Fricktal

Ausfuhrzettel in die Schweiz: Bei grün sehen viele Deutsche rot

Stempeln, bitte! Wer seinen Einkauf an der Grenze abstempeln lässt, bekommt im Geschäft die 7 respektive 19 Prozent Mehrwertsteuer zurück. Archiv

Stempeln, bitte! Wer seinen Einkauf an der Grenze abstempeln lässt, bekommt im Geschäft die 7 respektive 19 Prozent Mehrwertsteuer zurück. Archiv

Baden-Württemberg will, dass es Ausfuhrzettel nur noch ab 50 Euro gibt. Hält das jemanden ab? Kaum.

Die grün-rote Landesregierung von Baden-Württemberg sieht rot bei den grünen Zetteln: Weil die Schweizer heute für jedes Tüblein und jede Milchtüte einen Ausfuhrschein ausfüllen lassen können (und dies auch tun), bilden sich lange Schlangen an den Kassen und den Grenzübergängen.

Dem will die Regierung nun Einhalt gebieten – und fordert via Bundesratsinitiative, eine Bagatellgrenze von 50 Euro einzuführen. Wer für weniger einkauft, soll sich die Mehrwertsteuer von bis zu 19 Prozent nicht mehr zurückerstatten lassen können. Die Initiative wird voraussichtlich im März im Bundesrat (das ist die Länderkammer) behandelt.

Das Motto in Stuttgart scheint zu lauten: Wir hören euch, Landsleute, und tun etwas gegen die langen Schlangen an den Kassen und die Stempel-Monotonie an den Grenzübergängen – aber bitte nicht zu viel, denn sonst kommen die Schweizer nimmer. Denn dass die 50-Euro-Grenze viel mehr ist als eine Beruhigungspille, bezweifeln selbst in Deutschland viele. «Wir glauben nicht, dass die Schweizer Kunden bei einer Bagatellgrenze von 50 Euro weniger einkaufen», liess sich Christian Straub, Vorsitzender des Werbe- und Fördervereins Waldshut im «Südkurier» zitieren.

Gleich tönt es auf Schweizer Seite. «Die 50-Euro-Grenze wird nicht viele Schweizer davon abhalten, in Deutschland einzukaufen», sagt Franziska Bircher, Präsidentin vom Gewerbe Region Frick-Laufenburg. «Die meisten, die in Deutschland einkaufen, geben mehr als 50 Euro aus», ist auch Fritz Gloor, Präsident des Gewerbevereins Rheinfelden, überzeugt. Wenn schon, müsste die Grenze deutlich höher liegen – oder die Rückerstattung müsste ganz abgeschafft werden. Das müsse «zumindest diskutiert werden», findet Bircher.

Sie ist Geschäftsführerin der auf Küchen spezialisierten Schreinerei Brogle AG in Wittnau. Würde die Mehrwertsteuer nicht zurückerstattet, so Bircher, liessen etliche ihre Küche nicht mehr in Deutschland offerieren.

An die «Eigenverantwortung appellieren» will auch Gloor. «Wir schneiden uns ins eigene Fleisch, denn wir gefährden Arbeitsplätze bei uns», sagt er.

Bircher ortet noch eine zweite Preisschere: jene im Kopf. «Der Franken hat sich in den letzten Monaten wieder etwas abgeschwächt. In den Köpfen vieler Konsumenten ist er aber immer noch dort, wo er vor einem Jahr war.»

Handeln statt jammern

Im «Aufzeigen, dass wir mit den deutschen Preisen mithalten können», liegt auch für Peter Frey der Schlüssel zum Erfolg. Mehr noch: «Wir können jede Brillenofferte aus Deutschland unterbieten», sagt der Inhaber eines Uhren-, Schmuck und Optikgeschäftes in Frick. Möglich sei dies, weil er gleich lange Spiesse bei den Einkaufspreisen habe. Frey liefert auch Schutzbrillen an die Pharmaindustrie. «Jeder dritte Grenzgänger, der dort arbeitet, kauft seine private Brille bei uns, weil sie günstiger ist als in Deutschland.»

Handeln statt jammern, lautet Freys Devise. Und so ist er es, der künftig in deutschen Zeitungen für Uhren aus der Schweiz wirbt. Er ist überzeugt: «Wir Schweizer können etwas.»

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