Gipf-Oberfrick

Bundesrat Ueli Maurer interessiert sich für ihre Herkunft

Daniela Slania blättert in der Geschichte der Gemeinde Oeschgen, wo sich von 1941 bis 1945 ein Polenlager befand. mf

Daniela Slania blättert in der Geschichte der Gemeinde Oeschgen, wo sich von 1941 bis 1945 ein Polenlager befand. mf

Am Samstag wird Daniela Slania aus Gipf-Oberfrick im Polenmuseum vor Ueli Maurer referieren. Im Zentrum steht ihre eigene Familiengeschichte als Tochter eines in der Schweiz internierten polnischen Soldaten und einer Fricktalerin.

«Meine aktuelle Gefühlslage schwankt zwischen Freude und Nervosität», erzählt Daniela Slania aus Gipf-Oberfrick beim Besuch der Aargauer Zeitung. Morgen Samstag wird sie nämlich im Polenmuseum in Rapperswil vor Bundesrat Ueli Maurer und Jan Stanislaw Ciechanowski, dem Leiter des Amtes für Kriegsveteranen und Opfer von Unterdrückung.

«Ich bin zu diesem Vortrag gekommen, wie die Jungfrau zum Kind», erklärt sie mit einem Schmunzeln. Seit einem Jahr besteht die Kommission der Nachkommen internierter Polen (Nip-Kom), in der sie aktiv ist. Die Nip-Kom ist dem Verein Freunde des Polenmuseums angegliedert und hat das Ziel, das Bewusstsein über die Herkunft bei den Nachkommen internierter Polen zu stärken.

Kommission im Aufbau

«Es liegt noch viel Arbeit vor uns, wir sind erst am Sortieren und Aufbauen», ist sich Daniela Slania bewusst. Dennoch hat im letzten Jahr bereits ein erstes Treffen stattgefunden – rund 250 Nachkommen von polnischen Soldaten, die in den Jahren 1941 bis 1945 in der Schweiz interniert waren, hatten sich eingefunden. «Die Anzahl der Nachkommen ist aber noch viel grösser», weiss Daniela Slania, «in der Romandie und im Tessin fehlen noch die Kontakte und auch in der Deutschschweiz gibt es noch unbekannte Familien.»

Doch die ersten Schritte sind gemacht und Daniela Slania freut sich über die Aufmerksamkeit, die die Kommission geniesst. «Letztes Jahr kam das Fernsehen zu unserem ersten Treffen», schaut sie zurück. Und nun wird sie als Sprecherin der Kommission vor Ueli Maurer sprechen. «Mein Vater wäre stolz», ist sie überzeugt, «insbesondere weil auch ranghohe polnische Vertreter anwesend sind.»

Die Geschichte der internierten Polen in der Schweiz im Allgemeinen und im Fricktal im Speziellen sind einer breiten Masse nicht bekannt. «Die Generationen, die jünger sind als ich, haben es halt nicht mehr erlebt», ist sich Daniela Slania bewusst. Dennoch zeigt sie sich überrascht, dass in Schulbüchern und im Schulunterricht das Thema kaum vorkommt. «Ein einziges Mal wurde mein Vater von einem Lehrer der Bezirksschule eingeladen, eine Unterrichtsstunde zu bestreiten», erinnert sie sich.

Emotionale Seite beleuchten

Nicht zuletzt deswegen engagiert sich die Oberfrickerin in der Kommission der Nachkommen internierter Polen. Im Gespräch mit der Aargauer Zeitung wurde immer wieder deutlich, dass es noch einiges an Fakten aufzuarbeiten gibt. «Ich möchte dabei vor allem auch die emotionale Seite beleuchten», erklärte Daniela Slania und stellte sogleich ihr Buchprojekt vor: «Ich bin dabei, Geschichten von Nachkommen zu sammeln und diese in einem Buch zu veröffentlichen.» Aus ihrer eigenen Familiengeschichte und aus Geschichten, die sie bereits erhalten hat, wird sie unter anderem auch an ihrem Vortrag morgen Samstag vor Bundesrat Maurer erzählen. «Ich habe allerdings festgestellt, dass in vielen Familien die Herkunftsgeschichte gar nicht wirklich thematisiert wurde», so Daniela Slania. In ihrer Familie sei dies zum Glück anders gewesen. «Meine Mutter war sehr stolz auf ihren Mann.»

Suche nach Zeitzeugen

Idealerweise soll das Buch 2015 zum 75. Jahrestag des Grenzübertrittes der 13000 polnischen Soldaten erscheinen. Den Aufruf, Familiengeschichten einzureichen, hat sie unter den Nachkommen bereits gestreut. Nachkommen von internierten Polen oder Zeitzeugen, die sich noch an die Polenlager im Fricktal erinnern, können sich unter der Mailadresse daniela-slania@yetnet.ch melden.

Die Familiengeschichte der Familie Slania lesen Sie am Freitag in der Printausgabe der Aargauer Zeitung (Ausgabe Fricktal)

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