Bezirksgericht Rheinfelden
Sie verbarrikadierte sich, damit ihre Ziegen nicht beschlagnahmt werden – jetzt landete die Bäuerin vor Gericht

Eine 63-jährige Landwirtin musste sich am Freitag wegen mehrfacher Verstösse gegen das Tierschutzgesetz, das Waldgesetz, das Strassenverkehrsgesetz und wegen Hinderung einer Amtshandlung vor dem Bezirksgericht Rheinfelden verantworten. Die Landwirtin bestreitet die Vorwürfe – der Prozess wird am Montag fortgesetzt.

Nils Hinden
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Unter anderem soll die Bäuerin ihre Ziegen vernachlässigt haben.

Unter anderem soll die Bäuerin ihre Ziegen vernachlässigt haben.

Symbolbild/niz (14. Juli 2021)

Eine Bäuerin aus dem Fricktal stand zum wiederholten Male vor dem Bezirksgericht Rheinfelden. Der IV-Rentnerin wurde ein ganzer Katalog von Vergehen vorgeworfen: In den Jahren 2016 und 2017 hätte sie in nicht weniger als zwölf Sachverhalten gegen gesetzliche Verordnungen verstossen.

Alle Anklagepunkte stehen dabei im Zusammenhang mit ihrem Bauernhof, auf dem sie aktuell unter anderem acht Rinder, 14 Geissen und sechs Wollsäue hält.

Der Angeklagten wird vorgeworfen, gegen das Tierschutzgesetz, das Waldgesetz und das Strassenverkehrsgesetz verstossen zu haben. Genauer habe sie zum einen die Tiere auf ihrem Land nicht genügend versorgt. So wird ihr vorgeworfen, dass ein Zicklein gestorben sei, weil es bei der Geburt nicht versorgt wurde, oder dass Wollschweine nicht ausreichend Wasser erhalten hätten.

Weiter seien zeitweise Gegenstände im Gehege vorzufinden gewesen, die eine Verletzungsgefahr für Tiere dargestellt hätten.

Mit dem Autoschlüssel im Haus verbarrikadiert

Dazu seien grosse Teile der Gehege, in denen die Bäuerin Tiere hielt, «von erheblichem Mangel», wie es in der Anklage heisst. Infolgedessen seien mehrmals Tiere abgehauen, etwa auf das Land eines Nachbarn oder in den Wald, was zu mehreren Anzeigen führte. Ihr Hund sei ebenfalls aus ihrer Obhut entkommen und habe dabei sogar Geissen gebissen.

Zudem wird sie wegen Hinderung einer Amtshandlung angeklagt. Als der Veterinärdienst die Beschlagnahmung der Ziegen anordnete und mit einem Viehtransporter vorfuhr, stellte die angeklagte Landwirtin dem Transporter ihr Auto in den Weg und verbarrikadierte sich mit dem Schlüssel in ihrem Haus, was zu einer weiteren Anzeige führte.

Der Prozess ist so umfangreich, dass er über mehrere Tage verhandelt wird. Am Freitag nun stand der erste Prozesstag an. Unter den Zeugen war unter anderem ein Nachbar, der bereits in frühere Rechtsfällen gegen die Bäuerin ausgesagt hatte.

So seien die Tiere der Angeklagten immer wieder auf seinem Land gewesen. Ein weiterer Zeuge war ein ehemaliger Mitarbeiter des Veterinärdienstes Kanton Aargau, der über Missstände auf dem Hof sprach. So sei zum Beispiel eine Geiss für längere Zeit im Zaun verhangen gewesen. Nur dank Hilfe von Auswärtigen sei sie nicht verendet. Die Bäuerin verteidigte sich:

«Menschen und Tiere sind mir schon immer am Herzen gelegen und das ist auch geblieben. Es ist mir nicht wichtig, wie viele Tiere ich halte, es ist mir wichtig, dass ich Tiere halte.»

Auf die Vorfälle bezogen, sagte sie unter anderem, dass die Zäune manipuliert und die Tiere mit Äpfeln aus dem Gehege gelockt worden seien. Folglich hätten andere für die ihre vorgeworfenen Missstände zu haften. Gewisse Vorfälle seien zudem nicht so vorgefallen, wie sie geschildert wurden.

Weitere Zeugenvorladungen und die Urteilsverkündung sind voraussichtlich am Montag zu erwarten. Dann geht der Prozess in seine zweite Hälfte.

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