Fricktal

423 überfahrene Tiere: Zahl der Wildunfälle steigt

159 Mal wurde im Fricktal im vergangenen Jahr ein Reh überfahren.

159 Mal wurde im Fricktal im vergangenen Jahr ein Reh überfahren.

159 tote Rehe, 131 Füchse – der Strassenverkehr ist für die Tiere gefährlich. In den Jagdrevieren Wölflinswil und Rheinfelden-Ost wurden 2015 am meisten Wildtiere überfahren.

«Jetzt nimmt dann die Zahl der Wildtierunfälle wieder zu», sagt Hans Ulrich Herzog. Der Grund: «Aktuell sind die Füchse auf Futtersuche für ihre Jungen und im Juli beginnt die Rehbrunft.» Herzog weiss, wovon er spricht. Er ist stellvertretender Jagdaufseher des Reviers Wölflinswil. Jenem Revier, in dem im vergangenen Jahr im Fricktal am meisten Tiere Opfer des Strassenverkehrs wurden.

38 tote Tiere weist die Statistik der Sektion Jagd und Fischerei des kantonalen Departements Bau, Verkehr und Umwelt für das Jagdrevier Wölflinswil aus, 17 mehr als noch im Jahr 2014. 22 Füchse, 11 Rehe, 3 Dachse, 1 Feldhase und 1 Wildschwein liessen ihr Leben unter einem Auto.

Laut Hans Ulrich Herzog ist vor allem eine Strasse betroffen: Die Wölflinswilerstrasse, die vom Brügglihof in Wittnau nach Wölflinswil führt. «Der Wald kommt dort sehr nahe an die Strasse und in diesem Gebiet hat es viel Wild, das oft die Strassenseite wechselt», erklärt Herzog.

Kollisionen mit Zügen

Auch bei Jean Louis Mehlin, Jagdaufseher im Jagdrevier Rheinfelden-Ost, hat das Telefon im vergangenen Jahr oft geklingelt. Wer ein Wildtier anfährt, muss dies nämlich melden – entweder der Polizei, die dann den Jagdaufseher aufbietet, oder direkt dem Jagdaufseher.

37 Mal – 14 Mal mehr als noch 2014 – mussten Mehlin oder seine Stellvertreter ausrücken. 13 Wildschweine, 12 Rehe, 8 Füchse, 3 Steinmarder und 1 Dachs waren die Opfer. «Klar am meisten Vorfälle gibt es auf der Hauptstrasse zwischen Möhlin und Rheinfelden sowie auf der Strasse Richtung Salinen und Industriegebiet.» Hinzu kommen laut Jean Louis Mehlin in «seinem» Revier noch Kollisionen zwischen der Eisenbahn und Wildtieren.

Ein Blick auf die Statistik zeigt, dass die Fallwildzahlen nicht nur in den Revieren Rheinfelden-Ost und Wölflinswil im letzten Jahr zunahmen, sondern im ganzen Fricktal. Total wurden im Fricktal 423 überfahrene Tiere gezählt – 84 mehr als im Vorjahr. Allerdings: Das Jahr 2014 war mit nur 339 toten Tieren eher ein Ausreisser nach unten. Seit 2010 lag der Wert nämlich viermal über 410 überfahrenen Tieren. Betrachtet man den gesamten Kanton Aargau, stieg die Zahl des Fallwilds letztes Jahr von 2203 auf 2391 tote Tiere.

Getreideernte und rasante Fahrer

Faktoren, die die Zahl beeinflussen, gebe es viele, sagt Reto Fischer, Fachspezialist bei der Sektion Jagd und Fischerei. Er erwähnt beispielsweise die Zeiten der Getreide-Ernte. «Wenn innert kurzer Zeit viele Felder abgeerntet werden, in denen gewisse Tiere Zuflucht gesucht haben, müssen sie sich gezwungenermassen neue Einstände suchen», so Fischer.

Auch die regionale Witterung oder die Nahrungsverfügbarkeit, wenn die Jungtiere langsam ausgewachsen sind und sich eigene Territorien suchen müssen, beeinflussten die Fallzahlen, so Fischer weiter. Jean Louis Mehlin führt noch eine weitere Ursache für die hohen Fallwildzahlen an. «Manche Automobilisten fahren einfach sehr rasant.»

Während es in Wölflinswil laut Hans Ulrich Herzog auch dieses Jahr bereits wieder «ziemlich viele Vorfälle» gegeben hat, war die Lage im Revier Rheinfelden-Ost bisher ruhig. Doch auch Jean Louis Mehlin befürchtet in nächster Zeit einen Anstieg der Unfälle. Auch er führt wie sein Kollege Herzog die bevorstehende Rehbrunftzeit an. Und: «Die Wildschweine halten sich derzeit in den blühenden Rapsfeldern auf. Wenn jedoch der Weizen reif ist, werden sie ziemlich sicher dorthin wechseln und dafür die Strassen überqueren.»

Autor

Marc Fischer

Marc Fischer

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