Corona kann die guten Erinnerungen nicht trüben

Astrid Näf, Wirtin des Gasthauses Sonne in Kaisten-Ittenthal, hört zum 31. März auf.

Hans Christof Wagner
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Astrid Näf hört nach 15 Jahren als Wirtin des Gasthauses Sonne in Kaisten-Ittenthal auf.

Astrid Näf hört nach 15 Jahren als Wirtin des Gasthauses Sonne in Kaisten-Ittenthal auf.

Bild: Hans Christof Wagner

«Was ich am meisten vermissen werde, sind meine Gäste. Was ich gerne hinter mir lasse, ist der Papierkram, der in der letzten Zeit immer mehr geworden ist», sagt Astrid Näf.

Zum 31. März wird sie den Sonnen-Schlüssel offiziell zurückgeben, auf den Tag genau 15 Jahre, nachdem sie ihn erstmals in den Händen hielt. Was bleibt, sind 15 Jahre voller guter Erinnerungen – an Sommernachtsfeste mit acht Sorten Grillfleisch, 30 verschiedenen Salaten und Gästen, die erst um vier Uhr morgens den Heimweg antraten. Ihre Augen beginnen zu leuchten, wenn sie davon erzählt, wie sie mit dem Engagement von Gastköchen kulinarisch im Dorf für neue Würze sorgte – ob China, Thai oder Italienisch. Einmal hatte das Motto geheissen: Was du noch nie zuvor gegessen hast. Das Spektrum an Gerichten reichte von fermentiertem Haifisch bis hin zu Algensuppe und Wagyu-Steak. Näf: «Auch das ist in die Geschichte eingegangen.» Sie selbst stand eher für Schweizer Hausmannskost, für eine gutbürgerliche Ausrichtung, für Pommes frites, Rösti und regionales Wild. Und auch damit hat sie sich in die Herzen der Gäste gekocht. Hat dazu beigetragen, die Beiz im Dorf zu verankern, zum Treffpunkt zu machen.

Mit Corona zu neuen Perspektiven

Wenn Astrid Näf auf 15 Jahre «Sonne» zurückschaut, dann ist darunter nur ein Jahr mit Schatten – 2020. Wobei Corona für sie, wie sie im Gespräch mit der AZ verrät, auch nicht nur schlecht lief. Während des ersten Lockdowns im Frühjahr hatte sie Gelegenheit, durch Mitarbeit in einem Fricktaler Hofladen beruflich neue Perspektiven zu gewinnen. Und sie freute sich darüber, dass der Vermieter, die Familienstiftung Leibundgut, ihr während der Lokal-Schliessung von März bis Mai finanziell entgegengekommen war.

Dass sie als Wirtin der «Sonne» aufhört, stand schon vor Ausbruch der Pandemie fest. Schon Ende 2019 wusste die 54-Jährige, dass sie mit ihrem neuen und zehn Jahre älteren Lebensgefährten mehr Zeit verbringen möchte. Und doch hat Corona beigetragen, die «eigene Situation zu überdenken», wie sie sagt.

«Durch meinen neuen Job während des Lockdowns ist mir klar geworden, dass ich auch jenseits der 50 noch Chancen auf dem Arbeitsmarkt habe und was Neues finden kann, das mir Spass macht», erklärt sie. «Da hatte ich zuvor meine Zweifel daran.»

Jetzt hofft sie, die «Sonne» von Ende Januar, wenn Stand heute mit der Zwangspause für die Gastronomie Schluss sein soll, bis Ende März noch einmal öffnen zu können. Dass ihr Abschied als Wirtin von Ittenthal nicht sang- und klanglos vonstattengeht. Dass sie sich von ihren Gästen noch gebührend verabschieden kann. Auch wenn sie heute schon mit grosser ­Sicherheit weiss, dass es aus ­Hygienegründen nicht die Megaparty werden wird, die sie sich wünscht.

«Riesen-Nachholbedarf» für private Feiern

Astrid Näf wird als selbstständige Gastronomin die Rückkehr zu normalen Zeiten nicht mehr erleben. Aber für ihren Nachfolger oder ihre Nachfolgerin sieht sie gute Perspektiven, an die Tradition als Dorfbeiz erfolgreich anzuknüpfen. «Die Vereine brennen doch darauf, ihre GV wieder leibhaftig statt virtuell abhalten zu können», weiss sie. «Die Leute haben doch einen Riesen-Nachholbedarf für all die Feiern, die wegen Corona 2020 ausfallen mussten.»

Auch der Besitzer der Liegenschaft sei an einer gastronomischen Weiternutzung sehr interessiert, sagt sie. Der neue Wirt, die neue Wirtin könnte am 1. April gleich loslegen: «Im Mietzins ist das gesamte Inventar mitenthalten. Da muss keiner mehr gross investieren.»