Autohandel
Mit Maskenpflicht und nur im Freien: Für Fricktaler Garagisten werden die Frühlingsausstellungen zur Herausforderung

Corona trübt dem Fricktaler Autohandel das so wichtige Frühlingsgeschäft. Normalerweise würden die Garagisten jetzt die neuen Modelle im Rahmen von Ausstellungen präsentieren. Früher waren das gut besuchte Anlässe mit Essen und Trinken, Kinderattraktionen und Gewinnspielen – aber eben nicht in Zeiten der Pandemie.

Hans Christof Wagner
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Martin Daniel, Geschäftsleiter von Daniel Automobile in Mumpf, präsentiert mit dem Tucson ein neues Modell der Marke Hyundai.

Martin Daniel, Geschäftsleiter von Daniel Automobile in Mumpf, präsentiert mit dem Tucson ein neues Modell der Marke Hyundai.

Bild: Hans Christof Wagner

Bei Daniel Automobile in Mumpf ist der neue Hyundai Tucson der Shootingstar – ein kompakter Mittelklasse-SUV. Bei den Kleinwagen sind es der i10 und der i20, von denen 2020 neue Generationen auf den Markt gekommen sind. Jetzt stehen sie glänzend in Daniels Showroom. Doch wie erfahren die Kunden davon? «Wir haben ihnen dieses Jahr Prospekte davon zugeschickt, verbunden mit Informationen, was in den Garagen seit Anfang März im Zusammenhang mit Corona wieder möglich ist», berichtet Geschäftsleiter Martin Daniel.

Essen und Trinken bei den Frühlingsausstellungen nur als Take-away

Möglich ist, Kunden im Ausstellungsraum zu beraten, sie im Auto Probe sitzen und Probe fahren zu lassen. Aber das gilt für den Einzelkunden, individuell und bestenfalls auf Termin. Würde eine Garage Kunden aktuell zu einer Frühlingsausstellung einladen, müsste alles im Aussenbereich stattfinden. Essen und Trinken gäbe es nur als Take-away, das die Besucher im eigenen Auto oder abseits der Ausstellung verzehren müssten.

Heinz Frei, Inhaber der Garage Langenfeld in Oeschgen, sagt:

«Wenn ich jemanden einlade, will ich ja mit ihm in Kontakt treten und ihn nicht vertreiben.»

Und doch hat er sich jetzt dafür entschieden, vom 18. bis 27. März anlässlich der «E-Days» seinen Kunden die neuesten Elektroautos der Marken Renault und Dacia zu präsentieren – nur im Freien zwar und eben ohne Essen und Trinken anzubieten, aber immerhin mit geöffneten Fahrzeugen und mit Verkaufspersonal, das beratend zur Seite steht. Frei: «Somit können die Kunden die Autos ungestört und unverbindlich anschauen.»

Für Röbi Stocker, Geschäftsführer der Stocker-Garage in Rheinfelden, käme das nicht in Betracht. Er bemerkt unter seinen Kunden schon allein Angst davor, vorbeizukommen, und eine allgemein grosse Kaufzurückhaltung.

Frühlingsausstellungen ideal zur Neukundengewinnung

«Bestandskunden zu halten, dafür gibt es auch digital viele Möglichkeiten», erzählt Frei. Aber ein guter Weg, Neukunden zu gewinnen, seien eben vor allem die Frühlingsausstellungen – noch ganz analog, «Face to Face» und mit persönlicher Beratung.

Vor Corona lief das so: Während die Kleinen in der Hüpfburg tobten, konnte Papi den Geruch von Neuwagen inhalieren, das Lenkrad anfassen, austesten, ob er die Schalensitze bequem findet. Frei sagt: «Das Problem ist, dass diese Kontakte schon seit einem Jahr abgerissen sind.» Daher will er auch daran anknüpfen – wenn auch abgespeckt und pandemiekonform.

Denn es ist schon das zweite Mal, dass den Fricktaler Garagisten die klassischen Frühlingsausstellungen wegbrechen. Daniel berichtet:

Martin Daniel darf Kunden im Ausstellungsraum beraten, aber nur mit Maske.

Martin Daniel darf Kunden im Ausstellungsraum beraten, aber nur mit Maske.

Bild: Hans Christof Wagner
«2020 hatten wir noch eine geplant. Dann kam der erste Lockdown und es lief nur noch als freie Besichtigung auf dem Aussenareal.»

Unter diesen Bedingungen wollte dann auch praktisch niemand kommen, wie die spätere Auswertung der Videokamera-Aufzeichnung bewies. «So haben wir für 2021 gleich darauf verzichtet. Ich würde das sehr gerne machen. Aber der Aufwand wäre zu hoch», so Daniel. Bei einer reinen Aussenveranstaltung sei zudem das Wetterrisiko zu hoch. Daniel: «Es muss schon das Gesamtpaket stimmen.»

Absage des Genfer Autosalons demotiviert zusätzlich

«Der Autosalon Genf hat die Leute immer gut motiviert, auch bei uns vorbeizukommen», sagt Stocker. «Dass der jetzt wieder abgesagt ist, nach 2020 das zweite Mal, hilft uns auch nicht gerade.» Stocker weiter: «Bei den Garagen, die vor allem auf den Neuwagenverkauf setzen, wachsen die Probleme.» Frei kennt als Fricktaler Obmann des Auto-Gewerbeverbands Schweiz AGVS die Zahlen: «2020 wurden 24 Prozent weniger Neuwagen verkauft. Absolut sind das rund 75'000 Autos.»

Für seinen eigenen Oeschger Betrieb kann Frei aber berichten: «Der Neuwagenverkauf ist nur ein Standbein. Hinzu kommt der Werkstattbereich und der ist noch vergleichsweise stabil.» Auch Daniel berichtet von einer «normalen Auslastung» im Werkstattbereich und einem «guten Occasionen-Geschäft» im 2020. Beides habe verhindert, Mitarbeitende in Kurzarbeit schicken zu müssen. Der Autohändler sagt: «Bis jetzt sind wir mit einem blauen Auge davongekommen.» Frei bilanziert:

«Wenn das Geschäft bald wieder anzieht, können wir die Corona-Einbrüche noch ausbügeln. Andernfalls aber wird es schwierig.»

Die Zukunft aber ist ungewiss. Daniel sagt: «Früher haben wir im Frühling immer unsere eigene Ausstellung gemacht und im Herbst waren wir bei der AGVS-Ausstellung in Stein präsent.» Ob die 2021 stattfindet, ist laut Frei allerdings noch offen.