Mein Boot treibt mehr oder weniger mittig auf dem Rhein zwischen Wallbach und Schwörstadt. Ich weiss jetzt nicht, ob ich in Deutschland bin oder in der Schweiz. Kontrolliert wegen eines allfälligen Grenzübertritts werde ich auf dem Fluss jedenfalls nicht.

Aber es gibt sie, die Kontrollen, wie David Marquis, stellvertretender Leiter Kommunikation der Eidgenössischen Zollverwaltung (EZV) ausführt. «Dem Grenzwachtkorps steht auf dem Rhein sowohl in Basel als auch auf dem Bodensee ein Einsatzboot zur Verfügung. Wir verfügen zusätzlich über ein Interventionsboot, welches wir per Trailer in allen Grenzgewässern innert kurzer Zeit einsetzen können.»

Durch den Aargau auf dem Wasser, Teil 5: Grenzerfahrung im Boot

Grenzerfahrung im Boot

Auf seiner letzten Etappe zwischen Säckingen und Kaiseraugst paddelt er zeitweise auf der Landesgrenze.

Im Rahmen der ordentlichen Kontrolltätigkeit würden Grenzübertritte auch dort kontrolliert, wo dem Grenzwachtkorps kein Boot zur Verfügung stehe. «Der Ablauf einer Kontrolle ist ähnlich wie beim Grenzübertritt auf der Strasse.» Die durchgeführten Kontrollen seien umfassend, also auch bezüglich mitgeführter Ware, hält Marquis fest.

Meinetwegen kann mich ein Grenzwächter stoppen. Einerseits bin ich auf der deutschen Seite nicht an Land gegangen, um etwas einzukaufen, andererseits hätte mein kleines Boot gar keinen Platz, um grossartig Waren mitführen zu können. Ist Warenschmuggel über den Rhein überhaupt ein Thema? «Es kommt vor, dass auf dem Wasserweg unerlaubt Waren mitgeführt werden, respektive die Ware nicht angemeldet wird», weiss Marquis. «Es handelt sich aber um eine sehr keine Zahl von Fällen.» Keine Schwierigkeiten gab es bisher mit illegaler Migration auf dem Rhein.

Auf historischem Pfad

Es ist meine letzte Etappe dieser Wassertour durch den Aargau. Zuerst geniesse ich den Blick auf das Naturschutzgebiet Haumättli in der Gemeinde Möhlin. Ein Mäusebussard fliegt über meinen Kopf hinweg, in den Fängen ein Ästlein für sein Nest hoch oben in einem Baum. Ich kann ihm beim Nestbau zusehen, weil die Strömung sehr langsam ist. Hin und wieder springt ein Fisch, während ich weitergleite. Ich denke, dass beim nächsten Mittagessen einer der Artgenossen dran glauben muss.

Es sind noch zwei Kraftwerke zu meistern, wobei sich dasjenige von Ryburg-Schwörstadt als für mich anstrengend, aber interessant entpuppt, weil ich den Fussweg über die Wehranlage «Bürkli» wähle. Im 4. Jahrhundert nach Christus stand hier vermutlich ein Wachtturm der spätrömischen Grenzbefestigung und im Frühmittelalter eine grosse Wehranlage.

Apropos Wehranlagen: Entlang dem Rhein werden immer wieder frühere militärische Bauten und zerfallende Anlagen zwischen der Ufervegetation sichtbar. Überhaupt lohnt es sich, dem Fluss auch zu Fuss zu folgen. Der Rheinuferweg ist sehr angenehm zu begehen und bietet immer wieder überraschende Ausblicke.

Nach dem Umgehen des Kraftwerks Rheinfelden paddle ich ins Städtchen hinein, rausche unter der Brücke, die die Schweizer Seite mit dem deutschen Rheinfelden verbindet, durch und lege zwischen vertäuten Booten an.

Fisch auf dem Teller

Wie in Laufenburg erachte ich in Rheinfelden einen Landgang als zwingend, zumal mich der Hunger plagt. Es muss jetzt einer von denen sein, die während der letzten Tage unter mir herumgeschwommen sind. Nach dem Mahl beruhige ich mein Gewissen: Der Fisch auf meinem Teller hat sein Leben für eine gute Sache geopfert.

Nach einem Spaziergang durch das Städtchen binde ich das Boot, das ich für die Mittagspause einfach am Geländer festgemacht habe, wieder los und wassere das letzte Mal auf dieser spannenden Reise durch den Aargau ein. Unterhalb Rheinfelden häufen sich auffällig die Begegnungen mit anderen, motorisierten Bootsführern, die fast alle zum Gruss winken.

Das Passagierschiff «Lällekönig» zieht vorbei, ich lasse mich von den entstandenen Wellen sanft schaukeln. Vor Kaiseraugst, dem Endpunkt meiner Fahrt, treffe ich auf die mächtigen Frachtschiffe «Mergus» und «Bern».

Online erfährt man unter anderem, dass die «Mergus», unter niederländischer Flagge fahrend, 85 Meter lang und 9 Meter breit, die «Bern», unter Schweizer Hoheit, sogar 95 Meter lang und 12 Meter breit ist. Man kann ihre jeweiligen Positionen, wie von anderen Schiffen auch, mitverfolgen.