Das war dann wohl nichts. Der Regierungsrat hat in den letzten Monaten fünf Grundstücke geprüft, die für eine Grossunterkunft für bis zu 300 Asylsuchende infrage kämen. Das eine Grundstück – jenes in Baden – eignet sich nicht, bei den anderen gingen die Gemeinden (vorsorglich) auf die Barrikaden. Damit beginnt die Suche von neuem. Oder, wie es der Kanton formuliert: «Aufgrund der kritischen öffentlichen Stellungnahmen der vier anderen kontaktierten Gemeinden zeichnet sich ab, dass weitere Standortoptionen zu prüfen sind.»

Da stellt sich unweigerlich die Frage: Wäre nicht der ehemalige A3-Werkhof in Frick eine geeignete Option? Schliesslich betreibt der Kanton hier seit bald zwei Jahren seine grösste Unterkunft mit bis zu 150 Asylsuchenden. Und die Erfahrungen sind durchweg positiv, wie Kanton und Gemeinde unisono sagen. «Der Betrieb der Asylunterkunft verläuft weiterhin reibungslos», bestätigt der Fricker Gemeindeschreiber Michael Widmer.

Grünen-Grossrätin Gertrud Häseli erstaunt es denn auch, dass Frick bislang kaum als Option für die geplante Grossunterkunft ins Spiel gebracht wurde. Vielleicht sei dies ja auch Taktik des Kantons, argwöhnt sie. «Man klopft alle Grundstücke ab und zieht schliesslich den letzten Pfeil, Frick, aus dem Köcher.» Frei nach dem Motto: «Den letzten beissen die Hunde».

Mit der Art, wie die Suche abläuft, hat auch Rolf Schmid Mühe. Er ist Präsident der SP des Bezirks Laufenburg und Mitglied der Kontaktgruppe Asyl Frick, die sich um die Asylsuchenden im A3-Werkhof kümmert. Der Kanton werfe einfach einmal ein paar Grundstücke in den Raum und «dann läuft es nach dem Motto: ‹Wer am lautesten schreit, bekommt die Unterkunft nicht›», So Schmid. Wie Häseli ist auch Schmid der Ansicht: «Der A3-Werkhof ist eine Option für die geplante Grossunterkunft.»

Beim Kanton will man dies derzeit nicht kommentieren. Der Regierungsrat werde über das weitere Vorgehen bezüglich der Standortsuche für eine Grossunterkunft im Frühling beraten und danach informieren, sagt Jelena Teuscher, stellvertretende Leiterin Kommunikation im Departement Gesundheit und Soziales (DGS), auf Anfrage. Zudem sei eine Interpellation von Martina Sigg (FDP) zur Beantwortung beim Regierungsrat hängig, die einige der von der AZ gestellten Fragen beinhalte. «Bis zur Publikation der entsprechenden Antworten nehmen wir keine Stellung.»

Gemeinde will andere Nutzung

Deutlicher wird da die Gemeinde Frick: Sie stellt sich gegen eine Weiterführung über den vereinbarten Zeitraum hinaus. «Zwischen dem Kanton und dem Gemeinderat Frick besteht die Vereinbarung, die Unterkunft in Frick während einer auf drei Jahre befristeten Dauer zu betreiben», sagt Widmer. Entsprechend sei das Baugesuch formuliert gewesen und «als Folge daraus besteht in der Bewilligung eine Befristung auf drei Jahre». Diese läuft im März 2020 ab.

Der Gemeinderat habe den kantonalen Vertretern bei der Bewilligung signalisiert, dass die Gemeinde eine kantonale Grossunterkunft in Frick mittrage, «dies jedoch nur unter der Voraussetzung einer zeitlichen Befristung», hält Widmer weiter fest. Unabhängig von der geplanten Grossunterkunft habe sich das DGS letztes Jahr erkundigt, ob sich der Gemeinderat eine Verlängerung der Betriebszeit vorstellen könnte. «Der Gemeinderat hat diese Anfrage abschlägig beantwortet, was der Kanton akzeptiert.»

Der Gemeinderat von Frick ist nicht für eine Grossunterkunft zu haben – auch, weil «an der sehr zentralen und verkehrsgünstigen Lage eine Nutzung mit einer hohen Wertschöpfung hingehört». Zudem sei die Unterkunft von Beginn an als Provisorium konzipiert worden und eigne sich in bautechnischer und energetischer Hinsicht nicht für einen dauerhaften Betrieb.

Ähnlich beurteilt es CVP-Grossrat Werner Müller. Es sei positiv, dass die Asylunterkunft reibungslos funktioniere. Aber: «Der Werkhof liegt unmittelbar beim Autobahnanschluss und damit verkehrstechnisch optimal. Er gehört künftig gewerblich genutzt.» Müller würde sich denn auch dagegen wehren, dass der ehemalige Werkhof zur dauerhaften Asylunterkunft wird. Er unterstütze die Idee einer Grossunterkunft, so Müller. «Das ist effizienter, als mehrere kleinere Unterkünfte zu betreiben.» Allerdings müsse der Kanton dafür einen geeigneteren Standort als den Werkhof finden. Der ehemalige Gemeindeammann von Wittnau ist sich dabei bewusst: «Die Standortsuche wird schwierig, der Widerstand in den betroffenen Gemeinden ist vorprogrammiert.»

Auch SVP-Grossrat Christoph Riner hält nichts davon, für die geplante Grossunterkunft auf den A3-Werkhof zurückzugreifen. Man habe den Leuten damals klar gesagt: Drei Jahre und dann ist Schluss. Daran müsse man sich halten. «Die Glaubwürdigkeit der Politik hängt davon ab, dass man zu dem steht, was man gesagt hat.» Zudem: «Jede Region soll ihren Beitrag leisten. Unsere hat ihren jetzt geleistet. Nun sind andere Regionen an der Reihe.»

Dezentrale Lage als Argument

Anders beurteilt es Häseli. Gerade die guten Erfahrungen, die man in Frick gemacht hat, sprechen für sie dafür, den Werkhof als dauerhafte Option «ernsthaft zu prüfen». Zudem liege der Werkhof für eine Asylunterkunft optimal – «etwas ausserhalb des Zentrums, aber doch nicht abgelegen. Er ist an den öffentlichen Verkehr angebunden und Läden sind in der Nähe.» Ihre Bedingung: «Es müssen genügend finanzielle Mittel bereitgestellt werden, um einen dauerhaften Betrieb einzurichten und ihn dann auch zu unterhalten.»

Schmid, der einer Grossunterkunft, in der deutlich mehr Asylsuchende wohnen würden, als derzeit in Frick leben, «eher skeptisch» gegenübersteht, hält den Standort ebenfalls für langfristig geeignet. Gerade auch, weil er etwas ausserhalb des Dorfes liegt und doch ein Lebensmitteldiscounter in unmittelbarer Nähe ist. Preiswert einkaufen zu können, sei für die Asylsuchenden, die eine Tagespauschale von acht Franken bekommen, wichtig. Schmid bringt ein weiteres Argument ins Feld: «Die Unterkunft gehört bereits dem Kanton. Das vereinfacht den Prozess erheblich.»

Die Unterkunft in Frick beurteilt auch Schmid «als Erfolgsgeschichte». Er könne sich gut vorstellen, dass diese weitergehe. Allerdings müsste der Kanton dann einiges investieren, denn bei der derzeitigen baulichen Lösung «merkt man deutlich, dass es sich um eine endliche Konstruktion handelt».

Für wichtig erachtet es Schmid im Fall eines Weiterbetriebs, dass sich auch künftig Freiwillige um die Asylsuchenden kümmern. Denn dieses Engagement trage wesentlich dazu bei, dass es gut laufe. «Ob die Kontaktgruppe Asyl ihr Engagement auf lange Frist aufrechterhalten könnte, «ist offen und müsste geprüft werden».