Frick
Das Glück der Flüchtigen

Charmant und kritisch-humorvoll erzählte der Autor und Journalist Max Dohner in der Galerie Artune von seiner Zeit als Lokalredaktor – und philosophierte über die Liebe und ihren Preis.

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Überzeugte mit Anekdoten und Philosophie: Max Dohner in der Galerie Artune. az

Überzeugte mit Anekdoten und Philosophie: Max Dohner in der Galerie Artune. az

Markus Obrist/zvg

Im Rückblick wünschte er sich, etwas kühner und mutiger gewesen zu sein, sagte Dohner im ersten Teil seiner Lesung, in dem er von seinen journalistischen Anfängen als Lokalredaktor beim «Fricktaler Boten» erzählte. Ginge es – immer unter Wahrung des gebotenen Respekts – im Lokaljournalismus ein wenig härter zu und her, wäre es besser für alle Beteiligten, auch für die Leser.

Die Entschiedenheit, mit der Dohner dieses Statement vorbrachte, machte klar: Hier steht einer, der meint, was er sagt. Dass er weiss, was er sagt, ist ohnehin klar. Nicht nur wegen der zahlreichen Auszeichnungen und Preise, die az-Autor Dohner für seine publizistischen und literarischen Texte bisher erhalten hat, sondern auch wegen seiner langjährigen Erfahrung und seines scharfen Blicks auf die Welt. Deshalb glaubte man Dohner auch aufs Wort, als er eine Lanze für den Lokaljournalismus brach. «Mit dem Lokaljournalismus und dem Fricktal haben Sie das Universum.»

Anekdoten aus der Redaktion

Die Anekdoten, die Dohner aus seiner Fricktaler Zeit erzählte, brachten die Anwesenden mehr als einmal zum Schmunzeln. Wer kann schon von sich behaupten, simultan 13 1.-August-Feiern besucht und erst noch darüber geschrieben zu haben? Zum Universum gehören neben 1.-August-Feiern auch Ladeneröffnungen und Ballonwettflüge – sowie ominöse Flugblätter. Ein solches stand im Mittelpunkt eines Artikels, den Dohner als Textbeispiel aus seiner Lokalredaktorenzeit las. Beinahe interessanter als der Text waren seine Gedanken zur Sprache. Es sei unglaublich beschämend, wenn man etwas schreibe und es nach zwanzig Jahren wieder hervornehme, sagte Dohner. Man könne alles, was man wisse, in einen Text hineinlegen, mit aller Disziplin am Text feilen – dennoch habe man nach ein paar Jahren Müll. Denn Sprache zersetze sich mit der Zeit. Wenn man den Text verfasse, merke man noch nichts von seinen Schwächen; im Nachhinein würden sie einem gnadenlos bewusst.

Der zweite Teil des Abends gehörte Dohners literarischen Texten. Den Auftakt machten zwei kurze Ausschnitte aus seinem jüngsten Buch «Das Glück der Flüchtigen». Der Roman erzählt die Geschichte zweier Freunde, die verschiedener nicht sein könnten – und von dem, was geschieht, wenn sich die beiden in dieselbe Frau verlieben. Die Fragen, welche die gelesenen Textausschnitte aufwarfen, werden einen wohl noch lange beschäftigen: Kann Liebe nicht so kapriziös sein, um ständig die Richtung zu wechseln? Führt sie auf lange Sicht die Richtigen zusammen? Macht Flüchtigkeit glücklicher als alles andere?

Die Liebe stand auch im Zentrum der verbleibenden Texte, die Max Dohner seinen Zuhörern schenkte. Die Skizze «Weisser Sand» aus dem Erzählband «Mehr Zeit als Leben» griff noch einmal das Thema Liebe und Flüchtigkeit auf. Der Text «Ist es wirklich wahr: Hat Glück immer seinen Preis?» aus dem Kolumnenband «Liebeslauben» hielt einem vor Augen, was jenen droht, die um keinen Preis ihr Herz riskieren wollen: «Sie stutzen von vornherein die Höhen des Glücks, um so auch die Tiefen des Leidens zu mässigen. Man schielt nach allen Seiten, bleibt wachsam und pragmatisch. Diese Vorsicht spekuliert insgeheim mit einem zweiten Leben – und vertut das einzige.»

Von einer Sängerin begleitet

Zum ersten Mal bei einer Lesung wurde Max Dohner in Frick von der jungen Sängerin Iandara Brobecker begleitet. Die Halb-Brasilianerin, die 2013 bei «The Voice of Switzerland» für Furore sorgte, bescherte auch den Anwesenden in der Galerie Artune eine Gänsehaut, als sie Edith Piafs «La vie en rose» interpretierte. Nicht minder überzeugend waren ihre beiden Eigenkompositionen in Portugiesisch, Englisch und «Bärndütsch».

Einerlei, wie es um das Verhältnis zwischen Glück und Flüchtigkeit steht – das Glück, das erfuhr, wer den Weg auf den Frickberg fand, ist mit Bestimmtheit kein flüchtiges, sondern wird noch lange nachhallen. (kah)

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