Asyl
Ab vom Schuss: Mettauertal ist syrischen Flüchtlingen zu ländlich

Als eine syrische Familie sieht, in welchem Ort ihre zukünftige Unterkunft steht, weigert sie sich, ins Auto zu steigen. Bei Gemeinderat Christoph Rutschmann sorgt dies für Befremdung. Flüchtlinge seien in der Gemeinde jedoch weiterhin willkommen

Aline Wüst
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Ländlich: Gemeinde Mettauertal, Ortsteil Oberhogen. (Archiv)

Ländlich: Gemeinde Mettauertal, Ortsteil Oberhogen. (Archiv)

Keystone

Die Gemeinde Mettauertal wollte lange keine Asylbewerber im Dorf. Diesen Sommer kam der Gesinnungswandel: Wegen des anhaltenden Krieges in Syrien und aus Solidarität mit den anderen Gemeinden wollte Mettauertal nun auch Flüchtlinge aufnehmen. Bloss: Die Asylbewerber wollen nicht kommen. Zu ländlich sei der Ort, sagen die Flüchtlinge. Das berichtete die «Neue Fricktaler Zeitung» letzte Woche.

Auf Anfrage erzählt Gemeinderat Christoph Rutschmann, was Ende September vorgefallen ist in der 1700-Seelen-Gemeinde: Rutschmann und die Sozialvorsteherin wollten die Flüchtlinge vor dem Bauernhaus in Empfang nehmen.

Um kurz nach 14 Uhr dann der Anruf aus Untersiggenthal – von dort hätten die Syrer nach Mettauertal transportiert werden sollen. Man teilt mit, die Ankunft werde sich bis auf Weiteres verzögern. Der Grund: Am Vormittag wurde den syrischen Geschwistern mitgeteilt, wohin sie umziehen werden. Wie Rutschmann weiss, zeigte eine Deutschlehrerin ihnen die Gemeinde auf einer Landkarte. Die Geschwister sagten daraufhin, dass dies nicht sei, was sie sich vorgestellt hätten.

Kurz: Die Syrer wollten nicht aufs Land. Als sie am Nachmittag nicht in den Bus steigen wollten, wurde ein Kulturvermittler beigezogen, der ihnen das Dorf schmackhaft machen sollte.

Eine halbe Stunde nach dem ersten Anruf rief dann der Chef Unterbringung des kantonalen Sozialdienstes den Gemeinderat an, um ihn über den neusten Stand der Dinge zu informieren. Da brach Rutschmann das Ganze ab. «Wenn das so beginnt, sind die Probleme bereits vorprogrammiert», sagte er sich.

Ein altes Bauernhaus sollte den Asylsuchenden als Heim dienen – als «sicherer Hafen», wie Gemeinderat Christoph Rutschmann sagt. Dass dieser sichere Hafen nun abgelehnt wurde, das sei enttäuschend. Schlicht, weil diese «Menschen die Situation anders sehen als wir».

An der Einstellung der Bewohner von Mettauertal gegenüber Asylsuchenden habe sich aber nichts geändert, betont Rutschmann. «Wir bieten nach wie vor ein sicheres Zuhause und sind überzeugt, dass diese Menschen das auch verdient haben.»

Beim Kanton weiss man vom Vorfall – kennt allerdings keine Details, wie Enrico Kopatz, Mediensprecher Departement Gesundheit und Soziales, sagt.

Auf die Gemeinden verteilt werden die Asylbewerber vom Kanton. Klar sei, dass sie nicht wünschen könnten, wo sie untergebracht werden möchten. Weigern sich Flüchtlinge, die zugewiesene Unterkunft zu akzeptieren, können sie sanktioniert werden. Die Sanktion geschieht übers Geld. Im Extremfall könnten sie sogar auf Nothilfe von 7 Franken pro Tag gesetzt werden. Das komme selten vor, sagt Kopatz. Aber es kommt vor, sonst gäbe es kein Sanktionssystem.

Lange wird die Unterkunft in Mettauertal nicht mehr leer stehen. Mitte Oktober sollen syrische Flüchtlinge einziehen – drei Erwachsene und 7 Kinder. Trotz des ersten missglückten Anlaufs freue man sich auf die syrische Grossfamilie, sagt Rutschmann.

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