Die Christkatholische Kirchgemeinde Wegenstetten, Hellikon, Zuzgen und Zeiningen im Fricktal will ein geerbtes Haus in Alterswohnungen umbauen. Doch im Dachstock des alten Gebäudes hausen seit vielen Jahren extrem seltene Fledermäuse: grosse Hufeisennasen.

Anfang der 1990er-Jahre galten sie im Kanton Aargau als ausgestorben. Während der Erhebung von 1988 bis 1993 für das kantonale Fledermausinventar fand man keine Grossen Hufeisennasen mehr.

Erst 1995 wurde die gefährdete Fledermausart durch Zufall an zwei Orten in der Region wiederentdeckt: in Remigen im Bezirk Brugg und in Wegenstetten.

In der Fricktaler Gemeinde Wegenstetten ist bereits seit einiger Zeit der Dachstock der alten Trotte an der Hauptstrasse als Wochenstube der Grossen Hufeisennase bekannt.

Einige Exemplare der fliegenden Maus mit einer Nase wie ein Hufeisen hausen in der warmen Jahreszeit aber auch in einem 200 Jahre alten Gebäude an der Dorfstrasse.

Heizung im Dachstock

Dort werden sie vom kantonalen Fledermausschutzbeauftragten Andres Beck betreut.

Er hat eine Kamera im Dachstock angebracht und kann so beobachten, wie es den Tieren geht. Im Dachstock hängt auch eine Heizung. Die Tiere lieben die Wärme und vermehren sich mit der zusätzlichen Heizung besser.

Das alte Gebäude ging vor einigen Jahren in den Besitz der Christkatholische Kirchgemeinde Wegenstetten, Hellikon, Zuzgen und Zeiningen über.

Im heutigen Zustand kann das Haus weder bewohnt noch anders genutzt werden. Zum Teil ist es noch im Originalzustand erhalten. Die Küche zum Beispiel könnte man gleich ins Museum stellen.

Die Christkatholische Kirchgemeinde will das geerbte Haus deshalb umbauen.

Dabei muss sie aber auf die Grossen Hufeisennasen Rücksicht nehmen, die seit vielen Jahren im Dachstock des Gebäudes leben, wie Radio SRF berichtet.

Den Christkatholiken schwebt etwa eine Altersresidenz vor. «Etwas Soziales soll es sein», so Präsident Urs Schlienger. «Wir stellen uns Seniorenwohnungen vor oder etwas Ähnliches.»

Die vom Aussterben bedrohten Tiere sind durch das eidgenössische Natur- und Heimatschutzgesetz geschützt.

Nach diesen Vorschriften dürfen die Lebensräume geschützter Tiere nicht zerstört werden. Gleichzeitig sieht das Gesetz für Liegenschaftsbesitzer Entschädigungen vor, sollten sie ihre Immobilien oder Grundstücke nicht «normal» nutzen können.

Auf diese Bestimmung setzt Urs Schlienger. Er hat Freude an den Fledermäusen und will ihren Lebensraum erhalten.

Aber gleichzeitig muss er auch die Finanzen der Kirchgemeinde im Lot halten. Deshalb bietet er nur Hand für den Schutz der Tiere, wenn es dafür Geld gibt.

An den Diskussionen beteiligt sind Bund, Kanton, Pro Natura, Jurapark Aargau und der Heimatschutz.

Weil viele Akteure mit unterschiedlichen Vorstellungen mitreden, werde es noch viele Diskussionen brauchen, bis man eine gemeinsame Lösung gefunden hat. Der beauftragte Architekt Ruedi Dietiker arbeite einen Vorschlag aus, der Fledermäuse, Senioren und Finanzen unter einen Hut bringen soll.

Fledermäuse gegen Senioren

Fledermäuse gegen Senioren

Die Christkatholische Kirchgemeinde Wegenstetten will ein geerbtes Haus in Alterswohnungen umbauen. Doch im Dachstock des alten Gebäudes hausen seit Jahren extrem seltene Fledermäuse. Jetzt muss die Tierart bei Hausumbau geschützt werden.

Winterquartier in Höhlen

Im Dachstock des Hauses befindet sich die Wochenstube der Grossen Hufeisennasen. Immer im April ziehen sieben bis zehn Weibchen ein.

Nach einer Tragezeit von 75 Tagen gebären sie ihren Nachwuchs, jeweils ein einziges Junges. Die Winzlinge wiegen fünf bis sechs Gramm, sind nach vier Wochen flugfähig und nach acht Wochen selbstständig.

Im September verlassen alle Tiere den Dachstock und überwintern in Höhlen der Umgebung. Grosse Hufeisennasen sind ausgesprochen treu.

Ihren Namen erhielten die kleinen, sieben Zentimeter langen und etwa 30 Gramm leichten Säugetiere mit einer Flügelspannweite bis zu 40 Zentimetern durch ihren hufeisenförmigen Hautsaum an der Nase. Durch ihr graubraunes, leicht rötlich getöntes Fell auf der Oberseite sind sie recht gut zu erkennen.