichts», sagt Andy Steinacher. «Vielerorts liegen ja noch die Güllereste von der letzten Düngerrunde auf den Feldern, weil es seither nie geregnet hat.» Ernteausfälle im Ackerbau kann er unter diesen Umständen und zum jetzigen Zeitpunkt zumindest nicht ausschliessen.

Bei grossen Ernteausfällen droht den Kühen der Tod

Im Bereich des Futterbaus hat der Fricktaler Bauer schon auf die zunehmenden Trockenperioden reagiert. Seit einigen Jahren setzt er auf die Luzerne, eine trockenheitstolerante Kleeart. «Sie bildet eine Pfahlwurzel, mit der sie das Wasser in tieferen Bodenschichten anzapfen kann», erklärt Steinacher. Damit habe er sehr gute Erfahrungen gemacht. Andy Steinacher hofft, seine Tiere damit auch über diesen Sommer hinaus versorgen zu können. Gibt es hingegen grössere Ernteausfälle, muss er entweder Futter zukaufen, zu einem wegen grosser Nachfrage hohen Preis – oder aber er muss den Tierbestand reduzieren. «Das ist ein Schritt, den wir natürlich nur ungern gehen würden», sagt Steinacher.

Steinacher, der Optimist, blickt trotz allem noch zuversichtlich in die nächsten Wochen. Er studiert die Wetterprognosen jeweils genau. Dass für Ende nächster Woche Niederschläge angesagt sind, stimmt ihn positiv. «Wenn es tatsächlich Niederschlag – und zwar ausgiebig Niederschlag – gibt, kommen wir mit einem blauen Auge davon», sagt er. «Jammern auf Vorrat», wie er es nennt, sei nicht sein Ding. «Ich schaue lieber vorwärts und mache das Beste aus der Situation.»

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Autor

Nadine Böni

Nadine Böni

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