Hellikon

Aufpäppeln mit Welpenmilch: Ein Besuch bei der Fledermaus-Mama

Die kleinen Fledermäuse sind «tagaktiv» – sie kriegen tagsüber also jede Stunde ein paar Tropfen Welpenmilch, nachts schlafen sie durch.

Die kleinen Fledermäuse sind «tagaktiv» – sie kriegen tagsüber also jede Stunde ein paar Tropfen Welpenmilch, nachts schlafen sie durch.

Christine Meier führt auf ihrem Hof eine Notpflegestation für Fledermäuse. Über 30 Fledermäuse hat Meier in ihren Notpflegestation aufgenommen und versucht, aufzupäppeln. Bei mehr als der Hälfte ist das gelungen.

Der Winzling verschwindet fast in Christine Meiers Hand. Vielleicht vier Zentimeter gross ist er und keine drei Gramm schwer. Nur ein hohes Fiepen ist von dem jungen Fledermäuserich zu hören. Meier streckt ihm behutsam eine Pipette mit Welpenmilch entgegen, und der Kleine frisst. Sehr zur Freude seiner vorübergehenden Mama.

Seit rund zwei Jahren führt Meier auf dem Hof der Familie in Hellikon eine Fledermausstation. Hier können Findlinge jedes Alters abgegeben werden. Manchmal sind es ausgewachsene Tiere, die bei Unfällen, Begegnungen mit Katzen oder Baumfällungen verletzt wurden. Manchmal sind die Fledermäuse geschwächt vom langen Winterschlaf. Ganz egal, was passiert ist: Meier tut ihr Bestes, um die Tiere gesundzupflegen und dereinst wieder in die freie Wildbahn entlassen zu können.

Mit im Büro

Jetzt, einige Wochen nachdem die Fledermäuse ihre Jungen zur Welt gebracht haben, sind es vor allem Jungtiere, die abgegeben werden. Aktuell hat Christine Meier gleich zwei junge Findlinge in ihrer Obhut. Ein Vorteil: Die kleinen Fledermäuse sind «tagaktiv» – sie kriegen tagsüber also jede Stunde ein paar Tropfen Welpenmilch, nachts schlafen sie durch. «Das ist in freier Wildbahn nicht anders. Da sind die Muttertiere nachts jeweils auf der Jagd», erklärt Meier und fügt mit einem Lachen an: «Uns Pflegenden kommt das natürlich sehr entgegen.»

Aber auch so bringt die stündliche Fütterung einige Herausforderungen mit sich. Meier ist in einem Teilzeitpensum als KV-Angestellte tätig. Die kleinen Fledermäuse nimmt sie deshalb kurzerhand mit ins Büro. Sie trägt sie in einem Beutel unter der Kleidung mit sich, weil die Temperatur dort ideal für die Jungtiere ist. Gefüttert wird dann stündlich im Büro – «mein Chef ist selbstverständlich über die regelmässigen Pausen und den Grund dafür informiert», sagt Meier.

Derzeit pflegt Christine Meier zwei Winzlinge: Die beiden jungen Fledermäuse sind keine fünf Zentimeter gross.

Derzeit pflegt Christine Meier zwei Winzlinge: Die beiden jungen Fledermäuse sind keine fünf Zentimeter gross.

Über 30 Fledermäuse hat Meier in ihren Notpflegestation aufgenommen und versucht, aufzupäppeln. Bei mehr als der Hälfte ist das gelungen. Zum ungewöhnlichen Hobby kam sie durch den Helliker Naturschutzverein, der ihr ein Mail der Stiftung Fledermausschutz weiterleitete.

Diese war auf der Suche nach weiteren Pflegenden. Meier wollte es sich erst einmal überlegen – der Zufall nahm ihr die Entscheidung allerdings ab: Just an diesem Tag fand sie auf dem Hof vier junge Findlinge der Zwergfledermauskolonie, die im Stall wohnt. «Das war ein Zeichen.»

Schöner und schwerer Abschied

Bei der Stiftung Fledermausschutz – sie koordiniert schweizweit Pflegestationen und bietet eine Notfall-Hotline – absolvierte sie einen Kurs, bei dem das nötige Wissen und Know-how vermittelt werden, um eine kantonale Bewilligung zu beantragen. Wobei: Christine Meier hatte einen gewissen Vorsprung. Vor ihrer KV-Tätigkeit hat sie eine Lehre als Tierpflegerin gemacht. «Das Herz ist bei den Tieren geblieben», sagt sie.

Auch zur Arbeit mit den Fledermäusen gehört viel Herz. «Ziel ist es immer, die Tiere in die freie Wildbahn entlassen zu können. Trotzdem entwickelt sich ein Mutterinstinkt», sagt Meier lachend. Der Moment der Freilassung sei daher ebenso schwer wie schön. «Die Fledermäuse dann aber in ihrer natürlichen Umgebung zu sehen, macht mich einfach glücklich», sagt Meier. So soll es dereinst auch bei den beiden Winzlingen sein, die jetzt mit vollem Bauch und eingewickelt in ein Handtuch in der Pflegestation schlafen.

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Autor

Nadine Böni

Nadine Böni

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