Frick

Am Bahnhof fahren bald Gelenkbusse – obwohl sie eigentlich zu gross sind

«Als Verkehrsminister muss ich da beide Augen zudrücken»: Thomas Stöckli auf einem der Poller, die wegmüssen. twe

«Als Verkehrsminister muss ich da beide Augen zudrücken»: Thomas Stöckli auf einem der Poller, die wegmüssen. twe

Krumm wie eine Banane: So halten in Frick bald die Gelenkbusse. Diese verkehren ab dem Fahrplanwechsel im Dezember auf der Staffelegg-Linie. Am Bahnhof in Frick muss improvisiert werden, weil der Platz für die grossen Busse nicht ausreicht.

Die Bus-Pendler können aufatmen: Ab dem Fahrplanwechsel im Dezember setzen die Postauto Schweiz AG auf dem Staffelegg-Kurs zwischen Laufenburg und Aarau vier Gelenkbusse ein. Damit werden zum einen die Steh-Zeiten in den Stosszeiten deutlich kleiner, denn die Gelenkbusse verfügen über zehn Sitzplätze mehr als die Niederflurbusse. Gleichzeitig sinkt auch die Achselschweiss-Belästigungs-Quote: Da die Gelenkbusse auch der Steh-Fraktion fast doppelt so viel Platz bieten, vergrössert sich – bei konstanter Reisedichte – der Abstand zum Reisenachbarn automatisch.

Für die Postauto Schweiz AG hat der Einsatz der Gelenkbusse primär eine betriebswirtschaftliche Komponente: Bislang musste man in den Stosszeiten einen «Beiwagen», also ein zweites Fahrzeug, mitfahren lassen. «Ziel ist es, solche Zusatzkurse zu reduzieren», erklärt Mediensprecherin Katharina Merkle.

Lösung ist «ein Murks»

Alles gut? Nicht ganz. Die Gelenkbusse sind für den Busbahnhof in Frick eigentlich zu lang. Damit sie überhaupt wenden können, müssen sie über den heutigen Warteraum beim Fussgängerstreifen fahren. Dazu muss die Gemeinde im September drei Poller entfernen und den Belag verstärken. Die Folge: Für die Fussgänger wird es unübersichtlicher. Aber auch im Busbahnhof «leiden» die Gelenkbusse. Da die Anlage zu klein ist, müssen sie wie eine Banane gekrümmt parken. «Damit der Chauffeur die dritte Türe sieht, müssen Spiegel montiert werden», erklärt der Fricker Gemeinderat Thomas Stöckli am Ort des Geschehens. Für ihn ist klar: «Das ist ein völliger Murks. Als Verkehrsminister muss ich da beide Augen zudrücken.»

Holzverlad als Zukunftsoption

Hat man die Entwicklung verschlafen? Ja, räumt Stöckli ein, fügt aber sogleich an: «An der Gemeinde lag es nicht. Wir sind in Aarau mehrere Male vorstellig geworden und haben auf eine gescheite Lösung gedrängt.» Eine solche gäbe es auch – beim heutigen Holzverlad von SBB Cargo auf der anderen Seite des Bahnhofs. «Der Platz ist für einen Busbahnhof ideal und der Holzverlad wird kaum mehr benutzt», weiss Stöckli. Seit einem Jahr laufen Verhandlungen zwischen dem Kanton und SBB Cargo über die Holzverlade-Stationen im Aargau. Wann mit einem Ergebnis zu rechnen ist, weiss Stöckli nicht. «Im Herbst», hofft er, wisse man «etwas mehr».

Dass das «Provisorium», wie Stöckli die Gelenkbus-Bananen-Lösung im heutigen Busbahnhof nennt, irgendwann zum Definitivum mutieren könnte, ist für Stöckli undenkbar. «Höchstens fünf Jahre» könne man mit dieser Lösung leben, meint er, und hat ein handfestes Argument: «Bis 2020/21 muss das Behindertengleichstellungsgesetz umgesetzt sein. Der heutige Busbahnhof erfüllt diese Voraussetzung nicht.»

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