Wittnau
Bei der Guetzlerin läuft der Ofen heiss: «Für mich ist das etwas Meditatives»

Wittnauerin Helen Schmid backt die original Fricktaler Weihnachtsguetzli – aufgrund abgesagter Feiern bestellen bei ihr derzeit viele Firmen.

Dennis Kalt
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Helen Schmid zeigt die Fricktaler Eierkirschsterne (Guetzli rechts auf dem Teller in der Hand).

Helen Schmid zeigt die Fricktaler Eierkirschsterne (Guetzli rechts auf dem Teller in der Hand).

dka

Lange nach dem Weg suchen muss der Journalist nicht. Der süsse Guetzli-Duft, der ihm in die Nase wabert, weist ihm den Weg in die Backstube auf dem Wittnauer Erlenhof. Dort am Ofen steht Landfrau und Bäuerin Helen Schmid. Sie trägt eine blaue Schürze mit weissen Mehlflecken und ein Lachen im Gesicht, als sie stolz auf die vollen Bleche auf den Küchentisch zeigt. Anis-Chräbeli, Pfeffernüsse, Wein- und Lebkuchenguetzli und viele andere liegen dort.

Am 1. Advent hat die 58-Jährige mit dem Guetzle begonnen. Am liebsten steht Schmid am Abend in der Backstube, zündet eine Kerze an und lässt dabei das Radio laufen. «Das Guetzle hat für mich etwas Meditatives. Zuweilen vergisst man die Zeit.» Bis Weihnachten backt Schmid etwa zehn Sorten. Für das Fest nimmt sie sich vor, alle Sorten auf einem grossen Teller anzurichten. Zuweilen kommt es vor, dass sie deswegen «auch mal eine Dose verstecken muss, damit bis Weihnachten von jeder Sorte noch etwas übrig bleibt».Die Zitronensternli, die Schmid auch handtellergross in den Ofen schiebt, ist eine ihrer Lieblingssorten. «Es heisst: Lachen sei das Geschenk der Zitrone an die Menschen. Deswegen verpacke ich sie gern einzeln und verschenke sie, um anderen eine Freude zu bereiten.»

Guetzli landen in den­ ­Geschenkkörben

Schmid guetzlet nicht nur für Freunde und Familie, sondern auch auf Bestellung. Eigentlich hätte sie am Wittnauer Weihnachtsmarkt den süssen Teig kiloweise verkauft. Corona hat aber auch positive Effekte auf den Guetzli-Absatz. Weil viele Firmen ihre Weihnachtsfeiern absagen, stellen sie stattdessen für ihre Angestellten Geschenkkörbe zusammen, in denen auch die eine oder andere Packung von Schmids Gebäck landet.

Als passionierte Guetzlerin weiss Schmid, dass die hiesige Region mit den Fricktaler Eierkirschsternen und dem Fricktaler Nussschiffli über eigene Kreationen verfügt. Das Rezept für Erstere (Box rechts) stammt von einer Bekannten Schmids und wurde 2005 in einem Landfrauen-Rezeptbuch veröffentlicht.

Für Schmid geht es beim ­Guetzle nicht nur um das Produzieren, sondern auch um das Hochhalten einer Tradition und um die Erinnerungen, die entstehen, daran, wie sie als Kind mit ihrer Mutter selbst in der Backstube stand. «Früher, als die Holzöfen gebräuchlich waren, haben die Frauen nach dem Brotbacken oft die Restwärme genutzt, um noch ein Blech süssen Teig nachzulegen», sagt Schmid.

Zwar sei heute das Guetzle weniger aufwendig als zu Holzofenzeiten, aber der Geschmack war schon damals genauso gut wie heute, findet sie.