Laufenburg

Das Rehmann-Museum wird zur Wunderkammer und zeigt allerlei Kurioses

Kurator Tyrone Richards und Museumsleiterin Patrizia Solombrino freuen sich auf die Vernissage am Freitag.

Kurator Tyrone Richards und Museumsleiterin Patrizia Solombrino freuen sich auf die Vernissage am Freitag.

Laufenburger Rehmann-Museum widmet sich malerischen Reisen des Appenzellers Carl Walter Liner. Damit die Bilder von Liner ihre volle Wirkung entfalten, wurden die Wände, an denen sie hängen, gestrichen.

Schiffe auf der Seine, eine Ägypterin auf einem weissen Maultier, Gondeln in Venedig – das Reisen war ein fester Bestandteil im Kunstschaffen des Malers Carl Walter Liner. So hat der 1914 geborene Appenzeller zahlreiche Szenen aus fernen Länden in Aquarellen oder Öl-Gemälden festgehalten.

26 dieser «erlebten Landschaften» Liners hat Rehmann- Museum-Kurator Tyrone Richards aus dem Appenzeller Kunstmuseum nach Laufenburg bringen lassen. Sie bilden den roten Faden in der Sonderausstellung «Wunderkammer/Souvenir – auf Reisen mit Carl Walter Liner» im Rehmann Museum. «Wie Erwin Rehmann verstand auch Liner das Reisen als wichtige Inspirationsquelle seiner Kunst», nennt Richards einen gemeinsamen Nenner.

Dabei gibt es viele geografische Parallelen zwischen dem Maler und dem Bildhauer. Etwa sind in der Ausstellung Aquarelle von Kakteen-Landschaften zu sehen, die bei Liners Aufenthalt in Tucson/Arizona entstanden sind. Die University of Arizona in Tucson war es denn auch, welche die Rehmann-Skulptur «Zweiteilige bronzene Raumguss-Wand IV-1981» Anfang der 1980er-Jahre erstand.

Kontrast verstärkt die ­Wirkung der Bilder

Damit die Bilder von Liner ihre volle Wirkung entfalten, wurden die Wände, an denen sie hängen, so gestrichen, dass ein optimaler Kontrast entsteht, sagt Richards. Etwa ist die Wand, an denen Bilder aus Spanien in kräftigen Rottönen oder aus Griechenland in kräftigen Blautönen hängen, in einem dezenten Beige gehalten. «Liner zeigt hier die Landschaften expressionistisch, so wie er sie gefühlt und erlebt hat», sagt Richards.

Im Dialog mit den Werken Liners stehen in der Ausstellung Souvenirs und kulturhistorische Artefakte, die im Kontext des Reisens in die Schweiz gelangten. Zu sehen sind etwa eine ägyptische Totenfigur, Masken aus Venedig und Katalonien oder ein Matador mit einem clownesken Gesicht, der in Erwartung des angreifenden Stiers ist. «Das Rehmann-Museum zeigt sich an der Ausstellung auch als Wunderkammer, in der Unterschiedliches zusammenfindet und so einen Raum für Schönes, Ungewöhnliches und Kurioses schafft», sagt Richards.

Ludwig van Beethoven blickt finster drein

Eine Kuriosität ist sicher auch die Lebendmaske von Ludwig van Beethoven, die Eingang in die Ausstellung gefunden hat. Hierbei handelt es sich um eine Leihgabe einer Privatperson aus Möhlin anlässlich des 250. Geburtsjahres des Komponisten.

Zum Hintergrund erzählt Richards, dass im Jahr 1812 ein Freund des Komponisten einen Bildhauer mit der Anfertigung einer Porträtbüste von Ludwig van Beethoven beauftragte. Als Grundlage dieser Plastik habe er eine negative Abformung von Beethovens Gesicht hergestellt, von der er mittels Ausgiessen der Abformung ein Positiv mit Gesichtszügen des Komponisten anfertigte habe. «Der finstere Ausdruck des Komponisten legt nahe, dass die Abformung des Gesichts eine unangenehme Prozedur war», so Richards. Der Bildhauer habe zwei Versuche vornehmen müssen, da Beethoven während des Abformungsprozesses zu ersticken glaubte. «Um dieses Problem zu lösen, führte der Bildhauer van Beethoven zwei Röhrchen in die Nasenlöcher ein», so Richards.

Vernissage: Freitag, 4. September, 19 Uhr, Rehmann-Museum.

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Autor

Dennis Kalt

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