Das Bezirksgericht Laufenburg eröffnete gegen die Klein AG in Hornussen im Jahr 2016 den Konkurs. Im Laufe des Konkursverfahrens wurde von der Staatsanwaltschaft aufgrund finanzieller Unregelmässigkeiten eine Strafuntersuchung eingeleitet.

Nach über zwei Jahren wurde das Verfahren bei der Staatsanwaltschaft dann im vergangenen Sommer abgeschlossen (die AZ berichtete). Die Staatsanwaltschaft erhob beim Bezirksgericht Laufenburg Anklage gegen zwei Personen.

Bei diesen handelt es sich um Bernhard Keller* und Stefan Maurer*, die ab 2004 als Verwaltungsräte und Geschäftsführer das Entsorgungsunternehmen leiteten. Maurer schied deshalb aus der Klein AG aus.

Am Mittwoch eröffnete das Bezirksgericht Laufenburg die Verhandlung gegen die zwei Beschuldigten. Maurer nahm am ersten des auf drei Tage angesetzten Prozesses krankheitsbedingt nicht teil.

Die Staatsanwaltschaft wirft ihm unter anderem vor, zwischen 2006 und 2013 insgesamt 957 Wiegescheine und Kassenbelege gefälscht zu haben, was es ihm ermöglichte, sich um rund 1,2 Millionen Franken zu bereichern. Weiter sollen Keller und Maurer gemeinschaftlich ungetreue Geschäftsbesorgungen erledigt und Urkundenfälschung begangen sowie Schwarzgeldgeschäfte getätigt und sich aus der Schwarzgeldkasse bedient haben.

Die Staatsanwaltschaft beantragte für Keller eine bedingte Freiheitsstrafe von zwei Jahren sowie eine Geldbusse von 8000 Franken. Der Strafantrag für Maurer wird erst nach dessen Vernehmung gestellt.

Was war geschehen?

Konkret erwarben Keller und Maurer Ende 2003 die Klein AG für 3,85 Millionen Franken. Weil sie nicht über genügend Eigenmittel verfügten, gewährte ihnen der damalige Inhaber der Klein AG ein privates Darlehen über 700'000 Franken, das Keller und Maurer nach und nach zurückzahlen sollten.

200'000 Franken zahlte Maurer aus seinem privaten Vermögen an den Darlehensgeber zurück. Keller konnte keine Mittel aus seinem privaten Vermögen zur Rückzahlung des Darlehens beisteuern.

Nach Absprache entschieden sich die Angeklagten, den noch offenen Betrag – rund 560'000 Franken inklusive Zinsen – der Firma zu entziehen und in Tranchen an den ehemaligen Inhaber zurückzuzahlen. Dies geschah, indem Maurer über vier Jahre falsche Wiegescheine und Kassenbelege erstellte und im Gegenwert der Fälschungen unbemerkt Geld aus der Kasse entwendete.

Dies alles gab Keller am Mittwoch gegenüber dem Bezirksgericht Laufenburg zu. Auch, dass er und Maurer gemeinsam einen Lastwagen der Firma verkauft und den Erlös direkt für die Darlehensrückzahlung verwendet haben. Weiter wurde ein aus Schwarzgeldgeschäften stammender Erlös nicht verbucht und für die Darlehensrückzahlung verwendet.

Der Schwarzhandel mit Altstoffen, den bereits der vorherige Inhaber betrieben habe, habe man nach dem Kauf des Unternehmens eins zu eins mit den gleichen Kunden weitergeführt, sagt Keller. «Dies war damals Usanz in der Recycling-Branche.»

So habe man den Einkauf des Altmetalls nicht in der Firmenbuchhaltung erfasst, wobei auch der Lieferant seinerseits die Geschäfte nicht verbucht habe. «Die Lieferanten wurden mit Geld aus einer Schwarzgeldkasse bezahlt, das ich ihnen persönlich vorbeigebracht habe», sagt Keller.

Aus der Schwarzgeldkasse bedient

Der Erlös des Materials, das man teilweise schwarz weiterverkauft habe, sei dann wieder in die Schwarzgeldkasse zurückgeflossen. Keller gibt zu, dass man gemeinschaftlich über mehrere Jahre Beträge zwischen 5000 und 10'000 Franken aus der Schwarzgeldkasse für den persönlichen Bedarf entwendet hat.

In seinem Plädoyer stellt der Verteidiger von Keller klar, dass erst durch die Aussagen seines Mandanten die Sachverhalte aufgeklärt werden konnten. Er hält unter anderem deswegen die geforderte Freiheitsstrafe von zwei Jahren bedingt für zu hoch und beantragt eine Freiheitsstrafe von einem Jahr bedingt und den Verzicht auf eine Busse.
Heute Nachmittag wird die Verhandlung mit der Befragung von Maurer weitergeführt.