Auswanderer
Seit drei Jahren segeln sie auf den Weltmeeren – und haben noch lange nicht genug, auch wenn sie mit Corona-Tücken zu kämpfen haben

Köbi Brem (60), ehemaliger Gemeindeammann von Wölflinswil, und seine Frau Pia Koch (63) sind auf der Segeljacht Lupina zu Hause. Zwar machen Hitze und tropische Luftfeuchtigkeit zu schaffen. Aber: Sie seien «einfach nur glücklich».

Thomas Wehrli
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Köbi Brem und Pia Koch segeln seit 3 Jahren und 3 Monaten über das Meer.

Köbi Brem und Pia Koch segeln seit 3 Jahren und 3 Monaten über das Meer.

zVg

Seit drei Jahren und drei Monaten sind Köbi Brem (60), ehemaliger Gemeindeammann von Wölflnswil, und seine Frau Pia Koch (63) auf den Weltmeeren unterwegs. Ihr Zuhause ist seither die Segeljacht Lupina – und das soll vorerst auch so bleiben. «Oh nein!», sagt Köbi Brem auf die Frage, ob ihnen das Segeln noch nicht verleidet sei. «Und jetzt, wo es dann in den Pazifik geht, erst recht nicht.»

Wie lange sie auf dem Schiff leben wollen, haben die beiden von Anfang an offengelassen. «Wir wollen westwärts segeln, solange wir Lust haben und körperlich fit genug sind», sagte Brem schon damals – und das gilt nach wie vor. Und:

«Wir sind beide körperlich noch fit und in der Lage, unser Schiff weiterhin über den Ozean zu steuern.»

Die drückende Hitze mit Temperaturen um die 30 Grad – auch in der Nacht – und die tropische Luftfeuchtigkeit, die stets über 75 Prozent liegt, würden ihnen zwar ab und zu zu schaffen machen, «aber im grossen Ganzen vertragen wir das Klima gut, und wir fühlen uns immer noch sehr wohl auf dem Schiff», sagt Brem und fügt an: «Wir sind einfach nur glücklich.»

Die Erdkugel einmal ganz umsegeln

Auf die Ziele angesprochen, sagt Brem: «Natürlich wäre es unheimlich toll, wenn wir es ganz rings um unsere Erdkugel schaffen würden.» Aber das sei nicht das Hauptziel. «Das primäre Ziel ist, dass wir bei allem, was wir machen, Freude empfinden können.»

Die beiden Schiffe Lupina und Anixi vor Anker auf einer Insel in Bocas del Toro (Panama).

Die beiden Schiffe Lupina und Anixi vor Anker auf einer Insel in Bocas del Toro (Panama).

Zvg

Vor ein paar Tagen sind die beiden auf ihrer «Lupina» in Colon, einer Hafenstadt in Panama, eingetroffen. «Dies ist unsere letzte Station im Atlantik», sagt Brem. Davor besegelten sie die Archipele von «Bocas del Toro» im Nordosten von Panama und «San Blas» im Nordwesten, wo die Kuna-Indianer leben.

Ein Highlight für die beiden im letzten halben Jahr war, seit die AZ letztmals über ihre Reise berichtet hat, dass ihnen Grand Cayman die Einreiseerlaubnis erteilt hat. «Wir hatten unheimlich Glück», ist sich Brem ­bewusst. Hier konnten sie inmitten eines grossen Schwarmes mächtiger Stachelrochen schnorcheln – «ein Gänsehauterlebnis», sagt Brem.

Ein zweites Highlight war für Brem und Koch, mit dem «Buddy Boat» – also dem Partnerschiff, mit dem die «Lupina» seit zwei Monaten segelt – den Rio Chagres hinaufzufahren.

«Wir ganz alleine mitten in der Wildnis des Regenwaldes. Ein unheimlich schönes Naturerlebnis», so Brem. Und Downs? Brem muss nicht lange überlegen. «Wir dürfen feststellen: Negative Erlebnisse hatten wir keine.» Auch, weil die «Lupina» mitspielt. «Wir sind vor grösseren Defekten und Reparaturen verschont geblieben», erzählt Brem und lacht:

«Die ‹Lupina› scheint mit uns zufrieden zu sein und verrichtet treu ihre Dienste.»
Schnorcheln mit Stachelrochen in Stingray City, Grand Cayman.

Schnorcheln mit Stachelrochen in Stingray City, Grand Cayman.

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Eine Herausforderung in den letzten Wochen waren die Winde, die in Küstennähe sehr häufig drehen. «Das hat man beim Ankern sehr ungern», so Brem. Denn dreht der Wind um 180 Grad, kann es passieren, dass der festgefahrene Anker ausgerissen und das Schiff abgetrieben wird. «Das ist uns auch zwei Mal passiert, aber wir haben es immer rechtzeitig bemerkt und konnten reagieren.»

Bevor es weiter geht, werden die beiden das Schiff für fünf Wochen verlassen und ihre Familien und Freunde in der Schweiz besuchen. Danach verpassen sie ihrer «Lupina» einen neuen Unterwasseranstrich, damit sich keine Algen und Muscheln daran festsetzen können – und dann geht es durch den Panamakanal in den Pazifik. Brem:

«Eine ganz neue, unbekannte Welt wird für uns aufgehen. Wir freuen uns riesig darauf.»

«Auf den Cayman-Inseln wurden wir mit der Impfung belohnt»

Die Coronapandemie beeinflusst auch die Segelpläne von Köbi Brem und Pia Koch. Einige Inseln durften sie wegen Covid nicht betreten und auf den Cayman-Inseln mussten sie für 14 Tage in Quarantäne.

Glückliche Momente in Grand Cayman: Köbi Brem und Pia Koch

Glückliche Momente in Grand Cayman: Köbi Brem und Pia Koch

Zvg

Wie erleben Sie die Coronasituation vor Ort?

Köbi Brem: Die Situation ist sehr unterschiedlich und hängt stark davon ab, wo man sich aufhält. Unter Seglern auf einsamen Inseln existiert das Thema nicht. Im Gegensatz dazu war es uns auf einigen der bewohnten San Blas Inseln bei den Kuna-Indianern nicht erlaubt, Land zu betreten.

Wie gehen die Menschen mit Corona um?

Auf dem Festland, wo die Bevölkerungsdichte viel grösser ist als auf den Inseln, ist das Thema Covid viel präsenter. Hier werden Massnahmen tendenziell vermehrt und besser eingehalten. Auf den Inseln hat es fast keine Fälle, und somit sind auch keine Massnahmen erforderlich. Die Kuna-Indianer gehen sehr pragmatisch damit um, wie uns ein Medizinmann erklärte: «Covid ist eine Krankheit, die nicht zu uns will, weil wir klein sind.» Die Kunas sind nach den Pygmäen in Afrika das kleinwüchsigste Volk.

Wie hat Corona die Reisepläne in den letzten Monaten beeinflusst?

Wir mussten auf den Cayman-Inseln 14 Tage Quarantäne auf dem Boot absitzen. Als «Belohnung» haben wir da dann allerdings auch gerade die Impfungen machen dürfen. Ansonsten wurden unsere Reisepläne in den letzten Monaten nicht gross gestört. Das wird jetzt im Pazifik anders. Da möchten wir auf die Galapagos-Inseln und danach nach Französisch-Polynesien. Die Letzteren sind im Moment geschlossen und wir wissen noch nicht, wie es dort weiter geht.

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