Verkehrssicherheit
Breite Akzeptanz fehlt: Wallbacher Gemeinderat beerdigt Tempo 30

Nach einer Testphase und einer Bevölkerungsumfrage hat der Gemeinderat Wallbach beschlossen, Tempo 30 nicht einzuführen. Auch im Probegebiet wird Tempo 30 nicht weitergeführt.

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In Wallbach gilt künftig innerorts Tempo 50.

In Wallbach gilt künftig innerorts Tempo 50.

zvg

Der Gemeinderat Wallbach lehnt eine flächendeckende Einführung von Tempo 30 im ganzen Gemeindegebiet ab. Ebenso gibt er bekannt, dass die im Gebiet Finstergässli-Bodenmatt als Probebetrieb signalisierte Tempo-30-Zone weder verlängert noch als definitive Tempo-30-Zone fortgesetzt wird. Die Installationen und Signalisationen im Probegebiet werden demnächst aufgehoben.

Nachdem Tempo 30 in Wallbach über Jahre kontrovers diskutiert wurde, beauftragte der Gemeinderat 2012 die Arbeitsgruppe Verkehr im Gebiet Bodenmatt-Hohle Gasse-Finstergässli einen Probebetrieb mit Tempo 30 durchzuführen, mit dem Ziel, verwertbare Fakten pro oder contra Tempo 30 zu erhalten.

Nebst dem Probebetrieb mit der Auswertung von Geschwindigkeitsmessungen vor und während der Signalisation wurde im Februar 2014 auch eine Bevölkerungsumfrage zur Frage einer flächendeckenden Einführung von Tempo 30 im gesamten Gemeindegebiet durchgeführt. In rund 850 Haushalte wurden Fragebogen verteilt; 274 gültige Antwortbogen wurden eingereicht.

Öffentliche Meinung gespalten

Die Umfrage ergab, dass 63 Prozent aller Umfrageteilnehmer Tempo 30 im Probegebiet beibehalten wollen, 37 Prozent sprachen sich dagegen aus. Der Zuspruch nur der im Probegebiet wohnhaften Umfrageteilnehmer liegt bei 73 Prozent. Tempo 30 im gesamten Gemeindegebiet befürworten 32 Prozent, 48 Prozent waren dagegen und 20 Prozent erachteten es als prüfenswert.

Der Gemeinderat stellt fest, dass die öffentliche Meinung weiterhin gespalten ist. «Aus der Umfrage lassen sich zwar Mehrheiten pro oder contra erkennen, aber sie reichen dem Gemeinderat nicht aus, um eine deutliche Mehrheit und Zustimmung hinter einer Tempo-30-Signalisation zu spüren», schreibt die Behörde, «eine breite Akzeptanz von Tempo 30 in Wallbach lässt sich daraus nicht ableiten.»

Die Geschwindigkeitsmessungen vor und nach Inbetriebnahme des Probebetriebs ergaben in allen vier gemessenen Quartierstrassen eine relativ bescheidene Reduktion der effektiven Geschwindigkeit.

«Zweifellos ist Tempo 30 eines von verschiedenen Mitteln die Verkehrssicherheit zu erhöhen», heisst es im Communiqué weiter, «die effektive Wirksamkeit von Tempo 30 in Quartierstrassen bezweifelt der Gemeinderat jedoch.» Bereits vor dem Probebetrieb sei die Mehrheit der Fahrzeuglenker unter der Höchstgeschwindigkeit unterwegs gewesen.

Massnahmen werden geprüft

Einzelne Umfrageteilnehmer sehen Handlungsbedarf bei unübersichtlichen Stellen an Kreuzungen und Einmündungen. Auch andere Signalisationen wie Rechtsvortritte, Verkehrsspiegel, Bodenmarkierungen oder bauliche Massnahmen sowie mehr Geschwindigkeitskontrollen wurden angeregt. «Der Gemeinderat wird andere Massnahmen, die der Erhöhung der Verkehrssicherheit auf dem Strassen- und Fusswegnetz dienen, prüfen und im Rahmen seiner Befugnisse um- und durchsetzen», heisst es in der Mitteilung.

Geprüft werde auch das Einsetzen einer Verkehrskommission, die sich gesamtheitlich und auf den Grundlagen des «Kommunalen Gesamtplan Verkehr» mit Fragen des motorisierten Individualverkehrs, der Parkierung und des Öffentlichen Verkehrs befasst.

Die im Oktober 2010 eingesetzte Arbeitsgruppe Verkehr wird aufgelöst. Die Arbeitsgruppe hat ihr Mandat mit der Erarbeitung des Kommunalen Gesamtplan Verkehr und mit dem Schlussbericht zu Tempo 30 vorbildlich erfüllt. (mf/az)

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