Der Bauboom im Fricktal hält an. Dies zeigt die neue Baustatistik, die der Kanton am Mittwoch publiziert hat. Die Zahlen sind eindrücklich. Insgesamt investierten Private und Unternehmer 2015 im oberen Fricktal gut 182 Millionen Franken, im unteren sogar knapp 428 Millionen Franken.

Im oberen Fricktal flossen 72 Prozent der Investitionen in den Wohnungsbau; im unteren dagegen sind es «nur» 38 Prozent. Das Ungleichgewicht liegt an den beiden Pharmariesen Novartis und Roche. Sie investierten massiv in ihre Standorte Stein und Kaiseraugst. Gesamthaft beliefen sich die Investitionen in Gewerbe- und Industriebauten in Stein 2015 auf 62 Millionen Franken, in Kaiseraugst sogar auf 91 Millionen.

Mit anderen Worten: Allein in diesen beiden Gemeinden investierten Unternehmen fast viermal so viel wie Unternehmen im ganzen oberen Fricktal (40 Millionen). Hinter Stein und Kaiseraugst folgen bei den Gewerbe- und Industriebauten Kaisten mit Investitionen von knapp 18 und Möhlin mit solchen von knapp 16 Millionen Franken. In 14 Gemeinden entstanden 2015 keine neuen Gewerbe- und Industriebauten.

Rheinfelden baut am meisten 

Im Wohnungsbau schwingt Rheinfelden die Maurerkelle am stärksten: Im Zähringerstädtchen wurden 2015 81 Wohn-Millionen verbaut. Es folgen Möhlin mit 28, Laufenburg mit 25 und Frick mit 14 Millionen Franken. Am tiefsten lagen die Wohnungsbau-Investitionen in Schwaderloch mit 269'000 Franken, gefolgt von Olsberg mit 380'000 Franken.

Legt man die Bauinvestitionen auf die Einwohnerzahl um, so liegen drei kleine Gemeinden an der Spitze: Herznach, Mumpf und Schupfart. Hier wurden umgerechnet jeweils mehr als 7500 Franken pro Kopf investiert (siehe Grafik).

Gesamthaft gab es Ende 2016 im Bezirk Laufenburg 14'535 Wohnungen, im Bezirk Rheinfelden 22'317. Die meisten Einfamilienhäuser wies Möhlin mit 1690 aus, gefolgt von Rheinfelden mit 1050, Magden mit 989 und Frick mit 709.

Auf Kritik stiess das Wachstum in den letzten Monaten vor allem in Möhlin – hier eher prophylaktisch – und in Frick. Frick wachse zu schnell, befürchtet Confiseur Markus Kunz mit Blick auf die jüngste Entwicklung: Denn allein im Oberdorf kamen gegen 100 neue Wohnungen auf den Markt.

Niedriger Leerstand in Frick

Entgegen den Befürchtungen konnte der Markt diese aber problemlos schlucken: Frick hat mit 0,9 eine der tiefsten Leerwohnungsziffern im Fricktal. Das heisst: Von den rund 2340 Wohnungen standen am 1. Juni 2017 nur 21 leer. Im Schnitt standen am selben Tag im Bezirk Laufenburg 2,24 Prozent der Wohnungen leer, im Bezirk Rheinfelden 2,0 Prozent (Kanton: 2,34). Die tiefste Lehrwohnungsziffer wies Oeschgen aus: Es stand im Juni kein einziges Objekt leer. Den höchsten Leerstand hatte Wittnau mit 7,65 Prozent, gefolgt von Ueken (7,11), Gansingen (4,9) und Herznach (4,41) – kurz: alles Gemeinden in Seitentälern. In absoluten Zahlen führte die Leerwohnungs-Statistik Mitte Jahr Rheinfelden an mit 185 verfügbaren Wohnungen, gefolgt von Möhlin (74) und Magden (51).

Den Fricker Gemeindeammann erstaunt die niedrige Leerwohnungsziffer nicht. «Frick bietet viel, liegt verkehrsgünstig und ist von einer sehr schönen Landschaft umgeben», sagt er. Leerstände seien derzeit vor allem in peripher gelegenen Gebieten ein Thema. «Der Gemeinderat hat die Bautätigkeit nie als Bedrohung, sondern vielmehr als Chance für Frick gesehen», sagt Gemeindeammann Daniel Suter. Man habe dabei auf «eine hohe Qualität» der Überbauungen und ihrer Umgebungen geachtet. Ein Grund, weshalb die neuen Wohnungen fast wie warme Semmeln weggingen, ist für den Ammann der Wohnungsmix. «Die Neubauten weisen unterschiedliche Ausbaustandards auf.» Damit würden verschiedene Bedürfnisse abgedeckt und unterschiedliche Käufer- und Mietersegmente angesprochen. «Man kann in Frick im Zentrum recht urban oder in einem Aussenquartier ausgesprochen ländlich wohnen.»

Doch wer mietet und kauft die neuen Wohnungen. Eine Auswertung der Gemeinde zeigt, dass ein Teil von Frickern gemietet oder gekauft wird; sie ziehen von einem älteren in ein neues Zuhause – oder von einer Miet- in eine Eigentumswohnung. «Neben diesen internen Umzügen kommt ein guter Teil der neuen Einwohner aus Gemeinden des Fricktals», sagt Daniel Suter.

Basler kommen bis nach Frick

Es gebe aber auch Zuzüge von weiter her, so Suter, insbesondere aus dem Kanton Basel-Land und aus Basel selbst. Mit anderen Worten: Der Zuzug aus dem Raum Basel, der sich viele Jahre auf den Raum Rheinfelden beschränkt hat, ist im oberen Fricktal angekommen – zumindest in der Verkehrsdrehscheibe, also in Frick und Gipf-Oberfrick.

In der guten Verkehrsanbindung sieht Suter denn auch einen der Gründe, weshalb Frick als Wohnort gefragt ist. In den «vielseitigen Einkaufsmöglichkeiten», dem breiten Kultur- und Freizeitangebot sowie dem All-in-one-Schulstandort weitere. «Letztlich ist wohl die Kombination dieser Vorteile der wichtigste Fricker Trumpf», sagt Suter.

Klar ist: Frick, das aktuell gut 5300 Einwohner zählt, wird in den nächsten Jahren weiter stark wachsen. So werden im Gebiet Lammet zwischen 200 und 250 Wohneinheiten entstehen, in der Blaie 140 und in den Zwidellen rund 25.

Frick werde aber nicht, wie von Wachstumskritikern moniert, auf einen Schlag um mehrere hundert Wohnungen wachsen, sagt Suter. «Vielmehr verteilt sich das Wachstum auf mehrere Jahre.» Und die schweizweit gestiegene Leerstandsziffer dürfte bei Investoren und den Hypothekargläubigern zu vermehrter Vorsicht bei neuen und besonders bei grossen Projekten führen, glaubt der Ammann. Die neuen Baugebiete seien zudem frühestens ab 2019 baureif und erschlossen. «Die Überbauung der Gebiete dürfte sich über rund fünf Jahre verteilen», so Suter.