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Das Erbe des Schuhkönigs: Was Möhlin mit der tschechischen Stadt Zlin verbindet

Seit Jahrzehnten verbindet «Bata» Möhlin mit der tschechischen Stadt Zlin – und jetzt auch eine Partnerschaft.

Die Erinnerungen sind noch frisch. Vor rund einem Jahr reiste der Möhliner Gemeindeammann Fredy Böni mit einer Delegation ins tschechische Zlin, um dort einen Städtepartnerschafts-Vertrag zu unterzeichnen.

Und natürlich schauten sich die Gäste aus Möhlin bei dieser Gelegenheit auch jenes Erbe an, das ihre Heimat mit Zlin verbindet: die Bauten von Schuhmacher Tomas Bata. «Wir fühlten uns wie zu Hause, auch wenn es in Zlin eine ganz andere Dimension ist», sagt Böni.

Bata hat die Geschichte beider Orte mitgeprägt. Die erste schriftliche Erwähnung Zlins stammt aus dem Mittelalter. Die Stadt wurde bald ein Zentrum für Handwerk und Bergbau. Doch der eigentliche Aufstieg begann erst während der industriellen Revolution. Nach der Gründung von Batas Schuhfabrik 1894 wuchs Zlin rasch zur Grossstadt mit fast 50 000 Einwohnern.

2000 Bata-Häuser

Bata baute sein Unternehmen stetig aus. Schon 1930 war er der grösste Schuhproduzent der Welt. Aber Bata war mehr als ein Unternehmer. So liess er auch Siedlungen für seine Arbeiter, Kindergärten, Schulen, ein Krankenhaus, ein Warenhaus sowie ein Kino erstellen. Die Siedlungen gleichen sich überall auf der Welt, wo er sie um seine Fabriken herum bauen liess. Es sind kubische Backsteinhäuser für eine bis vier Familien; mit Flachdach, einem kleinen Vorplatz und dazwischen Rasenflächen, Büsche und Bäume.

«Zlin ist bekannt für seine Architektur. Auf dem Stadtgebiet gibt es etwa 2000 Häuser im Bata-Stil und viele andere Gebäude aus dieser Zeit», sagt Marie Svobodová, Sprecherin der Abteilung Tourismus. Das bedeutendste Gebäude sei der sogenannte Wolkenkratzer – das ehemalige Verwaltungsgebäude von Bata. «In den 1930er-Jahren war es das zweithöchste Gebäude in Europa», sagt Svobodová. Bata sei «zweifellos die grösste Persönlichkeit in der modernen Stadtgeschichte».

Auch in Möhlin hat Bata Spuren hinterlassen. Die Eröffnung der hiesigen Produktionsstätte 1932 ist allerdings mit einer tragischen Geschichte verbunden. Tomas Bata wollte dafür in die Schweiz fliegen. «Kurz nach dem Start in Otrokovice bei Zlin stürzte das Flugzeug aber ab», erzählt Svobodová. Tomas Bata kam dabei ums Leben, sein Bruder Jan Antonin übernahm das Unternehmen.

Delegation kommt zu Besuch

Der Kontakt zu Zlin sei über die Arbeit am Bata-Archiv entstanden, sagt Fredy Böni. Als eines der Ziele der Partnerschaft wurde denn auch der Erhalt von Batas Vermächtnis definiert. Aber auch weitere gegenseitige Besuche soll es geben. Ein nächster Besuch einer tschechischen Delegation in Möhlin ist bereits angedacht. Im kommenden Jahr feiert die Gemeinde ihr 1225-Jahr-Jubiläum. «Bei diesem Anlass möchten wir natürlich einige Gäste aus Zlin hier begrüssen», sagt Böni.

Er freut sich besonders darauf, den Besuchern die heutige Bata-Siedlung zu zeigen. Sie wurde in den vergangenen Jahren aufwendig saniert. In zwei ehemaligen Fabrikhallen etwa sind inzwischen Wohnungen eingerichtet, in anderen Gebäuden sind weiterhin verschiedene Unternehmen untergebracht. Vor kurzem konnte ausserdem das ehemalige Clubhaus als Bistro eröffnet werden. «Wir sind stolz, dass es gelungen ist, den Charakter der Siedlung zu erhalten und sie gleichzeitig zu beleben», sagt Böni. Das dürfte auch den Gästen aus Zlin gefallen.

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