Grippe
Ab wann ein Arztzeugnis nötig ist, regeln Betriebe unterschiedlich

Viele Grippe-Erkrankte gehen zum Arzt, weil die Arbeitgeber ab dem vierten Krankheitstag ein Attest verlangen. Teilweise fordern Betriebe ein solches aber schon ab dem zweiten Krankheitstag.

Susanne Hörth
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Wer Grippe hat, hütet normalerweise rund eine Woche das Bett.

Wer Grippe hat, hütet normalerweise rund eine Woche das Bett.

Halfpoint - Fotolia

Grippe bedeutet in der Regel mindestens eine Woche Bettruhe. Den zurzeit vielen Grippekranken bleibt kaum etwas anderes übrig. An Arbeiten ist nicht zu denken, dazu ist der Körper einfach nicht in der Lage. Spätestens am zweiten oder dritten Tag ist jedoch Aufstehen und zum Arzt gehen in den meisten Fällen unumgänglich. Zum einen, um durch die ärztliche Hilfe die Grippesymptome zu lindern, zum anderen aber vor allem auch, um ein vom Arbeitgeber verlangtes Arztzeugnis zu bekommen.

«Dass ein Grippepatient bereits nach zwei Tagen nur wegen eines Zeugnisses in die Praxis muss, ist für jemanden mit 40 Grad Fieber sowie Kopf- und Gliederschmerzen nicht sinnvoll», sagt Beat Rickenbacher. Der Rheinfelder ist Facharzt für Allgemeine Innere Medizin FMH und Präsident des Fricktaler Hausärztevereins.

Unterschiedliche Handhabung

Ab wann ein Attest vom Arzt nötig ist, wird unterschiedlich geregelt. Was wiederum heisst, es gibt Betriebe, bei denen schon ab dem zweiten Tag ein Zeugnis vorgelegt werden muss, bei anderen scheint das Vertrauen in die Belegschaft grösser und maximal fünf Kranktage gehen ohne ärztliche Bescheinigung.

«Es gibt in meiner Erfahrung sehr unterschiedliche Handhabe mit den Zeugnissen und hängt auch vom Vertrauensverhältnis mit dem Arbeitnehmer ab. Sicher verlangt nicht jeder Arbeitgeber ein Zeugnis bei jeder Erkrankung, da wir ansonsten von ‹Zeugnispatienten› überrollt würden», ist Beat Rickenbacher überzeugt. Kommen Grippepatienten im akuten Stadium in die Arztpraxen, ist auch die Gefahr der Ansteckung nicht zu unterschätzen. Laut Beat Rickenbacher passiert dies hauptsächlich durch Tröpfcheninfektion via Anhusten. «Wir versuchen deshalb, Grippepatienten möglichst schnell zu behandeln, damit sie wieder nach Hause können.» Für den Rheinfelder Arzt ist es durchaus möglich, bei einer Grippe erst nach fünf Tagen ein Zeugnis auszustellen. Versicherungstechnisch sehe er dabei keine Probleme.

Nicht ganz problemlos ist hingegen das telefonische Einfordern eines Arztzeugnisses. Das beruhe auf einer Vertrauensbasis zwischen Patient und Arzt, so Rickenbacher und führt weiter dazu aus, dass er dies individuell handhabe. «Es besteht hier natürlich die Gefahr, dass Komplikationen verpasst oder zu spät erkannt würden oder gesunde Patienten zu lange zu Hause bleiben.» In der Regel würden die medizinischen Praxisassistentinnen die Patienten sehr gut triagieren und hätten jederzeit die Möglichkeit, mit dem Arzt Rücksprache zu halten. «Im Zweifelsfall möchte ich einen Patienten selber sehen, da die Telemedizin hierbei wenig bringt.»

In der Gemeindeverwaltung von Möhlin sind in diesen Tagen auch einige Personen krank. «In unserem Personalreglement und der dazu gehörenden Verordnung ist keine Karenzfrist festgelegt», sagt Gemeindeammann Fredy Böni. Er erklärt aber, dass in der Regel ab dem vierten Tag ein Arztzeugnis verlangt wird. «Bei einer grösseren Grippewelle wie jetzt werden wir sicher toleranter sein.»

In Frick freut sich Gemeindeschreiber Heinz Schmid, dass ihm bis zur Stunde kein einziger Grippefall beim Gemeindepersonal zu Ohren gekommen sei. «Ich drücke beide Daumen, dass es so bleibt.» Sollte die Grippe doch noch zuschlagen, so seien erkrankte Mitarbeiter verpflichtet, den Grund der Abwesenheit dem Vorgesetzten unverzüglich mitzuteilen. «Ein Arztzeugnis wird gemäss Paragraf 16 des Personalreglements verlangt, wenn die Krankheit länger als drei Arbeitstage dauert», so Schmid.

Vertrauen wird geschätzt

An der Kreisschule Unteres Fricktal (Kuf) wird normalerweise nach drei Tagen ein Arztzeugnis verlangt. «Damit wir eine besoldete Stellvertretung einsetzen können. Dieses Arztzeugnis ist notwendig für den Personaldienst des Bildungsdepartements», erklärt Schulleiter Beat Petermann.

«Wir lassen der erkrankten Lehrperson aber Zeit, wieder gesund zu werden. Sie kann das Arztzeugnis auch erst dann einreichen, wenn sie wieder unterrichten kann. Mit diesem Vorgehen haben wir bisher sehr gute Erfahrungen gemacht. Die Lehrpersonen schätzen das Vertrauen der Schulleitung und fühlen sich nicht unter Druck gesetzt.»

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