Region

Abschlusszeugnis zum Ende der Legislatur: Eine «5+» für die Fricktaler Grossräte

Paradebeispiel für das Zusammenstehen: Die Grossräte aus allen Parteien sind dabei, als Herbert Lützelschwab (Mitte, grüner Pullover) die TNW-Petition einreichte. twe

Paradebeispiel für das Zusammenstehen: Die Grossräte aus allen Parteien sind dabei, als Herbert Lützelschwab (Mitte, grüner Pullover) die TNW-Petition einreichte. twe

Ende Jahr geht die Legislatur zu Ende. Die az zieht Bilanz: Wie gut haben die Fricktaler Grossräte in dieser Legislatur zusammengearbeitet? Was haben sie erreicht? Wie steht das Fricktal heute in Aarau da?

Da waren es noch drei: Am nächsten Dienstag treffen sich die 140 Aargauer Grossräte zur (voraussichtlich) drittletzten Sitzung der laufenden Amtsperiode. Mit dabei: Die 17 Grossräte aus den Bezirken Rheinfelden und Laufenburg, die «Fricktal-Gang», wie man sie in Aarau auch schon nannte. Für fünf von ihnen wird es am nächsten Dienstag die drittletzte grossrätliche Fahrt überhaupt über Staffelegg oder Benkerjoch sein – sie scheiden Ende Jahr aus dem Parlament aus. Vier wollten nicht mehr, einer darf nicht mehr.

Da bleiben noch drei – Fragen: Wie gut haben die Fricktaler Grossräte in dieser Legislatur zusammengearbeitet? Was haben sie erreicht? Wie steht das Fricktal heute in Aarau da? Eine Kurzbilanz als Abschlusszeugnis.

1. Die Zusammenarbeit: Note 6.

Wenn es für die Region darauf ankam, standen die 5 Grossrätinnen und 12 Grossräte zusammen und kämpften gemeinsam und geschlossen für die Fricktaler Anliegen. Quer durch alle Parteien. Das war beim Tarifverbund Nordwestschweiz (TNW) der Fall, das war beim Berufsbildungszentrum Fricktal (BZF) nicht anders.

2. Der Kampfgeist: Note 5–6.

Er ist hoch. Wenn sich die Fricktaler auf eine gemeinsame Linie verständigt hatten, setzten sie sich in ihren Fraktionen auch mit Verve dafür ein. Man spüre eben das Habsburg-Gen in den Fricktalern, scherzen Grossräte aus anderen Regionen.

3. Das Erreichte: Note 5.

Natürlich setzten sich die Fricktaler längst nicht mit allen Wünschen durch. Aber sie konnten in den letzten vier Jahren doch einige Erfolge für die Region verbuchen. Obenaus schwingt der Erfolg beim TNW. Der Regierungsrat wollte 2014 den Kantonsbeitrag von 900 000 Franken an den Tarifverbund aus dem Budget kippen. Die Fricktaler wehrten sich – und setzten sich im Parlament schliesslich durch.

Diesen Erfolg müssen sich die Grossräte allerdings mit einem beherzten Einzelkämpfer teilen: mit Herbert Lützelschwab aus Zeiningen. Er war über die angedrohte Kürzung schockiert – und liess es nicht beim Schockiert-Sein. Lützelschwab lancierte kurzerhand eine Petition. Das Echo war riesig: 6546 Personen unterschrieben die Petition innert kürzester Zeit.

Als Erfolge können die Grossräte auch verbuchen, dass das Grundbuchamt in Laufenburg erhalten blieb (und nun auch für den Bezirk Brugg zuständig ist) und dass das BZF (zumindest vorerst) aus dem Schneider ist. Zugegeben, Letzteres lag weniger an den «local Heroes» aus dem Fricktal als an der Ansicht des gesamten Parlamentes, dass das von Regierungsrat Alex Hürzeler vorgelegte Standortkonzept nichts tauge. Aber dennoch: Es hätte für das BZF schlimm enden können.

4. Die Wahrnehmung in Aarau: Note 4–5.

Das Fricktal wird in Aarau heute als Wirtschaftskraft wahrgenommen. Dies hat die Region vor allem den Life-Sciences-Zentren im Sisslerfeld und in Kaiseraugst zu verdanken. «Früher wurde das Fricktal oft unterschätzt», sagt der abtretende FDP-Grossrat Adrian Ackermann. «Heute nimmt man uns ernst.» Auch Fredy Böni (SVP) spricht von einer «Bewusstseinsschärfung für das Fricktal» in Aarau. «Wenn wir heute etwas wollen, werden wir viel besser angehört, als dies noch vor 20 Jahren der Fall war.» Bei aller Euphorie, so warnt der ebenfalls abtretende Böni, dürfe man aber nicht vergessen: «Das Fricktal ist und bleibt eine Randregion.»

5. Der Anti-Jammer-Faktor: Note 6.

Wenn man vor 20 Jahren mit Politikern sprach, so endete das oft im Jammer-Ton: «Wir armen Fricktaler werden in Aarau vergessen.» Die Zeiten des Jammerns (und die des Vergessen-Werdens) sind, zum Glück, vorbei. «Wir werden sehr wohl ernst genommen», sagt Grünen-Grossrätin Gertrud Häseli und Hansueli Bühler (FDP) alt Grossrat fügt an: «Wir werden nicht vernachlässigt.» Als Beispiel verweist er auf die Einführung der Flirt-Regionalzüge. «Wir bekamen sie als Erste.»

Man kann nun entgegnen: In anderen Bereichen, bei den Kulturbeiträgen des Kantons etwa, geht das Fricktal regelmässig fast leer aus; das Geld bleibt im Speckgürtel Aarau-Baden hängen. «Das liegt auch an uns selber», findet Häseli. «Es braucht auch gute Projekte, die unterstützt werden können.» Hier ist es etwas wie mit dem Huhn und dem Ei: Zu streiten, was zuerst sein sollte – das Projekt oder der Beitrag –, bringt nichts. Zielführend ist einzig, gute Kulturprojekte zu generieren.

6. Die Polemik-Anfälligkeit: Note 6.

Die Fricktaler Grossräte haben keine Profilierungssucht – oder zumindest keine ungesunde. Beispiel Asylpolitik: Die angekündigte Grossunterkunft im A3-Werkhof in Frick sorgte zwar für kritische Stimmen, aber für konstruktiv-kritische. Kein Politiker – auch nicht aus der SVP – nutzte die Gunst der Stunde für einen Rundumschlag auf die Asylpolitik oder ein Eindreschen auf Regierungsrätin Susanne Hochuli. Man stelle sich vor, die Asylunterkunft wäre auf dem Hoheitsgebiet von Andreas Glarner geplant gewesen; der Teufel wäre los gewesen.

7. Die Herausforderungen: Unbenotet.

Gefordert sein werden die Fricktaler Grossräte auch in der neuen Legislatur. Es gilt, das Zusammenstehen, das SP-Grossrätin Elisabeth Burgener in dieser Legislatur als vorbildlich erlebt hat, weiter zu festigen. Denn: «Gemeinsam sind wir stärker», bringt es SP-Grossrat Koller auf den Punkt.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1