Laufenburg
Boxenstopp beim Herr der Rollatoren – er weiss, wann es gefährlich wird

Beat Unternährer hält die Gehhilfen in Schuss – ein «grosser Service» pro Jahr ist Pflicht. Mit Rollatoren kann man auch Ballett tanzen. Wir haben den Videobeweis.

Thomas Wehrli
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Beat Unternährer in der Rollatoren-Garage im Untergeschoss des Alterszentrums Klostermatte in Laufenburg.

Beat Unternährer in der Rollatoren-Garage im Untergeschoss des Alterszentrums Klostermatte in Laufenburg.

Thomas Wehrli

Er ist der Mann für alle (Rollatoren-)Fälle: Beat Unternährer, Hauswart im Alterszentrum Klostermatte in Laufenburg. 76 Rollatoren gibt es im Heim – und die wollen gewartet werden.

«Am häufigsten muss ich die Handgriffe auswechseln», erzählt Unternährer, holt eines der Gefährte aus der «Rollatorengarage» – es ist ein älteres Modell, für den Laien der Fiat unter den Rollatoren –, dreht den Handgriff hin und her. «Wenn die Griffe nicht mehr richtig halten, kann es gefährlich werden.»

Gefahr droht auch, wenn das Bremskabel reisst. «Das kommt immer wieder mal vor», sagt Unternährer. Auf seiner Reparatur-Hitliste steht das Kabel, das nicht mehr bremst, auf Platz zwei – noch vor den (abgenutzten) Rädern.

«Wie lange ein Rad hält?», wiederholt Unternährer die Frage des Journalisten, muss schmunzeln, ganz so, als ob er sich im Kopf bereits eine Kilometerangabe zurechtlegt, sagt dann aber nüchtern: «Das kommt ganz auf den Fahrstil an.»

Es gebe Senioren, die permanent mit angezogener Bremse unterwegs seien – «und da nützen sich die Räder schneller ab». Denn anders als beim Fahrrad greifen die Bremsklötze nicht an den Felgen, sondern drücken direkt von oben auf den Gummi der Räder.

Grosser Service einmal im Jahr

Einmal im Jahr unterzieht Unternährer sämtliche Rollatoren – rund 20 Prozent der Gefährte gehören den Bewohnern, die grosse Mehrheit dem Alterszentrum – einem grossen «Service»; dieser ist, wie die Reparaturen auch, in der Grundtaxe inbegriffen und für alle gratis – und das ein Rollatorenleben lang: Anders als beim Auto gibt es für den Gratisservice keine Kilometerbeschränkungen.

«Der jährliche Check ist wichtig», sagt Unternährer. «Denn die Benutzer müssen sich auf ihr Gefährt verlassen können.»

Beim Check begutachtet Unternährer den Allgemeinzustand, kontrolliert Handgriffe und Räder und testet die Bremsen. Ganz wichtig dabei: Zu prüfen, ob die Bremsen vollständig arretiert werden können, damit sich der Benutzer gefahrlos auf die Sitzfläche («nichts anderes ist das Plastikteil in der Mitte») setzen kann.

Hier ortet der gelernte Elektromonteur und Krankenpfleger auch eine der Unfallgefahren: «Die Senioren vergessen manchmal, vor dem Hinsetzen die Bremse zu arretieren. Das kann gefährlich werden.»

Deutliche Qualitätsunterschiede

Nicht gefährlich, aber überaus ärgerlich ist es für einen Senior, wenn die Bremsen nicht gut eingestellt sind. «Zieht eine Bremse stärker als die andere, zieht es den Rollator auf eine Seite», erklärt Unternährer.

Im Extremfall dreht ein Rollator-Fahrer so unfreiwillig Runden. Denn was ein Jüngerer problemlos mit Gegendruck ausgleichen kann, stellt einen Rentner mitunter vor Probleme. «Koordination und Reaktionsvermögen lassen im Alter nach», sagt Unternährer, und der Journalist, 46, denkt sich: Wem sagt er das.

Beat Unternährer holt aus seinem Rollatorenfundus im Untergeschoss des Alterszentrums ein Gefährt, Modell lottrig, hervor, rüttelt leicht – und das ganze Gefährt schüttelt sich mit.

«Es gibt deutliche Qualitätsunterschiede bei den Rollatoren», weiss Unternährer. Wobei: Teuer muss nicht unbedingt besser sein.

Rollatoren gibt es, beispielsweise im «Spitex Webshop», bereits ab Fr. 78.85; der «Leichtgewichts-Rollator Active Walker» kostet gut 360 Franken, für den «Rollator XXL-Plus, bis 280 kg» bezahlt man um die 560 Franken. Für den, der auch bei Regen mit dem Rollator draussen unterwegs sein will, gibt es als Extra den «Schirm mit Halter» für Fr. 85.30.

Die Qualität eines Rollators zeigt sich in seinen Rädern. Während die günstigsten (viel Plastik und wenig Gummi, schnell spröde) schon so aussehen, als komme man mit ihnen nicht vorwärts, sind die teureren dichter geschäumt (und damit deutlich schwerer) und mit Kugel- oder Stiftlager ausgestattet.

Unternährer empfiehlt, ein gutes Radwerk zu wählen – denn sonst wird die (Aus-) Fahrt nur allzu schnell zur Chrampf-Fahrt. Dass man von den Mitbewohnern, die einen «Mercedes» vor den Füssen haben, links überholt und wie eine Schnecke stehen gelassen wird, kommt erschwerend hinzu.

Auf die Höhe kommt es an

Wichtig ist auch, dass der Rollator in der Höhe passt. «Viele haben ihn deutlich zu hoch eingestellt», erklärt Unternährer. Das hat zur Folge, dass sie sich nur mit Mühe auffangen können, wenn sie stolpern.

Unternährer schnappt sich einen Rollator, ein High-end-Produkt aus Aluminium, das ein Bewohner dem Heim vermacht hat, stellt sich dahinter. «So muss es sein», sagt er. «So», das bedeutet: Die Arme sind fast durchgestreckt, Rollator und Mensch bilden eine Linie, allzeit bereit, durchzustarten – nach dem Boxenstopp.

Dass man mit einem Rollator eine ordentliche Geh-Geschwindigkeit erreichen kann, bestätigt ein älterer Herr am Eingang des Alterszentrums, sagts – und braust davon.

Dass man mit den Gehhilfen gar ein Rollatoren-Ballett aufführen kann, bewies das Alterszentrum 2010 in den Theaterwochen «Leben in den 50ern». Ein Augenschmaus. Im Dreivierteltakt.

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