Mit dem Umbau des ehemaligen Fricker Gemeindehauses zum Polizeigebäude stellte sich die Frage, was mit dem Wandbild auf der Nordseite, das einen Bauer mit Sense zeigt, geschehen soll. Übermalen oder restaurieren? Der Gemeinderat entschied sich nach Anhörung des Arbeitskreises Dorfgeschichte für den Erhalt des Wandbildes. In einem Exposé zeigte Historiker Linus Hüsser insbesondere den ideellen Wert des Bildes aus dem Jahr 1950 auf, das in einer Zeit des Aufbruchs und der Mechanisierung der Landwirtschaft entstanden ist.

Linus Hüsser hielt fest: «Der abgebildete Bauer weist auf eine, damals allerdings sich schon zu Ende neigende Epoche hin, in der die Landwirtschaft für die Ernährung und das Auskommen der Bevölkerung grundlegend war.» Hüsser weist auch auf den Bezug zur Landwirtschaftlichen Schule hin, die damals in Frick ansässig war.

Die auf dem Bild dargestellte Handarbeit des Mähens ist heute für viele Zeitgenossen eine archaische Tätigkeit, was dazu führte, dass der ausruhende Bauer im Volksmund oft als «Sensemann» bezeichnet wurde.

1993 rekonstruiert

Historiker Hüsser, der sich zum künstlerischen Wert nicht äusserte, hielt dennoch fest, dass der 1951 verstorbene Baselbieter Kunstmaler Otto Plattner ein anerkannter Künstler war. So hat dieser «an mehreren augenfälligen Orten Spuren hinterlassen». Hüsser erwähnt unter anderem den Landratssaal in Liestal sowie historische Gebäude in Rheinfelden. Somit darf wohl festgestellt werden, dass sich auch aus künstlerischer Sicht die Erhaltung des Wandbilds durchaus rechtfertigt.

Das Wandbild ist bereits anlässlich der Aussenrenovation des Gemeindehauses im Jahr 1993 renoviert worden. Damals haben Viktor Weiss und Christoph Vogel, heutiger Inhaber der Firma Maler Vogel AG, das Kunstwerk renoviert respektive rekonstruiert. «Das Wandbild war damals in einem desolaten Zustand und kaum mehr zu erkennen», erinnert sich Viktor Weiss. Er habe die Konturen des Bildes auf Papier übernommen und nach der Bearbeitung neu auf die Wand übertragen und aufgrund einer Farbanalyse bemalt. Dadurch ergab sich ein originalgetreues Bild. Seit dieser Rekonstruktion hat die Farbechtheit naturgemäss wieder nachgelassen, «denn die Farben werden durch das UV-Licht zunehmend blasser», sagt Viktor Weiss.

Eine Woche Arbeit

Diesmal kann man nicht von einer Rekonstruktion, sondern von einer Renovation sprechen, die wiederum von Viktor Weiss zusammen mit Michelle Deiss und der im dritten Lehrjahr stehenden Melanie Näf ausgeführt worden ist. Beide jungen Malerinnen haben schon Wandzeichnungen nach eigenen Entwürfen ausgeführt und haben somit entsprechende Erfahrungen gesammelt. Melanie Näf hat beispielsweise den Schriftzug des Restaurants Rebstock in Frick aufgefrischt. Insgesamt hat das Team eine Woche am Wandbild gearbeitet. Es sei eine faszinierende und befriedigende Arbeit an einem solchen Werk im öffentlichen Raum arbeiten zu dürfen, sagen bei Malerinnen übereinstimmend.

Frick hat mit dem Erhalt dieses künstlerischen Zeitzeugen einen kulturellen Beitrag geleistet, der dem zum Polizeigebäude mutierenden ehemaligen Gemeindehaus gut ansteht und die Häuserzeile dorfaufwärts zweifellos aufwertet.