Kaiseraugst
Bleiben 535 Stimmen im Kampf gegen die Emissionen der Firma Thommen wirkungslos?

Auch eine Petition bringt in der Emissionsproblematik um die Firma Thommen kurzfristig keine Lösung.

Dennis Kalt
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Lärm, Staub, Gestank – die Emissionen und Immissionen, die die Recyclingfirma Thommen in Kaiseraugst verbreitet, sind den Anwohnern seit Jahren ein Dorn im Auge. Deswegen hat eine Arbeitsgruppe um den pensionierten Zahnarzt Peter Wiehl eine Petition mit 535 Unterzeichnern am 7. September beim Gemeinderat eingereicht.

Die Petition

Übergeordnetes Ziel ist es, die Wohn- und Lebensqualität zu verbessern: «Wir fordern, dass das Motto der Gemeinde ‹Leben. Arbeiten. Zuhause sein.› umgesetzt wird», betont Wiehl. Konkret sollen laut Petition die Lärm-, Feinstaub- und Geruchsemissionen innerhalb der nächsten drei Jahre halbiert werden. Hierzu fordert die Petition die Behörden der Einwohnergemeinde und des Kantons auf, eine wirksame Strategie auszuarbeiten und umzusetzen.

Die Arbeitsgruppe versuche schon seit rund sechs Jahren, die Wohn- und Lebensqualität durch direkte Gespräche mit den Firmeninhabern, dem Gemeinderat und der kantonalen Abteilung für Umwelt positiv zu beeinflussen und fühle sich bei diesem Unterfangen von der Gemeinde-Exekutive im Stich gelassen: «Von den Behörden wird man entweder auf Verbesserungen in der Zukunft vertröstet oder sie erklären sich nicht für zuständig», moniert Wiehl.

Sibylle Lüthi, Gemeindepräsidentin von Kaiseraugst, wehrt sich gegen diesen Vorwurf: «Wir haben bereits einige Zeit vor der Petition mit der Thommen AG zusammengearbeitet, um eine Lösung für diese Problematik zu finden. Ich hätte gerne nur zufriedene Bewohner. Leider kann ich jedoch nicht zaubern.»

Zudem sei der Gemeinderat bei der Vermittlung der Interessen beiden Parteien – den Einwohnern und der Thommen AG – verpflichtet: «Natürlich ist es uns ein Anliegen, die Wohnqualität für unsere Bürger hochzuhalten. Andererseits hat auch die Firma Thommen, die seit 1954 ihren Betrieb in Kaiseraugst hat, klare Rechte. Uns ist daran gelegen, das Recyclingunternehmen als Arbeitgeber und Steuerzahler in unserer Gemeinde zu halten.»

Dialog ohne konkretes Ergebnis

Nach Eingabe der Petition kam es zu einem Gespräch zwischen dem Gemeinderat und dem Departement für Bau, Verkehr und Umwelt hinsichtlich der Emissionsproblematik, jedoch ohne konkretes Ergebnis: «Wir werden mit den Verantwortlichen des Kantons das weitere Vorgehen definieren und Sie dann wieder informieren», teilte der Gemeinderat der Arbeitsgruppe um Wiehl am 23. November mit.

Auch Patrick Härtsch, Leiter der Finanzen der Thommen AG, ist über die Petitionseingabe informiert, sagt aber, dass es bisher keine Besprechungen mit der Gemeindeexekutive bezüglich der Petition gegeben habe: «Das zulässige Mass an Emissionen beziehungsweise Immissionen ist bundesrechtlich abschliessend geregelt. Daher kommen dem kommunalen Gesetzgeber und der kommunalen Exekutive diesbezüglich keine rechtsgestaltenden Kompetenzen zu», erklärt Härtsch.

Standortwechsel als Lösung?

Eine Lösung der Emissionsproblematik sieht Lüthi in einem Standortwechsel, räumt jedoch ein, dass dieses «gewaltige Vorhaben» nur sehr langfristig umgesetzt werden könne. Härtsch pflichtet der Gemeindepräsidentin bei: «Aufgrund der vielzähligen Anforderungen – Fläche, Infrastruktur, verkehrstechnische Erschliessung – sind alternative Standorte nur schwierig zu finden», und schiebt nach, dass die Planung und der Neubau an einem neuen Standort einen Zeitraum von rund zehn Jahren beanspruche und zwischen 60 und 70 Millionen Franken kosten würde.