Beim Wasserkraftwerk in Laufenburg ist eine Pilotanlage geplant, um synthetischen Diesel aus Strom herzustellen (AZ vom 29. Oktober). Nun ist auch klar, wer hinter dem ambitionierten Projekt steckt: Audi, also just eine jener Automarken, die in letzter Zeit vor allem mit dem «Diesel-Gate» für Schlagzeilen sorgten. Eine Imagekorrektur kommt da nicht ungelegen.

Realisiert werden soll die Pilotanlage zusammen mit der Kraftwerkbetreiberin, der Energiedienst Holding AG, und der auf Mikroverfahrenstechnik spezialisierten Ineratec GmbH.

Und der deutsche Automobilhersteller will gehörig Gas – oder besser: e-diesel geben, wie er seinen synthetischen Diesel-Treibstoff nennt: «In den nächsten Wochen» will er die Baueingabe in Laufenburg machen. «Baubeginn soll Anfang 2018 sein», gibt sich Audi in einem Communiqué optimistisch. Das Ziel: «Bereits im kommenden Jahr die ersten Liter e-diesel in Laufenburg zu produzieren.» Die Anlage, die nicht grösser als ein Schiffscontainer ist, soll bis zu 400 000 Liter e-diesel pro Jahr produzieren können. Kostenpunkt der Anlage: rund vier Millionen Franken.

Für Audi ist es bereits die zweite Pilotanlage dieser Art; 2014 hat der Konzern mit einer auf solche Verfahren spezialisierten Firma in Dresden ein ähnliches Projekt lanciert.

In die Entwicklung synthetischer Treibstoffe investieren derzeit auch andere Unternehmen. So haben Investoren jüngst angekündigt, in Norwegen eine Dieselfabrik zu bauen. Diese soll ab 2020 zehn Millionen Liter synthetischen Treibstoff im Jahr herstellen.

Nahezu CO2-neutraler Betrieb

Der Run auf synthetische Treibstoffe hat einen einfachen Grund: Heutige Treibstoffe produzieren im Verbrennungsmotor CO2 – synthetischer Diesel «hat das Potenzial, herkömmliche Verbrennungsmotoren nahezu CO2-neutral zu betreiben», schreibt Audi. Dies, so hoffen die Autobauer, rettet die Verbrennungsmotoren in die Zukunft.

Audi forscht bereits seit mehreren Jahren an synthetisch hergestellten Diesel-Kraftstoffen. «Beim Projekt in Laufenburg können wir durch eine neue Technologie die Produktion von e-diesel effizient in kompakten Einheiten und damit wirtschaftlicher gestalten», sagt Reiner Mangold, Leiter Nachhaltige Produktentwicklung bei Audi. Dazu biete die Pilotanlage die Möglichkeit zur Sektorenkopplung, also zur Kombination der Energiebereiche Strom, Wärme und Mobilität, «und macht erneuerbare Energie speicherbar», so Mangold.

Win-win-Situation

Genau dies wiederum schafft eine Win-win-Situation für die Energiedienst AG: Sie kann Strom, der nicht für das Netz gebraucht wird, weil eine Überkapazität besteht, alternativ für die Produktion von e-diesel nutzen. Dies hilft dem Konzern insbesondere bei den Stromspitzen, die durch die Förderung alternativer Stromquellen wie Photovoltaik entstehen. In Phasen, in denen (zu) viel Strom produziert wird, kann dieser von der Diesel-Produktionsanlage aufgenommen werden.

«Auf diese Weise könnte die Fabrik dazu beitragen, dass die Energiewende trotz volatiler Stromproduktion gelinge», zitiert das deutsche Manager-Magazin Reiner Mangold. Das Magazin hat denn auch bereits einen Titel für die geplante e-diese-Anlage: «die Wunderdiesel-Fabrik».