Das 116 Jahre alte Braumeisterhaus auf dem Feldschlösschen-Areal in Rheinfelden wird nicht abgerissen. Nachdem zwei Einsprachen, unter anderem vom Heimatschutz Aargau, gegen die Abrisspläne der Feldschlösschen Getränke AG eingegangen waren, zog die Brauerei ihr Gesuch zurück.

«Feldschlösschen ist für die Stadt ein sehr wichtiger Partner»

Fritz Gloor, Präsident vom Gewerbeverein Rheinfelden, sieht in der erfolgreichen Einsprache keinen Sieg für den Heimatschutz, sondern eine Niederlage für die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens und der Region: «Nur wenn sich die Brauerei weiterentwickeln kann, werden auf diesem Gelände Arbeitsplätze erhalten», sagt er und kritisiert: «Wer der Wirtschaft Steine in den Weg legt, leistet einen Beitrag zum Verlust der Standortattraktivität.»

Man dürfe sich deshalb nicht wundern, sagt Gloor, wenn die Carlsberg-Gruppe ihre Investitionen in den Standort Rheinfelden zurückfährt und stattdessen in Standorte in Frankreich investiert – gerade vor dem Hintergrund des starken Frankens.

Henri Leuzinger, Geschäftsführer des Heimatschutzes Aargau, hält diese Ausführung für übertrieben: «Feldschlösschen ist für die Stadt ein sehr wichtiger Partner. Beide arbeiten gut zusammen. Es wird kaum so weit kommen, dass die Carlsberg-Gruppe ihre Investitionen einstellen wird.» Ein Grund, weshalb der Heimatschutz Aargau Einsprache gegen die Abrissunternehmungen des Braumeisterhauses ergriff, ist die historische und markante Trinität aus Pferdestall, dem Restaurant Feldschlösschen und eben dem Braumeisterhaus.

Schützenswerte Trinität

Diese Einsprachebegründung bezeichnet Gloor als an den Haaren herbeigezogen: «Das Braumeisterhaus steht ausserhalb des Schlossensembles. Es ist kein Schlossgebäude aus Backstein, das man auf Postkarten abbilden würde.» Zudem argumentiert Gloor, dass in der Vergangenheit sowohl am Pferdestall als auch am Restaurant Baumassnahmen durchgeführt wurden.

Deswegen stellt er die Frage: «Wieso hat der Heimatschutz nicht schon damals Einsprache ergriffen?» Leuzinger entgegnet: «Ich kann nicht für meine Amtsvorgänger sprechen. Wäre ich damals jedoch im Amt gewesen und hätte von diesen Baumassnahmen erfahren, hätte ich Einsprache eingelegt.»

Weiter führt Gloor die Unübersichtlichkeit der Strassenecke und die Gefahr für kreuzende Velofahrer an: «Ein Abriss des Gebäudes hätte die Gefahrensituation entschärft.» Eine solche Massnahme hält Leuzinger für übertrieben, da die Lastwagenfahrer durch die Strassenführung automatisch zum Langsamfahren gezwungen werden.

Das Abrissvorhaben des 116 Jahre alten Braumeisterhauses versteht Leuzinger nicht: «Einerseits wirbt Feldschlösschen mit ihrer Bierbrauhistorie, andererseits ist das Braumeisterhaus ja gerade ein Stück dieser Historie. Da beisst sich das öffentliche Auftreten des Unternehmens mit dem Handeln.» Andreas Schmid, Sprecher der Feldschlösschen Getränke AG, sagt dazu: «Das öffentliche Erscheinungsbild des Unternehmens hat nichts mit dem Rückzug des Gesuchs zu tun.»