Wölflinswil/Oberhof
Befürwortern des Windparks weht eine steife Brise entgegen

In einem Punkt sind sich sowohl die Befürworter als auch die Gegner des in Kienberg SO und Oberhof AG geplanten Windparks einig: Strom braucht es auch in Zukunft, und zwar immer mehr statt weniger.

Walter Christen
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Keystone

Tatsache ist, dass Energieeinsparungen durch die Inbetriebnahme von ständig neuen Elektrogeräten wieder egalisiert werden. Dem Stromhunger der Wohlstandsgesellschaft wird deshalb mit immer neuen Projekten begegnet: Neubau Kraftwerk Rheinfelden, Erneuerung bestehender Flusskraftwerke, Diskussion um Bau weiterer Atomkraftwerke und schliesslich die Realisierung von Windparks.

Zur Energiegewinnung soll auf der Burgflue, im Grenzgebiet der solothurnischen Gemeinde Kienberg und der Aargauer Gemeinde Oberhof im oberen Fricktal, ein Windpark entstehen. Das Vorhaben weckt starke Emotionen, die sich zum Teil an dem von der Arbeitsgruppe Burg organisierten Informationsanlass im «Ochsen» in Wölflinswil entluden.

Im Vorfeld der Veranstaltung gab der Kienberger Gemeindepräsident Christian Schneider bekannt, dass der Gemeinderat nicht an dem Anlass teilnehmen werde, unter anderem, weil die Vertragsverhandlungen mit zwei Anbietern kurz vor dem Abschluss stünden (az Aargauer Zeitung vom Donnerstag). Förster Werner Habermacher hakte genau da ein: «Schon seit zwei Jahren spricht man in Behördenkreisen vom Windpark. Wer dieses Projekt initiiert hat, sollte heute Abend nicht durch Abwesenheit glänzen, sondern müsste der Bevölkerung unserer Gemeinden Red und Antwort stehen.» Habermacher weihte die rund 190 Versammlungsteilnehmerinnen und -teilnehmer mittels Bildpräsentation in die Pläne für den Windpark ein.

Planungsverband: «Wenig Freude»

Hansueli Bühler, Gemeindeammann in Stein und Präsident des Fricktal Regio Planungsverbandes, hielt fest, dass die Vorgaben des Regionalen Entwicklungskonzepts (REK) eine intakte Landschaft und Natur als ganz klares Bekenntnis enthalten. «Der Planungsverband befindet sich im Falle des Windparks in Kienberg in einem gewissen Zwiespalt. Bisher waren wir weder für noch gegen solche Anlagen. Aber wir haben wenig Freude daran, dass der Kanton Solothurn ein solches Vorhaben an der Grenze zum Aargau realisieren kann, ohne dass die Windräder vom eigenen Gebiet eingesehen werden können. Denn es gilt: Zum Landschaftsbild muss Sorge getragen werden.»

Der frühere Nationalrat und langjährige Präsident der ehemaligen Regionalplanung, Peter Bircher aus Wölflinswil, machte die Versammlung darauf aufmerksam, dass der Bund in der fraglichen Juralandschaft gar keine derartigen Anlagen vorgesehen habe: «Ich hege die Befürchtung, dass in einer gewissen Überbetriebsamkeit solche Windparks in die feingliedrige Landschaft gebaut werden. Eine fragliche Windrädergarnitur über dem Jura, zumal die Energieerzeugung durch Windkraft keine Alternative zur Kernenergie darstellt.»

«Die Arbeitsgruppe Burg scheut keine Diskussion, will aber die Landschaft vor solchen Eingriffen schützen und damit die Wohnqualität in den Dörfern bewahren. Denn durch die weitherum sichtbaren Windräder ist die attraktive Wohnlage gefährdet», betonte Marc Böller von der Arbeitsgruppe Burg. Eine Verunstaltung des schönen Erholungsgebiets wolle man nicht einfach so hinnehmen. Entsprechend wogte anschliessend die Diskussion zwischen Befürwortern und Gegnern hin und her.

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